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Schienenkartell: Bahn verklagt ThyssenKrupp auf Schadenersatz

Jahrelang sollen Hersteller von Schienen und Weichen Preisabsprachen getroffen haben - zum Nachteil der Deutschen Bahn. Das Unternehmen hat nun gegen den Stahlkonzern ThyssenKrupp Klage eingereicht.

Die Deutsche Bahn hat Schadenersatzklage gegen den Stahlkonzern ThyssenKrupp und andere Unternehmen des sogenannten Schienenkartells erhoben. Die Klage gegen mehrere Unternehmen sei beim Landgericht Frankfurt/Main eingereicht worden, teilte der Konzern mit. Die Bahn will auf diesem Wege - wie Unternehmenskreise bereits vor einigen Tagen bestätigt hatten - rund 750 Millionen Euro eintreiben. Die Absprachen hatten jahrelang überhöhte Preise für Gleise und Weichen zur Folge.

ThyssenKrupp bestätigte auf Anfrage, dass die Deutsche Bahn eine Klage gegen mehrere Gesellschaften - darunter ThyssenKrupp - eingereicht habe. Darüber sei der Konzern informiert worden. Die Klage liege ThyssenKrupp aber noch nicht vor.

ThyssenKrupp will reden statt zahlen

Seit Monaten führe der Konzern über einen Schadensausgleich mit der DB Gespräche. Die Klage sei wohl zur Wahrung von Verjährungsfristen eingereicht worden. Die DB habe ThyssenKrupp im Rahmen der bisherigen Gespräche keine Forderungssumme genannt. Bei Versuchen zu einer gütlichen Einigung habe man "keine zielführende Mitwirkung" feststellen können, sagte Bahn-Vorstand Gerd Becht. "Einige haben sogar die Gespräche mit uns abgebrochen. Und das, obwohl zweifelsfrei feststeht, dass sie die Bahn geschädigt haben", fügte der Manager hinzu. Dies sei wohl auch mit der Klage nicht erfolgt, hieß es in der Stellungnahme.

Auch die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, dass in der Klageschrift dem Vernehmen nach die Schadenersatzforderung noch nicht konkret beziffert werde. Die Bahn gebe allerdings den vorläufigen Streitwert mit rund 750 Millionen Euro an. Die Klage richtet sich früheren Medienberichten zufolge auch gegen den Stahlkonzern Voestalpine sowie die Vossloh-Tochter Stahlberg Roensch und deren früheren Eigentümer Constantin Stahlberg.

Mehrere Hersteller von Schienen und Weichen sollen von 2001 bis 2011 Preise und Mengen abgesprochen haben - zum Schaden der Deutschen Bahn und kommunaler Verkehrsbetriebe. Das Kartell flog im vergangenen Jahr auf. Das Bundeskartellamt verhängte im Juli Bußgelder in Höhe von insgesamt 124,5 Millionen Euro, von denen ThyssenKrupp den größten Teil - 103 Millionen Euro - zu zahlen hatte.

swd/DPA / DPA