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United Internet: Angriff auf T-Online

United Internet übernimmt Web.de. Damit verdrängt das Unternehmen T-Online als größten Internet-Provider Deutschlands und verschärft die Konkurrenz auf dem Online-Werbemarkt.

Der Internet-Dienstleister United Internet will das Internetportalgeschäfts seines Konkurrenten Web.de übernehmen und damit vor allem den Markt für Online-Werbung aufmischen. Für 2005 kündigte das Unternehmen kräftige Umsatz- und Ergebniszuwächse an.

Zusammen mit dem Portal von Web.de, das zu den am meisten genutzten Internetseiten in Deutschland gehört, kommt United Internet auf rund 16 Millionen Nutzer im Monat und liegt damit vor dem bisherigen Marktführer T-Online (13,4 Millionen Nutzer). T-Online wird allerdings hauptsächlich von zahlenden Kunden besucht, während Web.de und GMX zum Beispiel kostenlose Email-Dienste bieten.

"Quantensprung im Online-Werbemarkt"

"Wir machen einen Quantensprung bei der Positionierung im Online-Werbemarkt und wollen 2005 mit den Marken 1&1, GMX, Web.de, Adlink, Sedo und Affilinet 15 bis 20 Prozent der deutschen Online-Werbeumsätze tätigen", sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Umsatz, Gewinn und Vertragskundenzahl sollten 2005 um 20 bis 30 Prozent zulegen. 2004 hatte das in Montabaur ansässige Unternehmen einen Umsatz von 509,7 Millionen Euro und ein Vorsteuerergebnis von 72 Millionen Euro erzielt.

Die Pläne für eine eigene Netz-Infrastruktur gab United Internet auf, was für Erleichterung an der Börse sorgte. Stattdessen habe sich United Internet mit der Deutschen Telekom auf bessere Konditionen für die Nutzung von deren Netz-Infrastruktur geeinigt, sagte Dommermuth. Nach Kursverlusten im frühen Handel wegen der Befürchtung der Anleger, der Web.de-Deal sei zu teuer, drehten die im TecDax notierten Titel ins Plus.

Kaufpreis von 330 Millionen Euro

United Internet hatte am Mittwochabend angekündigt, das Internet-Portal von Web.de für insgesamt rund 330 Millionen Euro zu übernehmen. Der Baranteil von 200 Millionen Euro werde je zur Hälfte durch liquide Mittel und durch Schuldverschreibungen finanziert, erläuterte Dommermuth. Außerdem erhalte Web.de zwei Millionen alte United-Internet-Aktien und 3,8 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2005 abgeschlossen werden.

Trotz anfänglicher Bedenken über den Kaufpreis waren die Analysten von dem Deal angetan: "Aus Sicht von United Internet war das ein kluger Schachzug", sagte ein Experte. "Sie bekommen so eine Vielzahl neuer Kunden, denen sie sukzessive höherwertige Dienste verkaufen können. Das ist gerade jetzt wichtig, da in diesem Markt die Claims jetzt abgesteckt werden." Vor allem im Online-Werbemarkt sei United Internet jetzt eine Größe, an der kein Werbetreibender vorbeikomme, ergänzte Chris Watts vom Bankhaus Metzler. "Als Nummer eins bei der Reichweite ist man auf jedem Radarschirm."

Kein Abbau von Arbeitsplätzen

Arbeitsplätze sollen bei der Übernahme nicht abgebaut werden. Durch den gemeinsamen Einkauf von Vorleistungen für die Portale von Web.de, GMX und 1&1 seien dennoch Kostensynergien von zwei bis vier Millionen Euro im Jahr zu erwarten, teilte United Internet mit. Die Übernahme der Online-Formate von Web.de soll jährlich zwei bis drei Millionen Euro mehr Gewinn bringen. Web.de-Gründer und Vorstandschef Matthias Greve wechselt ebenso wie Vorstandsmitglied Matthias Ehrlich zu United Internet.

Reuters / Reuters