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Pilotprojekt: Weniger Plastik, frühere Züge: Tokio will die Bürger umerziehen - und bezahlt sie dafür

Die Regierung in Tokio will die Bürger zu mehr Nachhaltigkeit erziehen. Helfen soll ein Belohnungssystem. Wer auf Plastiktüten verzichtet und frühere Pendlerzüge nutzt, bekommt kleine Geldbeträge.

Pendler in Tokio

Pendler in Tokio

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Tokio will nachhaltiger werden - und sich gleichzeitig fit für die kommenden Olympischen Spiele 2020 machen. Um beide Ziele miteinander zu vereinen, hat sich die Regierung ein Belohungssystem einfallen lassen. Wer seine eigenen Einkaufstaschen zum Shoppen mitbringt und die Gratis-Plastiktaschen nicht nutzt, bekommt Bonuspunkte. Auch wer nicht die stark überfüllten Pendlerzüge nutzt, sondern in einen früheren Zug einsteigt, bekommt eine Belohnung.

Abgerechnet werden diese Punkte auf einer Bonuspunkte-Karte, schreibt die japanische Zeitung "Yomiuri". Zur Verrechnung führt die Regierung eine eigene Währung ein, die "SDG"-Währung. Die Abkürzung steht für "Sustainable Development Goals" - dahinter verbergen sich Nachhaltigkeitsziele, die bereits 2015 auf dem UN-Gipfel verabschiedet wurden. Ziel ist es, wirtschaftliche Entwicklung, Umweltschutz und Armutsbekämpfung gleichermaßen voranzubringen. 

Tokio bereitet sich auf Olympia vor

Teilnehmen können nicht nur Menschen, die in Tokio leben, sondern auch Touristen. In Geschäften oder an Bahnhöfen können sie sich die Beträge gut schreiben lassen, wenn sie eben frühere Züge nutzen oder eigene Taschen zum Einkaufen mitbringen. So gibt es für Pendler eine Bonuszahlung von bis zu 100 Yen (rund 85 Cent). Aufs Jahr gerechnet kann sich das lohnen. Hintergrund dieses Schrittes: Im kommenden Jahr wird Tokio die Olympischen Spiele ausrichten. Bis dahin soll das Projekt angelaufen sein, um den jetzt schon zu Stoßzeiten überlaufenden Nahverkehr zu entlasten.

Die gut geschriebenen Beträge sollen dann in Geschäften oder an Fahrkartenautomaten eingelöst werden können. Das Projekt ist bisher nur als Test gedacht. Sollte es ein Erfolg werden, gibt es schon Überlegungen, die Bonuspunkte auch bei bargeldlosem Bezahlen auszuweiten. Dann könnten die Punkte auch mit Zahldiensten wie Paypal verknüpft werden.

Die Regierung stellt rund 100 Millionen Yen (rund 850.000 Euro) für das Projekt zur Verfügung, um Händler und Bahnhöfe mit den nötigen Lesegeräten auszustatten. 

Chinas drastisches Punktesystem

Dass Bürger mit einem Punktesystem zu einem anderen Verhalten umerzogen werden sollen, ist nicht neu. Chinas Präsidenten Xi Jinping will deutlich mehr Kontrolle über die Bürger haben. Dafür gibt es ein "soziales Bonitätssystem", das ab 2020 eingeführt wird. Dabei werden die Bürger sowohl im Netz als auch in der Öffentlichkeit überwacht: Wer negativ auffällt, beispielsweise durch regierungskritische Posts oder durch zu langes Videospielen, wird abgestraft. Aber auch nicht bezahlte Schulden oder betrunken Autofahren führen zur Abwertung. Hat man eine saubere Weste kann das helfen, eine Wohnung zu finden. Oder einen Studienplatz für sein Kind. Auch an Kredite kommt man leichter. Das System solle es "den Vertrauenswürdigen erlauben, sich überall unter dem Himmel zu bewegen, während es den Diskreditierten schwer gemacht wird, einen einzigen Schritt zu tun", so die Regierung.

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kg