HOME

Nach öffentlichen Protesten: Gesichtsscanner im Supermarkt: Real baut die umstrittenen Kameras wieder ab

Die Supermarktkette Real testete in ihren Läden über Monate Kameras, die Kunden analysieren, um passgenaue Werbung auszuspielen. Nun macht das Unternehmen einen Rückzieher, aber andere testen weiter.

Real-Markt

Real-Markt in Krefeld

Im Internet sind es die Kunden längst gewohnt, dass im Hintergrund ihr Surf- und Einkaufsverhalten gespeichert wird. Amazon, Facebook oder Google sammeln, was sie an Daten kriegen können, um den Kunden mit passgenauen Angeboten zu beglücken. Die meisten Verbraucher lassen das bereitwillig mit sich machen.

Eine Kamera dagegen, die Kunden beim Einkaufen im analogen Supermarkt analysiert, geht vielen doch zu weit. Als vor einigen Wochen bekannt wurde, dass die Supermarktkette Real in einigen Märkten eine Technik zum Gesichtsscan einsetzt, war der Aufschrei groß. Zu sehr erinnerte das manche an Big Brother.

Nun reagiert Real und beendet den Test mit sofortiger Wirkung. "Der Kundennutzen vom Einsatz technologischer Weiterentwicklungen muss jederzeit für Kunden nachvollziehbar sein. Das war im vorliegenden Fall nicht gewährleistet", erklärt Real. Hintergrund der Entscheidung sei die "öffentlich geführte Diskussion, die den Eindruck erweckte, in Real-Märkten würden im Kassenbereich ohne Wissen der Kunden Daten erhoben". Gleichzeitig betont Real, dass bei dem Test keine personenbezogenen Daten im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes erhoben worden seien. 

Auch die Post testet den Gesichtsscanner

Seit Herbst 2016 hatte Real in 41 Testmärkten eine neue Werbetechnologie des Unternehmens Echion getestet. Es handelte sich dabei um Bildschirme mit integrierter Kamera im Kassenbereich. Die Kamera sollte Blickkontakte der Kunden erfassen, blitzschnell analysieren, wer da vor ihr steht, und dementsprechende Werbung anzeigen. Das System war in der Lage, Geschlecht und Alter der Kunden zu analysieren. Laut Real seien aber keine Persönlichkeitsmerkmale gespeichert worden. Dennoch entschied sich Real nun vorsorglich dafür, möglichen weiteren Imageschaden abzuwenden.

Ob die Technik datenschutzrechtlich in Ordnung ist, ist unter Verbraucherschützern umstritten. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung wird es jedenfalls nicht der letzte Fall dieser Art sein, über den diskutiert wird. Die Deutsche Post etwa testet die Gesichtserkennung derzeit ebenfalls in zahlreichen Partner-Filialen. 

Verkaufstricks: So manipulieren Supermärkte unser Unterbewusstsein
Themen in diesem Artikel