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ProSiebenSat.1: Haim Saban zieht munter die Strippen

US-Milliardär Haim Saban hat durch die Entlassung von Urs Rohner den Umbau bei ProSiebenSat.1 fortgesetzt. Mit Guillaume de Posch steht nun sein Vertrauter an der Spitze des Unternehmens.

Für den US-Milliardär Haim Saban war es wie oft in letzter Zeit. "Ich habe am Abend eine Tablette genommen, bin eingeschlafen und mitten in der Nacht mit Jetlag aufgewacht", sagte der US-Milliardär in München. Wieder einmal war er von den USA über Israel nach Deutschland gependelt. Am Dienstag galt es nach einer unruhigen Nacht eine Aufsichtsratssitzung der ProSiebenSat.1 Media AG zu leiten und danach den Abschied von Konzernchef Urs Rohner zu verkünden. "Das ist ein bitter-süßer Tag für mich." Mit Wehmut hielt er sich aber nicht lange auf. Saban blickt bereits wieder nach vorne und hat ehrgeizige Pläne auf dem deutschen Medienmarkt.

Seit Monaten zieht Saban schon die Strippen bei ProSiebenSat.1. Fast die gesamte Führungsspitze hat er bei dem TV-Konzern bereits ausgewechselt. Mit dem Belgier Guillaume de Posch steht nun sein Vertrauter an der Spitze des Unternehmens. Allerdings wurde im Umfeld des Unternehmens glaubhaft versichert, dass Rohner aus eigenen Stücken geht. "Er hatte einfach ein Super-Angebot, das kann man nicht ausschlagen", sagt ein Vertrauter. Er wechsle zu einem absoluten Top-Unternehmen in der Schweiz und verbessere sich in jeder Hinsicht. Allerdings verlautete in Gesellschafterkreisen, dass die Finanzmärkte einen Weggang Rohners wohl nicht ungern sehen würden.

Spekulationen über eine Premiere-Übernahme

Saban hat bereits viele weitere Ideen zum Ausbau seines Engagements in Deutschland. Es gebe mit Sicherheit Synergien zwischen dem frei empfangbaren Fernsehen und dem Pay-TV in Deutschland, sagte er. Da für zwei Bezahlsender nach seiner Einschätzung kein Platz ist, gab er damit Spekulationen über eine Übernahme von Premiere neue Nahrung. Allerdings gilt wie immer bei ihm: "Der Preis muss stimmen." Das gelte auch für die Fußball-Bundesliga, für deren Rechte sich Saban weiterhin interessiert.

Weitere Internationalisierung angedacht

Das Duo Saban-Posch dürfte zudem für eine weitere Internationalisierung sorgen. Als nächstes wollte sich Saban mit dem Chef des französischen TF1-Konzern, Patrick le Lay, treffen. Zwar sei ein Einstieg der Franzosen bei der ProSiebenSat.1 Media AG, früher einmal angedacht, kein Thema mehr. Aber man könne ja mal diskutieren, was man so gemeinsam machen könne. Schließlich mache TF1 40 Prozent seiner Einnahmen nicht mit klassischer Werbung. Auch bei ProSiebenSat.1 will Saban eine größere Unabhängigkeit vom schwankungsanfälligen Werbemarkt.

Trotz aller Schlafprobleme: Das Engagement in Deutschland macht dem US-Unternehmer Spaß. Nach langen, trickreichen Verhandlungen hatte er sich im vergangenen Sommer bei Deutschlands größtem TV- Konzern eingekauft. Unterstützt wurde er dabei von Finanzinvestoren, Sabans eigenes finanzielles Engagement hielt sich in Grenzen. So könnte er noch gerüstet sein für weitere Überraschungs-Coups.

Axel Höpner, DPA / DPA