Verhandlungen mit Katar Piëch blockiert Einstieg der Scheichs bei Porsche


Das Emirat Katar soll Porsches Retter sein. Ein Einstieg der Scheichs könnte den Sportwagenbauer vor der Übernahme durch VW bewahren und die Macht von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Aufsichtsratsboss Wolfgang Porsche sichern. Doch die Rechnung haben sie mal wieder ohne Ferdinand Piëch gemacht.
Von Kristina Spiller, Sven Clausen und Heimo Fischer

Der geplante Teilverkauf des Sportwagenbauers Porsche an das Emirat Katar gerät ins Wanken. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD)verhinderte Großaktionär Piëch bei einem Treffen der Eigentümerfamilien eine rasche Einigung mit den Scheichs. Eigentlich hätte bei dem Meeting, das am Montag in Österreich stattfand, eine Vorentscheidung zum Einstieg Katars fallen sollen, hieß es. Stattdessen habe Ferdinand Piëch neue Zweifel an dem Geschäft gesät, hieß es aus dem Umfeld der Verhandlungen.

Die Hängepartie schwächt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Übernahmepoker mit Volkswagen. Er hatte auf einen raschen Einstieg Katars gehofft, um die Finanznot seines Konzerns zu lindern. Zu dem Familientreffen sei das Management allerdings nicht geladen gewesen, hieß es. So hatte Wiedeking am Montag keine Chance, bei den Eignern erneut für sein Vorhaben zu werben. Wiedeking plant eine Kapitalerhöhung von 4,5 bis 5 Milliarden Euro. Die Scheichs sollen mindestens 2 Milliarden Euro beisteuern, die Familien den Rest.

Der Porsche-Vorstand hatte sich bei dem Versuch verhoben, den deutlich größeren VW-Konzern zu kaufen. Zwar besitzen die Schwaben inzwischen rund 51 Prozent an den Wolfsburgern. Im Gegenzug hat Porsche allerdings Schulden von 9 Milliarden Euro angehäuft. Eine zusätzliche finanzielle Belastung könnte den Stuttgartern aus Optionen erwachsen, die sie auf weitere 20 Prozent an Volkswagen besitzen - Porsche fehlt das Geld, um die Optionen wahrzunehmen. Ein Porsche-Sprecher bestritt am Dienstag, dass das Familientreffen stattgefunden habe. "Das ist ein gezieltes Störmanöver", sagte er.

Die Inhaberfamilien Porsche und Piëch - Nachfahren des Gründers Ferdinand Porsche - besitzen derzeit 100 Prozent der Stammaktien. Mit einem Teilverkauf an Katar würden sie ihre Alleinherrschaft erstmals aufgeben. Bislang hatte es so ausgesehen, als unterstützten der Porsche-Clan und Hans Michel Piëch einen raschen Einstieg des Emirats. Bei dem Treffen am Montag habe es dann aber "eine energische Diskussion gegeben", hieß es im Umfeld der Familie. "Die Familien mussten in den letzten 15 Jahren im Grunde keine komplizierte Entscheidung treffen. Sie haben keinen richtigen Entscheidungsprozess etabliert. Auch deswegen wogt es hin und her", sagte ein Verhandlungsteilnehmer.

Nach FTD-Informationen will Katar nicht nur 25 Prozent an Porsche, sondern mindestens eine Aktie zusätzlich - und damit eine Sperrminorität. Piëch habe im Familienkreis klargestellt, dass es für eine Entscheidung zu viele offene Fragen gebe. So sei etwa unklar, wie viel Macht Katar tatsächlich erhalten solle und was die Ziele der Scheichs seien. "Es gibt bisher keine genauen Informationen, was Katar mit seinem Investment plant und wie sie den von den Familien geplanten Zusammenschluss mit VW sehen", sagte eine Person aus dem Umfeld der Gespräche.

Die Porsches und Piëchs hatten sich im Mai im Grundsatz darauf geeinigt, Porsche mit VW zusammenzuschließen. Der Weg dahin ist jedoch offen. Ferdinand Piëch will, dass VW die Stuttgarter kauft - der ursprünglich geplante Deal also umgedreht würde. So könnte die Porsche-Holding ihre Schulden abbauen. Piëch, der zugleich VW-Aufsichtsratschef ist, gewönne an Macht.

Piëchs Cousin Wolfgang Porsche, der dem Porsche-Kontrollgremium vorsitzt, fürchte jedoch um seinen Einfluss, heißt es. Daher favorisiere er eine Fusion auf Augenhöhe. Dafür müsste die Porsche-Holding jedoch anderweitig Geld auftreiben, um ihre Schulden abzubauen. Das Interesse des Emirats Katar kam Wolfgang Porsche daher gelegen.

FTD

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