US-Bankenkrise BayernLB fürchtet um 300 Millionen Euro


Die Finanzmarktkrise hat die deutschen Landesbanken schlimmer erwischt als gedacht: Ihnen drohen durch den Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers zusätzliche Abschreibungen in Milliardenhöhe. Bei der BayernLB beläuft sich der Schaden offenbar auf rund 300 Millionen Euro.

Die Landesbanken in Deutschland stehen durch die Eskalation der Finanzmarktkrise nach Medienberichten möglicherweise vor neuen Abschreibungen in Milliardenhöhe. Allein die Nettobelastung der Geldinstitute aus dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers belaufe sich auf mehr als eine Milliarde Euro, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag unter Berufung aus Branchenkreisen. Hinzu kämen noch weitere Bewertungsverluste durch die negative Entwicklung der Finanzmärkte.

BayernLB-Vorstandschef Michael Kemmer bezifferte am Freitag in einem Rundbrief an die Mitarbeiter das mögliche Ausfallrisiko für die Münchner Bank allein auf rund 300 Millionen Euro. Ein Unternehmenssprecher erklärte am Freitag in München, die Landesbank sei nicht nur Gläubiger, sondern auch Schuldner bei Lehman. Wie weit Forderungen und Schulden aufgerechnet werden könnten, werde zurzeit geprüft.

Besonders betroffen sind nach Informationen des Handelsblattes außerdem die HSH Nordbank und die Landesbank Baden-Württemberg. Auch die nordrhein-westfälische Förderbank NRW.Bank hat einen Schaden erlitten.

Ein Sprecher der HSH Nordbank wollte zu der Höhe möglicher Verluste keine Aussagen machen. Doch bestätigte er der Nachrichtenagentur AP, dass die Bank ihre bisherige Gewinnprognose nicht länger aufrechterhalte. Ein Sprecher der LBBW erklärte, über das Ausmaß eventueller Verluste aus diesem Engagement lasse sich heute wegen der Komplexität der Märkte insbesondere im Derivatebereich keine exakte Aussage treffen. "Mögliche Verluste wären in jedem Fall beherrschbar", fügte er hinzu. Glimpflich kommen laut Handelsblatt die Dekabank, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die NordLB und die WestLB davon.

NRW.Bank prüft die Vorgänge

Die landeseigene Förderbank NRW.Bank prüfe derzeit ihre Geschäftsbeziehungen zu Lehman, sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums am Freitag. Wenn die Prüfung abgeschlossen sei, werde die Öffentlichkeit darüber informiert. Das Engagement habe sich "in einer für diese Bank völlig normalen Größenordnung" bewegt, sagte NRW-Finanzminister Helmut Linssen der "Rheinischen Post". Für präzise Angaben über den Umfang der Transaktionen und über mögliche Verluste nach der Pleite der US-Bank sei es aber noch zu früh. "Dazu kann ich zu diesem Zeitpunkt einfach noch nichts sagen", so Linssen.

Doch es sind nicht nur die direkten Auswirkungen der Lehman-Pleite, die den Landesbanken zu schaffen machen, sondern auch die generelle Krise auf den Finanzmärkten. Die öffentlich-rechtlichen Geldinstitute haben laut "Handelsblatt" bereits im bisherigen Verlauf der Krise Belastungen von rund 15 Milliarden Euro verkraften müssen. Für das dritte Quartal würden nun weitere hohe Bewertungsverluste erwartet. "Die Monate Juli und August waren schlecht, der September bisher desaströs", zitierte die Zeitung einen Landesbankvorstand. Es kämen mit Sicherheit neue Bewertungsverluste in Milliardenhöhe auf die Institute zu.

Die bundeseigene Förderbank KfW hat durch Geschäfte mit der insolventen US-Bank Lehman Brothers kurz vor deren Zusammenbruch fast eine halbe Milliarde Euro verloren. Der Verwaltungsrat der Bank suspendierte am Donnerstag daraufhin zwei Vorstandsmitglieder.

Reuters/AP AP Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker