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Notenbank Fed: USA haben Leitzins erhöht - wie sich das auf Deutschland auswirkt

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen erhöht. Die Entscheidung in Washington wirkt sich auf die ganze Welt aus - vom deutschen Häuslebauer bis zum chinesischen Exporteur.

Notenbank-Chefin Janet Yellen: Erstmals seit fast zehn Jahren Leitzins erhöht

Notenbank-Chefin Janet Yellen: Erstmals seit fast zehn Jahren Leitzins erhöht

Die US-Notenbank hat am Mittwoch erstmals seit der Finanzkrise die erhöht - das Kapitel Rezession ist damit geldpolitisch geschlossen. Der zuständige Offenmarktausschuss der Fed hob den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,25 bis 0,5 Prozent an. Fed-Chefin Janet Yellen sagte, die Entscheidung beende die "außergewöhnliche" Zeit der Nullzinsen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise. Risiken aber bleiben. Die wichtigsten Fragen zur Zinswende.

Warum dreht die Federal Reserve an der Zinsschraube?

Die Leitzinsen liegen seit sieben Jahren nahe Null und somit deutlich unter dem Normalniveau. Die Fed hat die Zinsen so stark gedrückt, um die in der Finanzkrise fast zum erliegende Wirtschaft mit billigem Geld zu stimulieren. Langfristig kann eine solche Politik zu gefährlichen Blasen führen, etwa auf dem Immobilienmarkt, zu ungesunder Risikobereitschaft oder Überschuldung. Somit muss die Fed irgendwann gegensteuern. Eine derzeit recht stabile Arbeitsmarktlage und gesundes Wachstum in den lassen den Moment als günstig erscheinen. 

Warum sind die Leitzinsen in den USA so wichtig für die ganze Welt?

Die USA haben als größte Volkswirtschaft der Welt eine Leitwirkung. Vor allem aber: Viele Geschäfte rund um den Globus werden in US-Dollar abgewickelt, viele Anlagen in Dollar gehalten. Und der Dollar wird durch eine Zinsanhebung in der Heimat potenziell stärker, er wertet gegenüber anderen Währungen eher auf. Wer also Schulden in Dollar hat, seine Einnahmen aber in der eigenen Währung generiert, für den steigen künftig möglicherweise die Kosten. Das betrifft vor allem viele Unternehmen, etwa in Schwellenländern wie Brasilien aber auch in der Türkei. Da die Entscheidung aber an den Märkten erwartet wurde, dürfte vieles schon vorweggenommen sein.

Gibt es weitere Risiken der Zinsanhebung?

Viele. Die Fed muss eine gute Balance finden. Sie wird den ersten Schritt sehr vorsichtig tun. Zieht sie dann zu zögerlich und zu spät nach, verpufft möglicherweise die Wirkung. Schreitet sie mit weiteren Anhebungen zu forsch voran, könnte sie das Wachstum in den USA abwürgen und den Dollar so stark und damit für Ausländer so teuer machen, dass sich weniger Kunden Waren aus den USA leisten können. Die Exporte würden damit einbrechen. Experten wie der Washingtoner Ökonom Gerald O'Driscoll bezeichnen die Zinswende als "Experiment".


Wie geht die Zinswende technisch voran ?

Fed-Chefin Janet Yellen kann nicht einfach mit dem Finger schnippen - und schon sind die Zinsen höher. Bei früheren Erhöhungen der kurzfristigen Leitzinsen verkaufte die Notenbank so lange Anleihen mit kurzfristiger Laufzeit aus ihrem Besitz, bis das gewünschte Niveau erreicht war. Das geht nicht mehr, die Fed hat keine kurzfristigen Anleihen mehr. Sie kann grundsätzlich die Zinsen auf die Einlagen der Geschäftsbanken erhöhen. Dies würde aber bedeuten, dass der US-Steuerzahler die Zeche zahlt. Eine Hochrisikounternehmung im Wahljahr, wo doch die Banken ohnehin schon sechs Milliarden Dollar an Zinsen von der Fed einstreichen.

Werden die Zinsen auch im Euroraum bald erhöht?

Nein. Damit ist vor 2017 nicht zu rechnen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geldschleusen gerade erst noch weiter geöffnet und unter anderem das vor allem in Deutschland umstrittene Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere um ein halbes Jahr verlängert. Bis mindestens März 2017 sollen so monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden, insgesamt 1,5 Billionen Euro. "Wenn es dann nicht reicht, können wir weitermachen", betont EZB-Präsident Mario Draghi. Ziel der Maßnahmen ist, die Konjunktur anzuschieben und die Mini-Inflation im Euroraum nach oben zu treiben. So lange das Programm läuft, wird die EZB den Leitzins nahe der Nulllinie lassen. Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was bedeutet die Zinserhöhung in den USA für Europa?

Der teuere Dollar macht Importe aus dem Dollar-Raum teurer - und stärkt somit die zu niedrige Inflation in Europa. Auch die Benzinpreise würden wohl leicht nach oben gehen, weil Rohöl in Dollar gehandelt wird. Urlauber müssten bei Reisen in die USA tiefer in die Tasche greifen. Gleichzeitig werden hiesige Produkte aber auf dem Weltmarkt günstiger. Das Münchener Ifo Institut ist überzeugt: "Die (US-) Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aus dem Euroraum dürfte angesichts der Abwertung des Euro beschleunigt zunehmen."

amt / DPA / AFP