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PayTV Angeblich zu teuer: Verkauf von Sky Deutschland steht auf der Kippe

Sezen aus "House of the Dragon"
In Deutschland steht Sky vor allem für Fußball und Serien wie "House of the Dragon"
© HBO / Sky WOW
Seit Monaten gibt es Gerüchte, dass Sky zum Verkauf steht. Nun ist ein eigentlich als sicher geltender Deal geplatzt - wegen des zu hohen Preises. Der nächste Kandidat steht aber wohl schon bereit.

Die besten Inhalte gibt es nur gegen Geld – das ist in der Fernsehlandschaft in vielen Ländern völlig normaler Alltag. In Deutschland konnte sich mit Sky bislang nur ein PayTV-Sender durchsetzen. Seit Monaten versucht der Betreiber Comcast, den Sender an ein anderes Unternehmen abzutreten. Kurz vor dem Ende des Jahres platzte nun ein sicher geglaubter Deal.

Das berichtet der Branchendienst "Clap". Demnach hatte der lange als Käufer gehandelte Konzern United Internet den Kauf abgeblasen. Schuld soll ein zu hoch angesetzter Kaufpreis sein: Der US-Konzern Comcast soll demnach eine Milliarde Euro für Sky Deutschland verlangt haben. Ob das stimmt, wollten beide Unternehmen bislang nicht bestätigen: Weder United Internet noch Comcast haben sich bislang in irgendeiner Form zu den im Oktober erstmals bekannt gewordenen Verkaufsplänen geäußert.

Wer kauft Sky?

Dass United Internet seit einigen Monaten als sicherster Kandidat gehandelt wird, hat mehrere Gründe. Der wohl wichtigste: Comcast will den deutschen Sky-Ableger wohl vor allem deswegen loswerden, weil das Unternehmen in Deutschland – anders als in der Heimat USA und auch in Großbritannien – nicht zusätzlich als Internetanbieter aktiv ist. So lassen sich keine attraktiven Pakete aus Kabelfernsehen und Internetzugang bündeln. United Internet wäre deshalb ein idealer Kandidat: Das Unternehmen bietet mit der Tochter 1&1 sowohl DSL- als auch Mobilfunkverträge an. Neben dem gleichnamigen Unternehmen gehören auch die zahlreichen Discounter der Drillisch-Gruppe wie Smartmobil oder WinSIM zum Unternehmen.

Viele der Konkurrenten sollen zudem bereits Angebote abgelehnt haben. Das TV-Konglomarat ProSiebenSat1 hatte bereits im November einen Bericht der Agentur "Reuters" dementiert, dass es Sky übernehmen wollte, weitere Kandidaten wie die Telekom und Vodafone sollen sich schon deutlich früher aus den seit Monaten laufenden Verhandlungen verabschiedet haben.

Als letzter möglicher Kandidat steht nun der französische Anbieter Canal+ im Raum. Der hat nicht nur vor 30 Jahren den Sky-Vorgänger Premiere mit aufgebaut, sondern im Sommer auch als Partner mehrerer Internet-Anbieter einen Deal zur Übertragung der Champions-League in Österreich ausgehandelt. Zunächst war Canal+ auch beim Sky-Deal als möglicher Partner von United Internet gehandelt worden, jetzt müsste der Sender den Kauf alleine wuppen. Ob das, wie von Comcast offenbar erhofft, noch dieses Jahr über die Bühne geht, scheint aber unwahrscheinlich.

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Schwere Zeiten

Dass Comcast Sky verkaufen will, dürfte auch an den eher enttäuschenden Zahlen der letzten Jahre liegen. Mit dem Boom der Streaming-Dienste hatte Sky plötzlich starke Konkurrenz bekommen. Hinzu kam, dass Lizenz-Partner wie Disney ihre neuen Filme nicht mehr herausgaben, um sie exklusiv auf dem eigenen Streamingportal anbieten zu können. Die immer weiter steigenden Kosten für die wichtige Fußball-Liveberichterstattung sorgte zudem dafür, dass Sky seit einigen Jahren nicht mehr alle Spiele der Bundesliga zeigen kann. Und so selbst für hartgesottene Fußball-Fans an Mehrwert verliert.

Wie stark die Einbrüche waren, lässt sich nicht genau beziffern: Comcast gibt keine Zahlen für seine einzelnen Sky-Standorte in Deutschland und Italien heraus. Klar ist aber, dass über beide Länder hinweg in den ersten Quartalen des Jahres ein starker Einbruch der Abonnements zu beobachten war. Gemeinsam mit den ebenfalls sinkenden Werbebuchungen gingen die Einnahmen aufs Jahr gesehen um zwei auf nun nur noch 11 Milliarden Euro zurück. Dass der Gewinn um 200 Millionen Euro auf nun 2,2 Milliarden Euro stieg, lag daran, dass der Konzern durch den Verlust von Fußball-Lizenzen erhebliche Kosten einsparen konnte.

Welche Auswirkungen der Verkauf auf die Kunden hätte, ist noch völlig offen. Schließlich sind keinerlei Details zum Umfang des Verkaufes bekannt. So ist es etwa denkbar, dass Teile von Sky wie der Streaming-Dienst Wow bei Comcast bleiben. Fußball dürfte aber auch beim Neubesitzer ein wichtiges Thema bleiben: Die Bundesliga-Rechte sind bereits bis 2025 ausgehandelt.

Quellen: Bloomberg, Clap

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