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Nach geplatztem russisch-europäischen Arktis-Deal Razzia in Moskauer BP-Büros


Gerade hat der russische Staatskonzern Rosneft mit dem US-Ölriesen ExxonMobil ein milliardenschweres Abkommen über die gemeinsame Öl-Förderung in der Arktis beschlossen, da durchsucht die russische Justiz die Moskauer Büros von BP. Die geplante Zusammenarbeit des britisch-niederländischen Konzerns und Rosneft war vor wenigen Monaten gescheitert.

Die russische Justiz hat am Mittwoch die Büros des britischen Ölkonzerns BP in Moskau durchsuchen lassen. Es gehe darum, Dokumente für ein Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen in Sibirien sicherzustellen, teilte die Justiz laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit. Im sibirischen Tjumen verhandelt ein Schiedsgericht ab Mitte Oktober über die geplatzte Zusammenarbeit zwischen BP und dem russischen Ölriesen Rosneft bei der Erkundung von Ölvorkommen in der Arktis. Für dieses Vorhaben wählte Rosneft inzwischen den US-Konzern ExxonMobil als Partner, wie Regierungschef Wladimir Putin am Dienstag mitgeteilt hatte.

BP ist in Russland seit langem mit dem Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP aktiv, an dem der britische Konzern und eine Gruppe russischer Milliardäre jeweils die Hälfte halten. Diese Teilhaber, die sich zu der Investorengruppe AAR zusammengeschlossen haben, hatten das geplante Arktis-Abkommen zwischen BP und Rosneft gerichtlich verhindert. Vor dem Schiedsgericht in Tjumen verlangt ein Aktionär von TNK-BP nun eine Entschädigung wegen des geplatzten Deals in Höhe von 87 Milliarden Rubel (3,6 Milliarden Euro) von BP. Ein Anwalt dieses Aktionärs sagte der Nachrichtenagentur Interfax, BP habe für die Gerichtsverhandlung wichtige Dokumente nicht zur Verfügung gestellt.

ExxonMobil und Rosneft: Milliardenschweres Abkommen

Statt BP wird nun ExxonMobil zusammen mit Rosneft in der Karasee in der Arktis nach Öl bohren. Möglich seien gewaltige Investitionen in Höhe von "bis zu 500 Milliarden", sagte der russische Regierungschef Wladimir Putin bei der Vertragsunterzeichnung am Dienstag im Schwarzmeerort Sotschi. Eine Währungseinheit nannte der Premier nicht.

Die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Itar-Tass sprachen von US-Dollar, das entspräche der Summe von rund 347 Milliarden Euro. Hingegen schrieb die Agentur Ria Nowosti von 500 Milliarden Rubel, umgerechnet gut 12 Milliarden Euro.

In der schwer zugänglichen Arktis werden riesige Vorkommen vermutet, die mit dem Klimawandel und dem damit einhergehenden Abschmelzen des Eises durch Tiefseebohrungen ausgebeutet werden könnten. Rosneft verfügt dort bereits über Fördergebiete. Der Konzern ist aber auf technische und finanzielle Hilfe angewiesen. Die Vereinbarung mit Exxon sieht Putin zufolge neben der gemeinsamen Nutzung von Ölfeldern in Texas und im Golf von Mexiko auch den Bau eines Forschungszentrums sowie gemeinsames Training vor.

liri/AFP/DPA DPA

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