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Neuer DGB-Chef: Zehn Fakten über Reiner Hoffmann

Michael Sommer adé: In Berlin wählten die Delegierten Reiner Hoffmann zum Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Alles, was Sie über den Neuen wissen müssen.

Von Oliver Fuchs

Reiner Hoffmann - wer ist das? Der Gewerkschaftsfunktionär, bislang in Deutschland nur Insidern bekannt, wurde an diesem Montag in Berlin mit 93,1 Prozent zum Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes gewählt. Er folgt damit Michael Sommer nach, der sich nach zwölf Jahren zurückzieht.

Hoffmann wird damit so etwas wie das Gesicht der deutsche Gewerkschaftsbewegung. Er wird Abends in der Tagesschau zu sehen sein, wenn es mal wieder um die Arbeitsmarktpolitik geht; er wird mit der Kanzlerin verhandeln; er wird Demonstrationen anführen. Zehn Fakten über den Neuen.

Hoffmanns Vorgänger Sommer hat sein Amt aus Altersgründen abgegeben. Schräg: Hoffmann, 58, ist kaum jünger Sommer, 62.

Hoffmanns

Wurzeln

sind recht typisch. Sein Vater war Maurer und in der IG Bau, die Mutter Putzfrau, die Familie sozialdemokratisch geprägt. Hoffmann trat in die SPD ein, noch bevor er Gewerkschaftsmittglied wurde.

Wissenschaft statt Werkbank

: Nach einer Kaufmännischen Lehre beim Chemie- und Pharmaunternehmen Farbwerke Hoechst studierte Hoffmann Wirtschaftswissenschaften. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler Stiftung unterstützte ihn mit einem Stipendium - und holte ihn direkt nach seinem Abschluss als Mitarbeiter ins Haus.

Hoffmann ist

Europäer aus Überzeugung

. Fast ein Viertel seines Lebens hat er in Brüssel gearbeitet - für den Dachverband der Europäischen Gewerkschaften. Ihn nervt es, wenn Kritiker immer wieder behaupten die EU produziere nur neoliberale Politik oder gar nichts. Das sei schlicht falsch, sagt er.

Auf die CSU ist Hoffmann nicht gut zu sprechen. Deren Slogan "Wer betrügt, der fliegt" sei keine berechtigte Kritik an den Auswüchsen der Personenfreizügigkeit, sondern: "Unsägliches, populistisches Rumschwadronieren. Übelst!“

Hoffmann ist ein

Genußmensch

. In Berlin hat er sich eine Wohnung im gutbürgerlichen Charlottenburg gemietet. Gerne ist er beim gehobenen Italiener gegenüber ein Fischcarpaccio und trinkt ein Glas guten Wein. Zum Nachtisch gibt's eine Zigarette.

Dem neuen DGB-Chef wird nachgesagt, er sei

umgänglich

. "Er kann einem Menschen das Gefühl geben, sich auf nichts so sehr gefreut zu haben, wie auf dieses jeweilige Gespräch jetzt", sagt Gewerkschaftskollege Seppel Kraus, der in Bayern die IG BCE leitet.

Das große Thema seines Vorgängers - den Mindestlohn - hält Hoffmann für "im Wesentlichen" abgearbeitet. Nun gehe es wieder um das

Kerngeschäft Arbeit

.Ihm ist ein Anliegen, dass die Menschen auch mit über 60 Jahren gesund erwerbstätig bleiben können.

Seine besten Drähte hat Hoffmann in die EU. Schreibe er einem Kommissar eine Mail, könne er noch am gleichen Tag mit einer Antwort rechnen, sagt ein Insider.

Hoffmann ist Witwer und hat

zwei erwachsene Kinder

.