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Übernahme: Ausländische Banken schielen nach Deutschland

Gemessen am Börsenwert sind die deutschen Banken für ausländische Konkurrenten leichte Beute. Erstes Opfer scheint die Hypo-Vereinsbank zu werden.

Selbst Branchenprimus Deutsche Bank kommt gerade mal auf etwa 35 Milliarden Euro Marktkapitalisierung, der US-Konzern Citigroup kann dagegen umgerechnet rund 200 Milliarden Euro in die Waagschale werfen. Dennoch wurde in den vergangenen Jahren zwar viel über den Einstieg ausländischer Investoren in die deutsche Bankenbranche spekuliert. Passiert ist aber wenig. Mit der möglichen Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito könnte nun aber zumindest die Konsolidierungswelle in Europa tatsächlich auf Deutschland überschwappen.

Sollte die Übernahme der derzeit mit etwa 15 Milliarden Euro bewerteten HVB durch die Italiener nicht noch platzen, wäre es die bisher größte Bankenfusion in Kontinentaleuropa. Angesichts der fortschreitenden Globalisierung reagieren Unternehmen und Arbeitnehmer aber relativ gelassen. "So sind die heutigen Zeiten. Im Vergleich zum Beispiel zu den Versicherungen ist der deutsche Bankbereich noch wenig internationalisiert", sagt Hypo-Vereinsbank-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. Ob eine Bank von Mailand oder München geführt werde, sei für den Mitarbeiter am Schalter letztlich egal. Wichtig sei, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Experten verwundert über das Interesse der Italiener

Angesichts der schwachen Renditen und milliardenschweren Altlasten in den Bilanzen der deutschen Großbanken wollte sich in den vergangenen Jahren kein internationaler Finanzkonzern mit einer Übernahme den Magen verderben. Seither haben die deutschen Großbanken aber einen Teil ihrer Hausaufgaben gemacht. Nach massivem Arbeitsplatzabbau und massiven Wertberichtigungen stehen Institute wie die Commerzbank oder die HVB inzwischen wieder besser da.

Dennoch sind Experten über das Interesse der Italiener durchaus verwundert. Zwar werde sich Unicredito "mit Freude das Osteuropageschäft der HVB einverleiben", sagt Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck. "Der deutsche Markt ist aber weiter schwierig." Die vier deutschen Großbanken kämen wegen der starken Konkurrenz von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbank nur auf einen gemeinsamen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent. Auch deshalb seien die Gewinnmargen deutlich niedriger als in den meisten anderen wichtigen Märkten. Offenbar gebe es bei den internationalen Großbanken aber angesichts gesättigter Heimatmärkte einen Zwang zu Größe und Wachstum.

Im vergangenen Jahr hatte die europaweite Konsolidierung richtig Schwung bekommen, als Spaniens größte Bank Santander Central Hispano für mehr als 13 Milliarden Euro die britische Abbey National Bank kaufte. Seither werden auf vielen Ebenen Verhandlungen geführt. So will Spaniens zweitgrößte Bank Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) für rund 6,4 Milliarden Euro die italienische Banca Nazionale del Lavoro (BNL) übernehmen.

Seit Jahren gibt es bei der Commerzbank Übernahmegerüchte

In Deutschland sind zwar ausländische Institute wie ABN Amro oder die Citigroup durchaus aktiv. Große Übernahmen sind bisher aber ausgeblieben. In Branchenkreisen wird nach der offiziellen Bestätigung von Verhandlungen damit gerechnet, dass die Übernahme der HVB durch Unicredito klappt. HVB-Chef Dieter Rampl hat bereits signalisiert, dass er mit der Minderheits-Rolle in der neuen italienisch-deutschen Großbank leben könnte. Eine solche Lösung sei dem Vorstandschef deutlich lieber als zum Beispiel eine Fusion mit der Commerzbank, bei der wohl mehrere tausend Arbeitsplätze gestrichen werden müssten, sagt ein Branchenkenner. "Damit will Rampl seine Laufbahn nicht abschließen, dann ist er lieber Junior-Partner."

Wenn das deutsch-italienische Bündnis funktioniert, rückt wieder einmal die Commerzbank in den Mittelpunkt der Spekulationen. Seit Jahren schon gibt es hier Übernahmegerüchte, bisher ist aber bei den Frankfurtern nichts passiert. "Die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme steigt, ich sehe allerdings nicht unbedingt den wirtschaftlichen Sinn", sagt Analyst Becker. Vor ein, zwei Jahren hätte es die deutschen Banken deutlich billiger zu kaufen gegeben. Die Investoren hätten dann zwar die Sanierung noch vornehmen müssen, die Restrukturierung wäre aber auch nach ihren Vorstellungen verlaufen.

Axel Höpner/DPA