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Opel-Deal: Beteiligte warnen vor Überschwang

Der erste Jubel wich schnell Mahnungen: Beim Opel-Verkauf warnten die Beteiligten am Abend, dass der Deal mit Magna noch nicht in trockenen Tüchern sei.

General Motors rechnet zwar mit einem Abschluss des Opel-Verkaufs an Magna und dessen russischen Partner Sberbank bis Ende November. Gleichzeitig erklärte der amerikanische Autobauer aber, dass noch einige "Kernfragen" zu klären seien. Das Geschäft werde "nicht nach dem 30. November" über die Bühne gehen, sagte der GM-Verhandlungsführer für den Opel-Verkauf, John Smith, am Donnerstag. Auch Magna wies daraufh hin, dass noch einige Fragen zu klären seien.

Umstritten war bis zuletzt die Aufteilung des Zukunftsmarkts Russland. Nach Angaben von Smith soll nun auch das GM-Werk in St. Petersburg zu dem neuen Opel-Unternehmen gehören, während GM die Vertriebsrechte für die Marke Chevrolet behält. Allerdings sei hier einen Vertriebskooperation mit Magna vorstellbar. Nach Einschätzung von Smith fungiert die russische Sberbank, die wie Magna zunächst 27,5 Prozent an Opel halten soll, als "Platzhalter" für den Autohersteller GAZ, bis dieser seine Sanierung hinter sich gebracht habe. Die Sberbank warnte denn auch vor überzogenen Erwartungen. Vorstandschef German Gref nannte es "zu früh, um von einer endgültigen Lösung" zu sprechen. "Wir sind in einem sehr wichtigen Zwischenstadium", sagte Gref. Bisher seien die Verhandlungen mit GM "sehr anstrengend" gewesen. "Das Geschäft ist beispiellos kompliziert: Allein die Absichtsvereinbarung hat mehr als 1000 Seiten."

Die Opel-Treuhand hatte den Verkauf des Autobauers zuvor genehmigt. Damit sei der Weg frei für eine erfolgreiche Zukunft der Traditionsmarken Opel und Vauxhall, hieß es. "Wir sind heute im Beirat zu einer Entscheidung gekommen, von der wir fest glauben, dass sie im besten wirtschaftlichen Interesse von Opel/Vauxhall sowie deren Mitarbeiter ist", sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin.

Die Bedenken der Sberbank könnten mit einer Regelung zusammenhängen, die die Opel-Produktion in Russland betrifft. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird der Magna-Partner GAZ wahrscheinlich nur bestimmte Modelle in Russland nach Vorgaben von GM montieren dürfen. Die Opel-Mutter werde Gaz Beschränkungen auferlegen, verlautete aus dem Umfeld des russischen Unternehmens.

Alle vier Standorte sollen erhalten bleiben

Damit beschloss der bisherige Mutterkonzern General Motors beschloss die Trennung nach mehr als 80 Jahren. Magna will nach früheren Informationen rund 3000 der mehr als 25.000 Opel- Arbeitsplätze in Deutschland streichen, aber alle vier deutschen Standorte erhalten.

Das Konzept sieht vor, dass Magna und die Sberbank einen Anteil von 55 Prozent an Opel erwerben. GM behält 35 Prozent, die Mitarbeiter werden mit 10 Prozent beteiligt. Eine verbindliche Vereinbarung solle in einigen Wochen unterzeichnet werden. Zuvor müssten noch einige wichtige Punkte abschließend geklärt werden, berichtete die Treuhand. Magna hat den Erhalt von allen vier

Der Betriebsrat erneuerte sein Angebot, mit Milioneneinsparungen bei der Belegschaft zu der Gesundung von Opel beizutragen. Die Mitarbeiter böten einen Lohnverzicht von insgesamt jährlich 265 Millionen Euro an, sagte Opels Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Von 2009 bis 2014 kämen so 1,6 Milliarden zusammen. Magna war ein erklärter Favorit des Betriebsrates.

Merkel erfreut über Deal

Die Bundesregierung hatte sich im Vorfeld erfreut über die Entscheidung zu einem Opel-Verkauf geäußert. Zuvor hatte der US-Konzern General Motors bekannt gegeben, nun doch bereit für einen Opel-Verkauf an den den Zulieferer Magna zu sein. Bundeskanzlerin Merkel untermauerte in einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz den geplanten Verkauf an den österreichischen Autozulieferer. Sie hält einen Neuanfang bei Opel für möglich.

"Ich freue mich außerordentlich über diese Entscheidung", sagte die Kanzlerin. Das Ergebnis liege "auf der Linie dessen, was sich die Bundesregierung auch gewünscht hat" und was sich die Arbeitnehmer von Opel gewünscht hätten. "Es hat sich gezeigt, dass sich Geduld und Zielstrebigkeit der Bundesregierung ausgezahlt haben." Es sei aber kein einfacher Weg gewesen. Einfach wird auch der zukünftige Weg von Opel nicht sein. Denn der GM-Verwaltungsrat knüpft diese Empfehlung an Bedingungen.

Mehrheit an Magna und Sberbank

Laut GM-Europe-Pressemitteilung vom Donnerstag in Zürich unterstützt die Bundesregierung die "Finanzierung mit zusätzlichen Staatsgarantien". Der GM-Verwaltungsrat unterstütze ein entsprechendes Kaufangebot für seine europäischen Töchter Opel und Vauxhall. Einige Kernfragen müssten in den kommenden Wochen noch geklärt werden, um verbindliche Vereinbarungen treffen zu können, teilte der Konzern mit. Dazu gehörten die Mitwirkung der Gewerkschaften bei der notwendigen Kostensenkung und der Abschluss eines definitiven Finanzierungspakets der Regierungen von Bund und Ländern.

Die endgültigen Vereinbarungen sollten innerhalb der nächsten Wochen unterschriftsreif sein und anschließend innerhalb der kommenden Monate zum Abschluss gebracht werden können. "Nach großen Anstrengungen, die in den beiden vergangenen Wochen unternommen wurden, um offene Fragen zu klären und Details des deutschen Finanzierungspakets auszuarbeiten, haben sich GM und sein Verwaltungsrat dazu entschieden, Magna/Sberbank als Investor zu empfehlen," erklärte GM-Chef Fritz Henderson, der sich sowohl bei der Bundesregierung sowie den Kunden bedankte.

"Lösung, die den Wahlkampf nicht belastet"

Merkel betonte zuvor vor Journalisten, sie habe nicht den Eindruck, dass GM weiter taktieren wolle. Der Konzern habe keine Nachforderungen gestellt. Die Finanzierungsbedingungen der Bundesregierung würden von General Motors akzeptiert, sagte Merkel. Jetzt werde es noch Beratungen in der Opel-Treuhand geben, die den Autobauer verwaltet. Sie glaube aber, dass alle Punkte in den Verhandlungen "beherrschbar" seien. Nach Angaben von Merkel hatte GM-Chef Fritz Henderson in einem Telefonat den Chef des Kanzleramts, Thomas de Maizière, über den Verkauf von Opel informiert. GM-Vize John Smith war zuvor zu weiteren Gesprächen nach Berlin gereist.

Aus Berliner Koalitionskreisen hieß es zuvor: "Wir haben jetzt eine Lösung, die den Wahlkampf der Kanzlerin nicht belastet. Ob Magna die Auflagen von GM erfüllen kann, wird vor dem Wahltag wohl nicht zu klären sein. Danach sieht man weiter." In Berlin war spekuliert worden, GM könnte eine Entscheidung über die Zukunft von Opel verschieben, um die Bundestagswahl am 27. September nicht zu belasten. Die Bundesregierung hatte sich früh auf Magna als Investor festgelegt.

Der mit 50 Milliarden Dollar von der US-Regierung gestützte einstige Weltmarktführer GM hatte indes lange den belgischen Finanzinvestor RHJ favorisiert. Damit wollten sich die Amerikaner die Möglichkeit offenhalten, Opel nach einer Sanierung zurückzukaufen. Nach Abschluss der Blitzinsolvenz von GM waren am Konzernsitz in Detroit allerdings vermehrt Stimmen laut geworden, die sich für einen Verbleib von Opel aussprachen. Laut einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der bei den Beratungen von GM eine Rolle spielte, würde der Konzern dafür aber bis zu 6,1 Milliarden Dollar benötigen - deutlich mehr als von den Amerikanern ursprünglich veranschlagt.

Stellenabbau ist unausweichlich

Magna hatte in seinem Angebot zugesichert, dass alle vier deutschen Opel-Standorte erhalten bleiben. Opel beschäftigt derzeit mehr als 25.000 Mitarbeiter in Deutschland. Einen deutlichen Stellenabbau wird es aber auch mit Magna geben. Unklar ist, wie die anderen EU-Länder mit Opel-Werken auf die Vereinbarungen zwischen Detroit und Berlin reagieren.

Die Verständigung mit General Motors kam unerwartet. Vor der Verwaltungsratssitzung in Detroit war damit gerechnet worden, dass der Autokonzern eine Festlegung zu Opel erneut vertagt. Zudem wurde in dem Spitzengremium ein Verbleib von Opel unter dem GM-Konzerndach erwogen. Formal hat nun die Opel-Treuhand das letzte Wort. Im Beirat der Treuhand, die 65 Prozent der Opel-Anteile hält, sitzen Vertreter von Bund, Ländern und GM.

DPA/Reuters / DPA / Reuters