Unternehmen Deutsche Firmen am Golf planen keine Evakuierung


Im Gegensatz zu vielen amerikanischen und britischen Firmen, die schon vor Wochen mit dem Abzug ihrer ausländischen Mitarbeiter aus den arabischen Staaten begonnen haben, warten die meisten deutschen Firmen noch ab.

Während viele amerikanische und britische Firmen wegen des drohenden Irak-Kriegs schon vor Wochen mit dem Abzug ihrer ausländischen Mitarbeiter aus den arabischen Staaten begonnen haben, warten die meisten deutschen Unternehmen erst einmal ab. Erich Kaeser, Siemens-Direktor in Saudi-Arabien, will über mögliche Evakuierungspläne derzeit überhaupt nicht sprechen. "Ich fühle mich hier sehr sicher und ich denke, das gilt auch für die Mehrheit meiner Mitarbeiter" sagt er. Seine Mitarbeiter, die aus 33 verschiedenen Nationen stammen, orientierten sich an dem, was ihnen die jeweiligen Botschaften rieten.

Saudi-Arabien ist Aufmarschgebiet

Vom Königreich Saudi-Arabien, das als Nachbarland des Irak Aufmarschgebiet im Golfkrieg von 1991 war, sollen diesmal keine Angriffe geflogen werden. Deshalb und wegen der durch die heute begrenzteren Möglichkeiten Bagdads wird das Risiko irakischer Raketenangriffe von saudischen und ausländischen Beobachtern im Königreich als "gegen Null gehend" eingeschätzt. Viele Ausländer befürchten allerdings, dass es nach Kriegsbeginn verstärkt Übergriffe gegen westlich aussehende Ausländer geben könnte, da die große Mehrheit der Saudis den Krieg ablehnen, darunter auch gewaltbereite islamische Extremisten. Von den insgesamt 220 deutschen Firmen hat aber bisher keine die Ausreise ihrer Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen angeordnet.

Flüge derzeit noch buchbar

Dass die Menschen verunsichert sind, aber erst dann ausreisen wollen, wenn es wirklich brenzlig wird, kann Uwe Wilck, Lufthansa-Chef in Saudi-Arabien, derzeit an seinen Reservierungsbeständen ablesen. "So was habe ich noch nie erlebt. Die Flüge sind hoffnungslos überbucht und dann fliegen wir am Schluss mit nur 65 Prozent Auslastung", sagt Wilck. Ein Flug über Kuwait hat die Lufthansa aus Sicherheitsgründen um einige Stunden vorverlegt. Alle Flüge zu den saudischen Flughäfen Damman, Riad und Dschidda sind allerdings bislang noch buchbar. Wilck und sein für Nordostafrika und Jemen zuständiger Kollege Werner Heesen in Kairo halten es allerdings für möglich, dass einzelne Flüge wegen einer während des Krieges wahrscheinlich sinkenden Nachfrage gestrichen werden. "Ägypten haben wir nicht als Krisengebiet identifiziert und der Luftraum über Ägypten wird in jedem Fall für den zivilen Verkehr geöffnet bleiben", sagt Heesen.

Ägypten gilt als sicher

Auf Unverständnis bei der deutschen Gemeinde in Ägypten stieß kürzlich die Entscheidung von DaimlerChrysler, die Angehörigen ihrer ausländischen Mitarbeiter außer Landes zu schicken. "Diese Entscheidung geht vielleicht auf die Einschätzung des amerikanischen Konzernanteils zurück", mutmaßt ein deutscher Geschäftsmann in Kairo. In der jüngsten Lageeinschätzung der deutschen Botschaft vom Dienstag hieß es: "Nach wie vor hat die Botschaft keinerlei Hinweise oder sonstigen Anlass zu erwarten, dass die Sicherheit von Ausländern in Ägypten durch die Ereignisse am Golf in Mitleidenschaft gezogen wird". Dennoch hält sie die Deutschen an, "ihr Umfeld aufmerksam zu beobachten und Menschenansammlungen zu meiden".

Ausreiseempfehlungen für Jemen und Kuwait

Ausreiseempfehlungen spricht das Auswärtige Amt dagegen für den Jemen und Kuwait aus, wo sich außer Soldaten und Journalisten kaum noch westliche Ausländer aufhalten. Den Deutschen in Saudi-Arabien wird dagegen nur geraten, für eine mögliche Ausreise gerüstet zu sein. Seit neuestem rät das Auswärtige Amt auch von nicht dringend erforderlichen Reisen in Iraks Nachbarland Syrien ab. Vor den Abflugschaltern am Flughafen von Kuwait-Stadt bildeten sich am Mittwochmorgen lange Schlangen. "Ich bin ganz schön erleichtert, hier raus zu kommen", meinte der kanadische Computerspezialist Joe Lemanne (59). Seine Firma hatte ihm grünes Licht für die Rückkehr nach Calgary gegeben.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker