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Strauss-Kahn: Eine Sozialistenkarriere von Sarkozys Gnaden

Die EU-Außenminsiter wollen ihn, nun will er auch selbst: Der Sozialist Strauss-Kahn kandidiert für den Vorsitz des internationalen Währungsfonds. Damit könnte er ein weiterer Sozialist sein, der dank seines politischen Gegners Sarkozy zu Amt und Würden kommt.

Von Astrid Mayer

Die französische sozialistische Partei ist heftig am Schwanken: Ein namhafter Sozialist nach dem anderen sieht sich von Sarkozy zu verlockenden Ämtern berufen. Und kaum einer kann widerstehen, obwohl der Chef der sozialistischen Fraktion im Parlament, sowie Parteichef Francois Hollande vor derartigem Engagement gewarnt haben. Strauss-Kahn ist in guter Gesellschaft: Der ehemalige sozialistische Kulturminister Jacques Lang hat bereits die Parlaments-Fraktion verlassen, um Berater Sarkozys bei der Reform der Verfassung zu werden. Der frühere sozialistische Außenminister Hubert Védrine wird für Sarkozy einen Bericht über die Folgen der Globalisierung verfassen.

Die EU steht hinter "DSK"

Die Chancen von Dominique Strauss-Kahn, an die Spitze des internationalen Währungsfonds berufen zu werden, stehen jetzt bestens: Traditionell ist es ein Posten, der den Europäern vorbehalten ist (die Weltbank hingegen ist Domäne der USA), und die EU hat sich nun für den schwergewichtigen Politiker ausgesprochen, der in Frankreich gerne "DSK" genannt wird. Zwar haben Schwellenländer in Asien und Südamerika ebenfalls Ansprüche angemeldet, aber noch keinen Kandidaten präsentiert.

Dass man die Interessen dieser Länder mehr berücksichtigen müsse, hat "DSK" sofort schlau verlauten lassen. Er möchte eine entsprechende Reform einleiten - aber mit ihm an der Spitze des Währungsfonds. Strauss-Kahn war zuletzt mit seinen Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur gescheitert. Einer der Gründe: Er hat vor zwei Jahren bei der Frage, ob Frankreich der europäischen Verfassung zustimmen solle, in einer damals tief gespaltenen sozialistischen Partei für ein "Ja" plädiert.

Guter Teamworker, schlechter Organisator

Auch "DSK" verbindet (wie etliche andere politische Weggefährten des Präsidenten) mit Sarkozy eine außerfranzösische Herkunft: Sein Vater hat russische und mongolische Vorfahren, geboren ist Strauss-Kahn in Agadir, er hat seine Kindheit und Jugend zwischen Marokko und Monaco verbracht. Strauss-Kahn hat an der Elite-Wirtschaftsschule HEC studiert und an der Universität gelehrt.

Man nennt "DSK" wegen seiner undogmatischen politischen Einstellungen auch "Benetton-Kind" - alles schön bunt gemischt. Er gilt als der Sozialist, der den französischen Industriellen am nächsten steht. Er bewegt sich in diversen Zirkeln und Vereinigungen, wo er sich beispielsweise auch mit dem Sarkozy-Vertrauten Vincent Bolloré angefreundet hat. Er gilt als guter Teamworker und schlechter Organisator: "In Bercy (dem Finanzministerium) habe ich hauptsächlich die Kreativität eingebracht, meine Mitarbeiter kümmerten sich ums Organisieren."

Elegant weggelobt

Wenn Strauss-Kahn den Posten des "aus persönlichen Gründen" abgetretenen Spaniers Rodrigo Rato tatsächlich bekommt, hat Sarkozy einen beachtlichen potentiellen Gegner für die nächste Präsidentschaftswahl elegant weggelobt. Strauss-Kahns Parteigenosse Bertrand Delanoe, Bürgermeister von Paris, sieht dessen Erfolg denn auch mit gemischten Gefühlen: Sarkozy versuche, die Opposition zu lenken, warnte er. Die Aufweichungsstrategie Sarkozys wird jedenfalls jetzt auch auf regionaler Ebene aufgegriffen: In etlichen Städten überlegt die UMP (die Regierungspartei), ihre Listen für die Kommunalwahlen im kommenden Jahr auch für Sozialisten zu öffnen.