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Neues Sanierungskonzept: GM will sich durch Verstaatlichung retten

Die ersten beiden Sanierungspläne hatte Obama abgeschmettert, nun hat General Motors ein drittes Konzept vorgelegt: Es sieht neben weiteren drastischen Kürzungen vor, den Staat zum Hauptaktionär zu machen. GM wäre mit einem Schlag einen Großteil seiner gigantischen Schulden los. Für Opel soll bis Mitte Mai eine Lösung her.

Der vom Untergang bedrohte Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) sucht sein Heil in einer weitgehenden Verstaatlichung. Der Staat soll als neuer Mehrheitsaktionär mindestens 50 Prozent an dem Autobauer bekommen und dafür die Hälfte seiner milliardenschweren Regierungskredite erlassen. Das sieht ein nochmals verschärfter Sanierungsplan vor, den GM-Chef Fritz Henderson am Montag in Detroit präsentierte. Die Auto-Gewerkschaft UAW soll ebenfalls für einen Schuldenerlass 40 Prozent an GM bekommen, die privaten Gläubiger zehn Prozent. Andernfalls sei ein Insolvenzverfahren nicht abzuwenden, warnte Henderson.

Die Auto-Kommission der US-Regierung nannte den GM-Tauschplan einen "wichtigen Schritt". Die Regierung selbst habe aber noch nicht endgültig über Umwandlung ihrer Kredite entschieden. Die Annahmefrist für die Gläubiger läuft nun bis 26. Mai, mindestens 90 Prozent müssen zustimmen. Die heutigen GM-Aktionäre würden dem Plan zufolge am Ende praktisch leer ausgehen.

Das neue Rettungskonzept sieht zudem in den USA einen noch massiveren Stellenabbau, mehr Werksschließungen und weitere drastische Kürzungen vor. Die Zahl der Arbeiter in den US-Werken soll bis Ende 2010 um weitere 21.000 auf rund 40.000 Beschäftigte sinken und damit um 7000 mehr als bisher geplant. Nochmals ein Werk mehr als bisher vorgesehen wird geschlossen - andere Fabriken machen früher als bisher geplant dicht.

Kultmarke Pontiac stirbt

Nach dem Sanierungsplan wird GM zudem die traditionsreiche Marke Pontiac spätestens 2010 einstellen. Die Marken Hummer, Saturn und Saab sollen bis Ende dieses Jahres entweder verkauft oder ebenfalls eingestellt werden. Das Ende von Pontiac dürfte auch das Aus für den Opel GT bedeuten, der auf Basis eines Pontiac-Roadsters in den USA produziert wird. GM konzentriert sich in Nordamerika künftig auf vier statt acht Marken: Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC.

GM hat bisher insgesamt 15,4 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen erhalten und will weitere 14,6 Milliarden. Bei seinen mehreren tausend privaten Gläubigern - von Banken bis zu Betriebsrentnern - steht der Konzern mit 27 Milliarden Dollar in der Kreide. Weitere Milliarden-Verbindlichkeiten bestehen gegenüber der Gewerkschaft für den Gesundheitsfonds der Betriebsrentner. Insgesamt will der Konzern durch die verschiedenen Maßnahmen den Schuldenberg um mindestens 44 Milliarden Dollar (33 Milliarden Euro) abbauen.

Lösung für Opel bis Mitte Mai?

Die Verhandlungen mit mehreren Interessenten über das Europa-Geschäft rund um die Tochter Opel will GM in wenigen Wochen abschließen. Die Gespräche würden mindestens noch in die erste Mai-Hälfte hinein andauern, sagte Henderson. Namen möglicher Käufer wollte er nicht nennen. GM plane keinen Komplettausstieg aus dem Europa-Geschäft. "Wir werden uns nicht aus Europa verabschieden, wir werden nur andere Strukturen haben", bekräftigte Henderson.

Zuletzt hatte der GM-Chef von mehr als sechs potenziellen Käufern gesprochen. Genannt wurden bisher der italienische Autobauer Fiat und der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna. Die Bundesregierung fordert von möglichen Investoren Garantien für Werke und Arbeitsplätze. Bei Opel befürchtet unter anderem der Betriebsrat, der italienische Konkurrent Fiat könnte nach einer Mehrheitsübernahme massive Einschnitte in Deutschland in Gang setzen.

Chrysler einig mit Gewerkschaften

Unterdessen erzielte der ebenfalls schwer angeschlagene Konkurrent Chrysler eine Einigung mit den Autogewerkschaften in den USA und Kanada und nahm damit eine wichtige Hürde im Kampf um seine Rettung. Die mächtige US-Autogewerkschaft UAW stimmte am Sonntag einer vorläufigen Vereinbarung mit Chrysler, dem italienischen Hersteller Fiat und der Regierung zu. Die Autogewerkschaft in Kanada CAW gab grünes Licht für Kostensenkungen. Nun müssen die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und die Allianz mit Fiat besiegelt werden, damit ein Zusammenbruch der einstige Daimler-Tochter verhindert wird. Washington hat dem Unternehmen eine Frist bis Donnerstag gesetzt, um mehrere Bedingungen für eine weitere milliardenschwere Unterstützung zu erfüllen.

DPA/AP / AP / DPA