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Strom und Gas werden teurer: 200 Energieversorger drehen an der Preisschraube

Das geht ja gut los: Mehr als 200 Energieversorger haben zum Jahreswechsel Preiserhöhungen angekündigt. Acht Millionen Kunden sind betroffen. Während die Stromkosten moderat steigen, wird Gas deutlich teurer.

2011 begann für viele Strom- und Gaskunden mit einem Schock: Über 600 Versorger verteuerten damals ihre Tarife. Eine solche Preislawine wird diesmal nicht über Deutschland hereinbrechen. Doch auch das neue Jahr beginnt für Millionen Verbraucher mit höheren Kosten. Und der Trend zu höheren Strom- und Gaspreisen wird auch in den kommenden Monaten und Jahren weiter nach oben gehen. Darin sind sich alle Experten einig.

Laut Berechnungen des Vergleichsportals Toptarif haben bislang 144 Stromunternehmen und 85 Gasversorger Preiserhöhungen ab Januar oder Februar angekündigt, betroffen sind mehr als acht Millionen Haushalte. Die beiden Energieriesen RWE und Eon halten sich dagegen zurück - vorerst zumindest.

133 Euro mehr fürs Gas

Deutlich teurer wird es vor allem für Gaskunden. Die Gebühren klettern laut Toptarif um im Schnitt 133 Euro, das entspricht einem Preisaufschlag von 8,4 Prozent. Im Laufe des Jahres dürften aber noch viele weitere Gasversorger nachziehen. Grund ist der zuletzt stark gestiegene Ölpreis, dem der Gaspreis mit einem Abstand von einem halben Jahr folgt. Viele Unternehmen hätten diese Situation allerdings etwas entschärfen können, da sie sich günstiger an Großhandelsplätzen eingedeckt haben, so das Vergleichsportal.

Beschaffungskosten gestiegen

Etwas moderater als beim Gas fallen die Anhebungen beim Strom aus. Im Schnitt ziehen die Stromkosten um 3,7 Prozent an. Einige Stadtwerke schlagen mit zweistelligen Erhöhungen aber kräftig zu, in der Spitze verlangen vereinzelte Versorger sogar knapp 15 Prozent mehr.

Was das bedeutet, hat Toptarif anhand eines vierköpfigen Musterhaushalts mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom nachgerechnet. Demnach käme die Familie auf Mehrkosten von durchschnittlich 38 Euro im Jahr, bei den stark verteuerten Tarifen sogar auf bis zu 143 Euro.

Kosten der Versorger steigen

Der weltweite Energiehunger und die Verknappung der Rohstoffe lassen die Preise wohl auch in Zukunft immer weiter steigen. In Deutschland sorgen neben der Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) auch die Kosten der Energiewende dafür, dass die Abgabepreise klettern.

Das bestätigt auch Janine Pentzold von Toptarif: "Die Versorger heben ihre Preise jetzt an, weil sie mit stark gestiegenen Beschaffungskosten von bis zu 10 Prozent kalkulieren müssen." Vielerorts müssen Versorger zudem höhere Entgelte an die Stromnetzbetreiber zahlen. Dagegen wirkt sich der Anstieg der EEG-Umlage in 2012 deutlich weniger aus als zum vergangenen Jahreswechsel. Die Umlage steigt von zuletzt 3,530 Cent pro Kilowattstunde auf 3,592 Cent. Damals, zum Jahreswechsel 2010/2011, wurde die Umlage dagegen um 72,5 Prozent angehoben.

Vorerst Ruhe bei RWE und Eon

Eine weitere Rolle spielen die Netzentgelte. Immer mehr energieintensive Unternehmen wollen sich von der Zahlung dieser Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes befreien lassen. Konsequenz: Die Zeche zahlen nun die übrigen Stromverbraucher.

Deshalb wird eine weitere Umlage die Strompreise im kommenden Jahr beeinflussen: Die sogenannte Sonderkunden-Umlage, die stromintensive Betriebe entlasten soll. Getragen wird sie vor allem von kleineren und mittleren Unternehmen und natürlich vor allem vom privaten Verbraucher. Ein Großteil der Versorger habe zunächst die genaue Höhe der ab 2012 gültigen Umlage abgewartet, so Toptarif. Sie beträgt 0,151 Cent pro Kilowattstunde, plus Mehrwertsteuer. Für den vierköpfigen Musterhaushalt kommen so noch einmal Kosten von 7,20 Euro im Jahr obendrauf. Weil die genaue Ausgestaltung der Umlage erst kurz vor Jahresende feststand, können viele Unternehmen ihre neuen Tarife erst jetzt genau kalkulieren. Was bedeutet, dass den Kunden bald schon die nächsten Preiserhöhungen ins Haus stehen.

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tav/DPA / DPA