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Preise sinken um 2,9 Prozent: Rezession in Griechenland verschärft sich

In Griechenland sinken die Preise in Rekordgeschwindigkeit. Allerdings sinkt auch das Bruttoinlandsprodukt und vor allem die Reallöhne. Im nächsten Jahr könnte es allerdings eine Überraschung geben.

Die schwere Rezession lässt die Preise in Griechenland im Rekordtempo fallen. Waren und Dienstleistungen verbilligten sich um November um durchschnittlich 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine stärkere Deflation hat es seit Beginn der Datenerhebung 1960 noch nie gegeben, wie das Statistikamt am Montag in Athen mitteilte. Im Oktober hatte das Minus bei 2,0 Prozent gelegen.

"Das ist beispiellos für Griechenland", sagte Ökonom Nikos Magginas von der National Bank of Greece. "Eine lange Periode des allgemeinen Preisverfalls würde die Schuldendynamik des Landes noch verschlechtern." Auch die Industriestaaten-Organisation OECD warnte kürzlich, dass eine starke Deflation die Konjunktur drücken und damit den Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nach oben treiben könnte.

Grund für den Preisverfall ist die Wirtschaftskrise. Unternehmen und öffentlicher Dienst haben die Löhne gekürzt - auch um auf Betreiben der internationalen Geldgeber die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern. Obwohl die Preise sinken, prognostiziert das gewerkschaftsnahe deutsche Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) für dieses Jahr einen Rückgang der Reallöhne um 6,2 Prozent. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote mit rund 27 Prozent so hoch wie noch nie. Unternehmen können in diesem Umfeld kaum höhere Preise durchsetzen. Im Gegenteil: Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Inflationsrate noch längere Zeit unter dem Durchschnittswert der Euro-Zone liegen wird. In der Währungsunion zogen die Preise zuletzt um 0,9 Prozent an.

2014 vielleicht ein kleines Comeback

Die griechische Wirtschaft steckt tief in der Rezession - auch wenn sich die Talfahrt in den Sommermonaten das vierte Quartal in Folge verlangsamte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im dritten Quartal um 3,0 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistikamt Elstat nun eine frühere Schätzung bestätigte. Dies war der geringste Rückgang seit drei Jahren.

Dem am schwersten von der Euro-Schuldenkrise betroffenen Land wird aber 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das BIP soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um auch nur den in diesem Jahr erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll im Jahr 2015 lediglich auf 24 Prozent sinken.

Griechenlands Parlament gab am Wochenende grünes Licht für weitere Einsparungen in Höhe von drei Milliarden Euro. Den internationalen Geldgebern von IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank gehen die Einsparungen aber nicht weit genug. Inspektoren der Troika verschoben einen für diese Woche geplanten Besuch in Athen. Die im September begonnenen Verhandlungen über die Auszahlung der jüngsten Kredittranche dürften sich daher voraussichtlich bis in den Januar hinziehen.

ono/Reuters / Reuters