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Angst vor Deflation Preise in Eurozone gehen erstmals seit 2009 zurück


Zum ersten Mal seit fünf Jahren sinken die Verbraucherpreise in der Eurozone. Grund ist der niedrige Ölpreis. Was zunächst erfreulich klingt, lässt Ängste vor einer Deflation aufkommen.

Wegen des stark verbilligten Öls sind die Verbraucherpreise in der Eurozone im Dezember erstmals seit mehr als fünf Jahren zurückgegangen. Wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg in einer ersten Schätzung mitteilte, verringerten sich die Verbraucherpreise in der Währungsunion um 0,2 Prozent. Dies weckte Ängste vor einer Deflation - einem länger anhaltenden Preisverfall, der Europas Wirtschaft lähmen könnte.

Das letzte Mal hatte es in den Monaten von Juni bis Oktober 2009 einen Rückgang der Lebenshaltungskosten gegeben. Im November 2014 hatte die Inflationsrate noch bei 0,3 Prozent gelegen.

Grund für den Rückgang der Preise im Dezember seien vor allem die stark fallenden Energiepreise, teilte Eurostat mit. Diese sanken im Vergleich zum November um 2,6 Prozent. Gegenüber dem Dezember 2013 gab es einen Rückgang von 6,3 Prozent. Stabil blieben dagegen die Preise für Nahrungsmittel und Getränke sowie für Industriegüter. Lediglich die Preise für Dienstleistungen stiegen im Vergleich zum November um 1,2 Prozent in den bis dahin 18 Staaten der Währungsunion. Der Euro-Neuzugang Litauen wird erst ab Januar in den Berechnungen berücksichtigt.

Inflationsraten mit Sorge beobachtet

In Deutschland gab es noch keinen Preisrückgang, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hatte. Demnach lag die Inflationsrate im Dezember bei 0,2 Prozent. Dies war der niedrigste Stand seit fünf Jahren.

Schon die anhaltend niedrigen Inflationsraten wurden von der europäischen Politik und ganz besonders von der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Sorge beobachtet. Denn dies kann dazu führen, dass Unternehmen nur zögerlich investieren oder die Produktion zurückfahren. Verbraucher könnten ihrerseits Anschaffungen zurückstellen, weil sie Einkommenseinbußen befürchten oder auf noch niedrigere Preise hoffen.

Um von Deflation zu sprechen, reicht nach gängiger Definition ein Preisrutsch in einem Monat nicht aus. Dazu muss sich die Inflationsrate für längere Zeit klar ins Negative umkehren. Als abschreckendes Beispiel gilt Japan, das in den 1990er Jahren in die Deflation stürzte und dessen Wirtschaft sich bis heute nicht wirklich davon erholt hat.

Entscheidung über EZB-Kurs Ende Januar

Der Preisrückgang im Dezember könne "den Start einer anhaltenden und schädigenden Periode der Deflation für die Währungsunion ankündigen", erklärte Volkswirt Jonathan Loynes von Capital Economics. Dies berge das Risiko, "die Schuldenkrise der Region neu zu entfachen", weil schwächere Länder an einer weiteren Haushaltskonsolidierung gehindert werden könnten. Loynes zufolge wächst damit der Druck auf die EZB, über den groß angelegten Kauf von Staatsanleihen einzugreifen.

Signale für ein solches quantitative easing (quantitative Lockerung) hatte es aus der Zentralbank zuletzt gegeben. Über ihren Kurs will die EZB auf ihrer Sitzung am 22. Januar entscheiden. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Doch die Talfahrt des Ölpreises ging auch am Mittwoch weiter. In London fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent erstmals seit 2009 unter die Marke von 50 Dollar (42 Euro).

AFP AFP

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