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Weltwirtschaftsforum Davos: Im Bann der Finanzkrise

Im Zeichen von Finanzkrise und Rezessionsängsten hat das 38. Weltwirtschaftsforum in Davos begonnen. Politiker und Finanzexperten warnten dabei vor übertriebenem Pessimismus - doch auch US-Außenministerin Rice konnte die Sorgen um die schwächelnde US-Wirtschaft nicht dämpfen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat Bedenken über eine grundsätzliche Schwächung der amerikanischen Wirtschaft zurückgewiesen. "Die amerikanische Wirtschaft ist belastbar, ihre Struktur ist gesund, und ihre langfristig gesehenen wirtschaftlichen Fundamente sind gesund", sagte Rice am Mittwoch zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums (WEF) ins Davos. Ihre Worte trafen auf eine stark verunsicherte Elite aus Wirtschaft und Politik, die sich bis Samstag traditionsgemäß in dem Schweizer Wintersportort versammelt hat. Die Stimmungslage unter den Führungskräften der Industrie in den USA und in Europa ist deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Dabei machen neben der Hypotheken- und Kreditkrise auch die steigenden Energiepreise sowie Umweltprobleme Sorgen.

In Davos kommen bis Sonntag rund 2500 Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Politik zusammen. Unter ihnen 27 Staats- und Regierungschefs und über 110 Minister, Gewerkschafts- und Religionsführer sowie rund 900 Vorstandsvorsitzende oder Geschäftsführer aus aller Welt, 20 Prozent davon aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch sind 13 Chefs von Zentralbanken und die Finanzminister der reichsten und sich entwickelnden Staaten, wie der G 8 (mit Russland) und der G 20 unter der Führung Brasiliens, unter den Gästen. Die Bundesregierung ist durch Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach vertreten.

Warnung vor übertriebenem Pessimismus

Der Schweizer Bundespräsident Pascal Couchepin rief zur kritischen Analyse von Exzessen auf den Finanzmärkten auf. WEF-Gründer Klaus Schwab warnte vor übertriebenem Pessimismus und und nannte Klimawandel, Wasserknappheit und Terrorismus als Themen für das diesjährige Treffen, das unter dem Motto "Die Kraft gemeinsamer Erneuerung" steht.

Rice versicherte, dass die US-Wirtschaft auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Weltökonomie spielen werde. "Unsere Wirtschaft wird ein treibender Motor weltweiten Wirtschaftswachstums bleiben." Die USA begrüßten weiterhin ausländische Investitionen und den freien Handel. "Wir sollten also Vertrauen in die grundlegende Stärke der weltweiten Wirtschaft haben", sagte die Außenministerin.

Dramatischer Vertrauensverlust

Dieses Vertrauen ist aber derzeit offenbar stark erschüttert. Die Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers legte in Davos eine Umfrage vor, die erstmals seit 2003 einen negativen Trend aufzeigt. Befragt wurden 1150 Manager in 50 Staaten im letzten Quartal des vergangenen Jahres. Es sind vor allem die amerikanischen Wirtschaftsführer, von denen sich nur noch 35 Prozent optimistisch zeigen, im Vergleich zu 55 Prozent im vergangenen Jahr. In Europa sehen noch 44 Prozent der Befragten wohlgemut in die Zukunft, was aber einen Rückgang von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.

Dagegen stieg das Vertrauen in weiteres Wachstum im asiatisch- pazifischen Raum sowie in Lateinamerika und in Mittel- und Osteuropa auf insgesamt 55 Prozent. Sie ist mit 73 Prozent besonders stark in China und liegt in Indien sogar bei 90 Prozent. Finanzier George Soros sagte in Davos, die gegenwärtige Krise zeige auch "eine bedeutende Verschiebung an Kraft und Einfluss" von den USA hin zu den wachsenden Volkswirtschaften Chinas und Indiens. Es werde auch kaum möglich sein, eine Rezession etwa in den USA aufzuhalten.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai machte darauf aufmerksam, dass der Krieg gegen Terrorismus auch sechs Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht gewonnen sei. Vielmehr drohe sich der Terrorismus in Afghanistan und Pakistan unkontrolliert auszubreiten. Der Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, rief zu dringenden, gemeinsamen und beispiellosen Schritten gegen den Klimawandel auf. Schon vor dem offiziellen Beginn des fünftägigen Forums hatten Experten die Finanzkrise erörtert. Sie waren sich nicht einig, ob und wie stark der Abwärtstrend der US-Wirtschaft auch die übrige Welt erfassen wird. Kritisiert wurden auch die Notenbanken.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters