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TELEKOMMUNIKATION: Kahlschlag bei MobilCom: 1.850 Jobs weg

Das Sanierungskonzept macht klar: Der angeschlagene Mobilfunkanbieter MobilCom muss fast jeden zweiten Arbeitsplatz streichen, um sein Überleben zu sichern.

Das Sanierungskonzept des Vorstands sieht vor, 1.850 Vollzeitstellen abzubauen, teilte die MobilCom AG am Freitag in Büdelsdorf mit. Gegenwärtig beschäftigt das Unternehmen 5.000 Arbeitnehmer einschließlich Teilzeit- und Aushilfskräften. Das entspricht 4.200 Vollzeitstellen. Demnach gehen 44 Prozent der Arbeitsplätze verloren.

UMTS-Ausbau wird eingefroren

Das Sanierungsprogramm sieht vor, den Aufbau des Mobilfunknetzes nach dem neuen Standard UMTS einzufrieren. MobilCom ist im Vergleich zum Wettbewerb mit dem Netzaufbau bereits relativ weit, kann sich aber keine weiteren Investitionen mehr leisten. Der Großaktionär France Télécom hatte sich vor zwei Wochen aus der zunächst vertraglich zugesagten UMTS-Finanzierung zurückgezogen. An der UMTS-Lizenz will MobilCom jedoch festhalten, heißt es in einer Mitteilung. Die mehr als acht Milliarden Euro teure Lizenz kann nach den Regeln der Regulierungsbehörde nicht verkauft werden.

Einsparungen von 130 Mio Euro

Im Kerngeschäft Mobilfunk will MobilCom jährliche Einsparungen von 130 Millionen Euro realisieren, schreibt das Unternehmen weiter. Damit soll das Geschäft mit Handys und Mobilfunkverträgen für andere Netzbetreiber im ersten Halbjahr 2003 operativ wieder profitabel werden. Die Unternehmenssparte leidet unter der Marktsättigung im Mobilfunkbereich und der schwachen Entwicklung der gesamten Branche.

Gewinne nur im Festnetz

Zu dem dritten Unternehmensbereich Festnetz, der als einziger Unternehmensteil Gewinne macht, enthält die Pflichtmitteilung von MobilCom keine Angaben. Die Unternehmenstochter freenet.de hat jedoch Interesse angemeldet, die Sparte zu übernehmen. Im Festnetzbereich beschäftigt MobilCom 400 bis 500 Arbeitnehmer.

Kreditprüfung der Banken läuft noch

Die Bundesregierung hatte die Insolvenz von MobilCom kurz vor der Wahl abgewendet und Kredite staatlicher Banken in Höhe von 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Davon sind bislang 50 Millionen Euro tatsächlich gezahlt worden, für die der Bund gebürgt hat. Die übrigen 350 Millionen Euro sind nach wie vor nicht gesichert, da bei den Banken die Kreditprüfung noch läuft. MobilCom hat keine Sicherheiten anzubieten außer vertraglichen Ansprüchen gegenüber France Télécom. Die Franzosen wollen jedoch nicht zahlen.