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Unpünktlich und Zugausfälle: Deutschen Bahn machte Wintereinbruch schwer zu schaffen

Der Wintereinbruch im Dezember hat der Deutschen Bahn schwer zu schaffen gemacht. Tageweise seien über 30 Prozent der Fernzüge mit Verspätungen unterwegs gewesen.

Die Deutsche Bahn hat durch den Wintereinbruch im Dezember zeitweise auf mehr als jeden zehnten Zug im Fernverkehr verzichten müssen. Dadurch seien tageweise weniger als 70 Prozent der Fernzüge pünktlich gewesen, heißt es in einem Bericht der Bahn, den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Bundestages vorstellte. Über Konsequenzen aus dem Winterchaos will die Politik im Frühjahr beraten.

Die Zahl der Zugausfälle - gemessen in nicht gefahrenen sogenannten Zugkilometern - häuften sich dem Bahn-Bericht zufolge im Dezember auf mehr als das vierfache des normalen Wertes. Normalerweise fällt pro Monat laut Bahn weniger als ein Prozent der Zugkilometer aus, im Dezember seien es rund vier Prozent gewesen. In vielen Fällen allerdings fielen Züge nicht ganz aus, sondern wurden verkürzt - was zu noch volleren Zügen führte.

Auch im Nahverkehr führte der Wintereinbruch zu Verspätungen, und es fuhren dem Bericht zufolge kürzere Züge, oder sie fielen ganz aus. Zahlen nannte die Bahn dazu nicht. Besonders betroffen waren den Angaben zufolge Bayern sowie Nord- und Ostdeutschland.

Zu befürchten seien erneute Probleme, wenn das Winterwetter noch einmal nach Deutschland zurückkehre, sagte Ramsauer. Endgültig über Konsequenzen beraten wolle er mit seinen Länderkollegen daher erst im April auf der nächsten Verkehrsministerkonferenz. Thema sein sollten dann auch die Winterprobleme im Straßen- und Flugverkehr, kündigte er an.

Im Verkehrsausschuss herrscht angesichts der Winterprobleme nach Angaben des Vorsitzenden Winfried Hermann (Grüne) "ein neuer Konsens" aller Parteien und auch Ramsauers: "Die Bahn ist zu lange auf Verschleiß gefahren." Alle Parteien seien sich daher einig, dass die Investitionen in das Schienennetz und die Züge der Bahn deutlich steigen müssten.

Weiterhin keine Einigkeit herrschte über die konkreten Konsequenzen aus der Forderung nach mehr Geld für die Bahn. SPD, Grüne und Linke forderten, die Regierung müsse auf die von der schwarz-gelben Koalition beschlossene jährliche Dividende der Bahn an den Staat in Höhe von 500 Millionen Euro verzichten. Dies lehte Ramsauer allerdings erneut ab.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Patrick Döring, betonte, künftig dürfe der Fokus nicht mehr darauf liegen, "ein internationales Logistikunternehmen zu schaffen, sondern die Qualität im Schienenverkehr für die Menschen in Deutschland zu verbessern". Ramsauer hatte zuvor bereits im ARD-"Morgenmagazin" gefordert, die Bahn müsse vor einer weiteren Expansion im Ausland ihre Probleme im Inland in den Griff zu bekommen. "Erst muss das Geschäft zuhause stimmen. Der eigene Laden muss in Ordnung gebracht werden."

Um den Problemen im Straßenverkehr zu begegnen habe Ramsauer zugesagt, die Winterreifen-Pflicht für Lkw auszudehnen, sagte Hermann nach der Ausschusssitzung. Für das Beseitigen von Winterschäden auf den Autobahnen und Bundesstraßen wird es laut Ramsauer nicht mehr Geld als bislang eingeplant geben. Dies habe er vor dem Verkehrsausschuss klargestellt, sagte der Minister. In der "Bild"-Zeitung von Mittwoch hatte er zuvor angekündigt, dieses Jahr "2,2 Milliarden Euro für die Beseitigung von Winterschäden einzusetzen. Dies ist jedoch der komplette Etat für die Instandhaltung der Bundesfernstraßen.

AFP / AFP