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Sinkende Ölpreise: Das Benzin wird noch billiger

So günstig wie jetzt konnte man jahrelang nicht tanken oder heizen. Und die Preise werden weiter fallen - weil die Saudis den USA eine Lektion erteilen wollen.

Von Gernot Kramper

Das Benzin wird 2015 noch merklich billiger.

Das Benzin wird 2015 noch merklich billiger.

In den letzten Wochen macht es wieder Spaß, Auto zu fahren. An der Tankstelle muss man lächeln, denn der Spritpreis fällt und fällt. Super gibt es für unter 1,40 Euro, Diesel gar für weniger als 1,30 Euro. Im bundesweiten Durchschnitt kostet ein Liter E10 derzeit 1,442 Euro, wie der ADAC mitteilte. Damit ist Benzin so günstig wie zuletzt im Februar 2011. Der Preis für Diesel blieb laut Autoclub unverändert zur Vorwoche bei 1,305 Euro.

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, das kaum jemand erwartet hat. Denn noch vor einigen Jahren wurde von Experten prognostiziert, dass der Ölpreis nur noch eine Richtung kennt: steil nach oben. Bevor es irgendwann ganz mit der Ölwirtschaft zu Ende geht, weil die Lagerstätten erschöpft sind.

Kein Ende des Ölzeitalters

Die Prognosen waren falsch. Die Hauptursache für die jetzigen Billigpreise an der Tankstelle ist eine weltweite Schwemme an Rohöl, die zu einem Rückgang des Rohölpreises führt. Vier Jahre lange wurde das 144-Liter-Fass der Sorte Brent zu Preisen von 100 bis 120 Dollar gehandelt, mittlerweile wurde die 80-Dollar-Marke durchschlagen. Die Studie "The new oil order" von Goldman Sachs rechnet mit einem Preis von 75 Dollar für das Jahr 2015.

Für den Verbraucher heißt es, dass die Tankstellenpreise noch stark fallen werden. Denn es dauert eine Zeit, bis die niedrigen Börsenpreise beim Endkunden ankommen. In der nahen Zukunft wird es bei dem günstigen Niveau bleiben. Man muss also kein Benzin im Kanister horten. Und selbst wenn die Notierungen irgendwann wieder anziehen, wird es dauern, bis das vorherige Niveau wieder erreicht wird. Das freut nicht nur die Autofahrer, auch die Heizungskosten werden merklich sinken. Nicht nur für Ölheizungen, auch andere Energieträger wie Gas sind an den Ölpreis gebunden. Statt Nachzahlungen gibt es Rückzahlungen.

Entlastung des Verbrauchers

Der Verbraucher wird also mehr Geld in der Tasche haben. Deutschland importiert Öl und Gas. Für die deutsche Wirtschaft sind die niedrigen Energiepreise also nur gut. Weniger gut für das Exportland Deutschland ist, dass auch die nachlassende Weltkonjunktur für die fallendenden Ölpreise verantwortlich gemacht wird. Auch die Bereitschaft, in bessere Energiedämmung und Autos mit geringem Verbrauch zu investieren, wird sinken. Für Umweltschutz und Klimaerwärmung wären diese Investitionen wichtig. Aber je günstiger Energie ist, desto weniger amortisieren sich Investitionen in den Klimaschutz.

Fieser Crash beim Driften

Die Ölschwemme hat langfristige und aktuelle Ursachen. Langfristig haben die USA den Ölmarkt verändert. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt war bis vor kurzem Nettoenergieimporteur. Die USA stillten ihren Öldurst im Ausland. Doch inzwischen fördern die USA mehr Energie, als sie selbst verbrauchen. Neben neuen Ölfeldern bescherte vor allem das in Europa umstrittene Frackingverfahren den USA einen neuen Öl- und Gasboom.

Die Saudis lassen die Muskeln spielen

Die USA fuhren ihre Fördermengen aggressiv nach oben, so lange, bis sie mit den Interessen Saudi-Arabiens kollidierten. Bislang hat Saudi Aramco für einen stabilen und hohen Ölpreis gesorgt, indem zur Not die eigene Förderung gedrosselt wurde. Doch Saudi-Arabien und die Operc sind nicht länger gewillt, den eigenen Marktanteil zu reduzieren, damit andere Produzenten gute Geschäfte machen können. Riad drosselt die Produktion nicht länger - und nimmt fallende Ölpreise hin.

Das Kalkül der Saudis: Sie können Öl noch zu einem Preis mit Gewinn fördern, bei dem andere Länder längst Verlust machen. Alle Ölförderländer wie Russland oder Venezuela leiden unter den fallenden Preisen. Sollten die Niedrigpreise anhalten, sind sie zu schmerzhaften Kürzungen im Staatshaushalt gezwungen, weil die Gewinne sinken. Aber fördern werden sie weiterhin.

Anders sieht es in den USA aus: Fracking ist eine teure Fördermethode, die sich nur zu einem Ölpreis von etwa 80 Dollar lohnt. Es muss weder zum Ruin des russischen Haushalts, noch zum Ende des Frackingbooms kommen. Sollten die anderen Marktteilnehmer mehr Rücksicht auf die Wünsche Riads nehmen, kann der Ölkrieg auch schnell wieder beendet werden. Auf Billigpreise für alle Zeiten sollte der Verbraucher also nicht vertrauen, doch für die nächsten ein bis zwei Jahre kann er mit einer merklichen Entlastung rechnen.

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