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Nach abgesagtem Verkauf: GM verordnet Opel neue Führungsriege

General Motors macht kurzen Prozess: Nur drei Tage nach dem abgebrochenen Verkauf an Magna besetzt der Mutterkonzern die Führungsriege bei Opel größtenteils neu. Carl-Peter Forster muss seinen Posten als GM-Europachef und Boss des Opel-Aufsichtsrats räumen.

Opel bekommt nach dem abgesagten Verkauf an Magna neue Manager zugewiesen. Der bisherige GM-Europachef Carl-Peter Forster verlässt den Konzern. Medienberichten zufolge ist US-Manager Nick Reilly als Nachfolger vorgesehen. Er ist bislang für das Asien-Geschäft und die Marke Chevrolet verantwortlich. Die Spitze des Opel-Aufsichtsrates soll laut "Spiegel" ein altgedienter US-Manager übernehmen, der 77-jährige Bob Lutz. Bisher ist Forster auch Opel-Aufsichtsratschef.

In Rüsselsheim könnte der Wechsel als weiterer Affront gewertet werden. Einige Opel-Manager machen Lutz dafür mitverantwortlich, dass sich die Marke in den vergangenen Jahren nicht weiterentwickeln konnte.

Der 55-jährige Forster hatte sich vehement für einen Einstieg des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna bei Opel ausgesprochen und die Kehrtwende von GM ungewöhnlich scharf kritisiert. Forster stand von 2001 bis 2004 an der Spitze von Opel. Danach wurde er Chef von General Motors Europe, wozu auch Opel gehört.

Ob auch der bisherige Opel-Chef Hans Demant den Konzern verlassen muss, scheint derzeit noch fraglich. Die Deutsche Presse-Agentur hatte berichtet, dass er seinen Posten wohl ebenfalls räumen muss. Die Nachrichtenagentur AP meldet hingegen, dass Demant bleiben darf. Auch GM-Präsident Fritz Henderson betonte, dass außer Forster derzeit keine anderen Veränderungen im Management von Opel gemacht würden.

Länder entlassen ihren Vertreter

Die vier Bundesländer mit Opel-Standorten entschlossen unterdessen, ihren Vertreter in der Opel-Treuhand, Dirk Pfeil, aus dem Gremium abzuberufen. Grund sei ein kompletter Vertrauensverlust. Pfeil habe sich abfällig über das Verhalten von Politikern in den Verhandlungen zum Opel-Verkauf geäußert. Sein Nachfolger soll der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU) werden.

Der Schritt hat nur wenig praktische Bedeutung, denn mit dem Verzicht von GM auf den Teilverkauf seiner europäischen Tochter hat sich die vorrangige Aufgabe des Gremiums erledigt, nämlich die Verhandlungen mit möglichen Investoren zu überwachen.

GM plant "substanzielle Reduzierung der Belegschaft"

GM kann bei der Sanierung von Opel wohl dennoch auf staatliche Hilfe hoffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten signalisierten, dass sie auch nach dem Scheitern des Opel-Magna-Deals die Opel-Beschäftigten nicht im Regen stehenlassen wollen. Die Bundesregierung will aber das GM-Konzept abwarten, bevor sie irgendwelche Zusagen gibt.

Über das Ausmaß des geplanten Stellenabbaus bei Opel will Henderson noch keine Angaben machen. "Alle Geschäftspläne der jüngsten Zeit, sei es unserer oder der von Magna, sahen eine substanzielle Reduzierung der Kapazitäten sowie der Belegschaft vor", so der GM- Chef. Sein Vize John Smith hatte vor Kurzem erklärt, der Konzern wolle etwa 10.000 Stellen streichen, das wäre jeder fünfte Arbeitsplatz in Europa. Das würde in etwa dem ehemaligen Konzept von Magna entsprechen. Die Kosten für die Sanierung bezifferte Henderson auf drei Milliarden Euro.

DPA/AP / AP / DPA