USA Fannie und Freddie unter Staatskontrolle


Die US-Regierung übernimmt vorläufig die Kontrolle der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Es ist der gravierendste Eingriff Washingtons seit Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr und eine der größten Rettungsaktionen in der US-Geschichte.
Von Sebastian Bräuer, New York

Die Finanzriesen seien "so groß und so mit dem Finanzsystem verwoben, dass das Scheitern eines der beiden große Unruhe auf unserem Finanzmarkt und in der ganzen Welt auslösen würde", sagte Finanzminister Henry Paulson am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Washington.

Finanziell betroffen sind sowohl Anteilseigner als auch Steuerzahler. Aktionäre, die in den vergangenen zwölf Monaten bereits Kursverluste von jeweils mehr als 90 Prozent erlitten haben, müssen jetzt die Streichung der Dividenden akzeptieren. Der Staatshaushalt ist betroffen, weil sich das Finanzministerium bereit erklärt hat, Vorzugsaktien von jeweils bis zu 100 Milliarden Dollar zu kaufen. Außerdem wird Paulsons Ministerium Fannie und Freddie kurzfristige Kredite gewähren und auf Hypotheken basierende Wertpapiere am Markt kaufen.

Risiko für den Steuerzahler

Paulson bekannte, dass das Vorgehen für den Steuerzahler riskant sei. "Letztlich werden die Kosten davon abhängen, wie sich die wirtschaftlichen Ergebnisse der beiden halbstaatlichen Institute entwickeln", sagte er. Er äußerte sich zuversichtlich, dass die Schritte dem Häusermarkt und der US-Wirtschaft helfen würden.

Die Regulierungsbehörde für Hausfinanzierungen (FHFA) übernimmt für einen nicht benannten Zeitraum die Führung von Fannie und Freddie. Deren Chefs Daniel Mudd und Richard Syron müssen ihre Posten räumen. Neuer Chef von Fannie Mae soll Herb Allison werden, zuvor in leitender Position bei Merrill Lynch. David Moffett, der von US Bancorp kommt, übernimmt das Ruder bei Freddie Mac.

US-Bonitätsnote in Gefahr

Bei der Rettungsaktion hat die Regierung das Image des US-Markts bei ausländischen Investoren im Auge. Diese halten einen großen Teil der Anleihen von Fannie und Freddie. "Das Hauptziel von Paulson ist es, deren Vertrauen in die Unternehmen wiederherzustellen", sagte Joseph Mason, Professor an der Drexel-Universität. Ihm als Steuerzahler missfalle dieses Vorgehen.

Ende März waren Wertpapiere im Gesamtwert von 1500 Milliarden Dollar im Besitz ausländischer Investoren - bei einem 12.000 Milliarden Dollar schweren Markt bedeutet das, dass mehr als jede zehnte US-Hypothek in den Händen ausländischer Regierungen, Unternehmen und Institutionen ist. Zu den größten Gläubigern gehören China, Japan, Luxemburg und Belgien. Insgesamt investieren nach Angaben von Freddie Mac 66 Zentralbanken in die Wertpapiere des Hauses. Bereits im April hatte die Ratingagentur Standard & Poor's gewarnt, dass die Bonitätsnote der USA im Zusammenhang mit der Krise der beiden Hypothekenfinanzierer in Gefahr sei.

FTD

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