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WETTBEWERB: E.ON gibt nicht auf

Weil E.ON sich nicht von regionalen Gasversorgern trennen wollte, ließ das Bundeskartellamt die Ruhrgas-Übernahme platzen. Jetzt soll's eine Ministererlaubnis richten.

Der Grund für das Verbot der Ruhrgas-Übernahme durch E.ON war nach Informationen der »Financial Times Deutschland« die Weigerung des Düsseldorfer Energiekonzerns, sich von Beteiligungen an regionalen Gasversorgern zu trennen. Das Bundeskartellamt hat vor allem die Abgabe des Anteils am Münchener Gas- und Stromversorger Thüga verlangt, schrieb das Blatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die Behörde hatte eine marktbeherrschende Stellung durch die E.ON- Beteiligungen in zahlreichen Regionen festgestellt. E.ON hat aber lediglich angeboten, Minderheitsbeteiligungen an Bayerngas, der Berliner Gasag AG sowie an der Ostdeutschen Ferngasgesellschaft VNG abzugeben.

E.ON hofft auf Polit-Hilfe

E.ON setzt nach der Ablehnung des Geschäfts durch das Kartellamt auf eine Ministererlaubnis durch Bundeswirtschaftsminister Werner Müller. Der bezeichnete jetzt die Entscheidung über die geplante Ruhrgas-Übernahme als offen. »Die Entscheidung ist in keiner Weise vorschattiert«, so Müller in Köln. »Es wird alles nach den Fristen, die im Gesetz vorgesehen sind, ablaufen«, fügte der Minister hinzu.

Warnung vor Ministererlaubnis

Der Wettbewerbsrechtler Heinz Greiffenberger hat davor gewarnt, die Ruhrgas-Übernahme mit einer Ministererlaubnis zu erzwingen. »Lehnt das Kartellamt die Übernahme nach umfassender Prüfung ab, wäre eine Ministererlaubnis falsch«, zitierte die Süddeutsche Zeitung in ihrer Montagsausgabe den Wettbewerbsrechtler. Greiffenberger, der bis 2000 der Monopolkommission angehörte, sagte weiter, Maßstab für die Entscheidung muss die Wirkung auf die Verbraucher sein.

E.ON gibt nicht auf

Der Energiekonzern E.ON will nach eigenen Angaben vom Wochenende beim Bundeswirtschaftsministerium eine Ministererlaubnis für die Fusion mit der Ruhrgas AG beantragen, nachdem das Kartellamt den Kauf der Gelsenberg AG untersagt hatte. Dadurch hätte das Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung an Ruhrgas erhalten. E.ON geht deshalb davon aus, dass der Zusammenschluss der beiden Stromkonzerne nicht gebilligt wird.

Markt beherrschende Stellung

Das Kartellamt befürchtet, dass ein Zusammenschluss von E.ON mit Deutschlands größtem Gasversorger eine Markt beherrschende Stellung des Konzerns bei Strom und Gas zur Folge hätte.

Minister Müller gilt als befangen

Mit einer Ministererlaubnis kann sich die Bundesregierung aus übergeordneten, gesamtwirtschaftlichen Gründen über ein Kartellverbot hinwegsetzen. Der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller, der vor seinem Eintritt in die Bundesregierung jahrelang Vorstand beim inzwischen in E.ON aufgegangenen Stromkonzern Veba war, gilt in dieser Frage allerdings als befangen.

Das Objekt der Begierde

Die Essener Ruhrgas AG ist mit 60 Prozent Marktanteil der größte Gasverkäufer in Deutschland. Das Unternehmen verkauft jährlich rund 600 Milliarden Kilowattstunden Erdgas. Im vergangenen Jahr wuchs der Gas-Absatz von Ruhrgas nach eigenen Angaben um gut drei Prozent.

Kapitaler Brocken

Die Bilanz für 2001 wird Ruhrgas im Mai vorlegen. Im Jahr 2000 stieg der Gesamtumsatz auf 20,5 Milliarden DM (10,5 Mrd Euro). Der Gewinn lag bei 780 Millionen DM. Insgesamt beschäftigt Ruhrgas fast 10.000 Menschen in den Sparten Gas, Industrie, Telekommunikation und Dienstleistungen. Am weltweit größten Gasproduzenten, dem russischen Gasprom-Konzern, ist die Ruhrgas mit 5 Prozent beteiligt. Neben dem deutschen Markt beliefert Ruhrgas auch zehn europäische Staaten. Mit einer Gesamtlänge von 10.750 Kilometern hat das Leitungsnetz der Ruhrgas die gleiche Länge wie das deutsche Autobahnnetz. Der Ruhrbergbau hatte das Unternehmen 1926 mit dem Ziel der Vermarktung von Kokereigas unter dem Namen »Aktiengesellschaft für Kohleverwertung« gegründet. Eigentümer der heutigen Ruhrgas sind Energie- und Industriekonzerne wie E.ON, RWE, ThyssenKrupp, RAG und Shell.

Stärker im Versorgungsgeschäft

Eon hatte das Versorgergeschäft zuletzt durch Zukäufe ausgeweitet. Vor knapp einem Jahr erwarb der Konzern die Mehrheit am Hamburger Versorger Heingas. Beteiligungen bestehen ferner an Avacon, Schleswag und einer Reihe weiterer Gasversorger.