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Online-Handel : Wie Amazon und Zalando die Innenstädte retten könnten

Amazon, Zalando und Co. scheinen die größten Feinde der Händler in Innenstädten zu sein. Durch den Boom des Online-Shoppings graben sie dem stationären Handel das Wasser ab. Doch ausgerechnet die Internetgiganten könnten die Fußgängerzone retten.

Amazon als Einzelhändler

In Seattle betreibt Amazon bereits ein Geschäft.

Der Frankfurter Zeil oder der Kö in merkt man nichts an. Die Einkaufsstraßen in den Großstädten haben sich zwar gewandelt - mehr Ketten, weniger kleine Einzelhändler - doch übermäßigen Leerstand gibt es nicht. Doch abseits der großen Städte sieht es schon anders aus: Ob Bremerhaven, Fulda oder Hannover - leer stehende Handelsflächen werden zum Problem für die Städte. Denn mit jedem Geschäft, das wegfällt, sinkt die Attraktivität für Kunden. Die haben längst eine Alternative gefunden: Shopping im Netz. 

Wie attraktiv eine Innenstadt wahrgenommen wird, hängt auch von den ansässigen Handelsunternehmen ab. Das IFH Köln untersuchte kürzlich deutsche Innenstädte - durchschnittlich vergaben die befragten Kunden in 120 Städten die Schulnote drei plus. "Der Veränderungsdruck durch den branchenspezifischen Strukturwandel im Handel, durch demografische Verschiebungen und durch die Digitalisierung nimmt zu", sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln. Das größte Problem der Städte: Bei einigen Produktgruppen laufen Onlineshops schon heute den Geschäften in Fußgängerzonen den Rang ab. So wächst der Onlineriese Amazon deutlich, seit 2012 haben sich die Umsätze in Deutschland auf über 14 Milliarden Dollar jährlich verdoppelt. Auch der Bekleidungsshop Zalando legt zu. Zuletzt lag der Umsatz bei rund 3,6 Milliarden, 2013 war es nur rund halb so viel. Der Versandhändler Otto, bei dem Kunden früher noch per Katalog shoppten, machte weltweit mit seinem Onlinegeschäft zuletzt einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro.


Onlinehandel gegen stationären Handel

Online boomt und macht damit den Einzelhändlern das Leben schwer - könnte man meinen. Doch es ist viel komplizierter. Denn der Onlinehandel legt zwar Jahr um Jahr zu. Gekillt hat er den stationären Handel aber nicht. Und: Inzwischen zieht es die Internetgiganten in die Städte. Experten sprechen vom Ende der "Pure Player", also Händler, die nur auf On- oder Offline setzen. Multichannel, also der Verkauf in Läden und im Netz, sei die Zukunft. Bislang richtete sich diese Einschätzung vor allem an den stationären Handel: Onlineshop aufsetzen, Social-Media-Aktivitäten planen oder zumindest über größere Plattformen verkaufen - so lautete der Rat der Handelsprofis. "Fakt ist, wer als Handelsunternehmen auch künftig im Wettbewerb bestehen will, muss im Internet präsent sein", sagt Kai Falk, Geschäftsführer vom HDE, Spitzenorganisation des deutschen Einzelhandels, im "Deutschlandfunk". Neu ist, dass nun auch Onlinehändler begreifen, dass sie im realen Leben sichtbar sein müssen. 

Zalando plant vierte Filiale

So sucht Zalando aktuell in Düsseldorf eine Ladenfläche von bis zu 1200 Quadratmetern. Es wäre das vierte Geschäft des Modehändlers nach Filialen in Berlin, Frankfurt und Köln. Auffällig ist laut der "Rheinischen Post", dass Zalando nicht in die 1A-Lagen geht, sondern sich abseits der prominenten Einkaufsstraßen niederlässt. "Zalando braucht keine Flächen an den besten Lauflagen. Das ist ein Geschäft, das von Kunden gezielt aufgesucht wird und für das sie auch zu fahren bereit sind", sagt Daniel Hartmann, Head of Retail Letting bei Colliers International Düsseldorf, zu "rp-online". In den Zalando-Geschäften bekommen Kunden vor allem Artikel aus Rücksendungen oder die Kollektionen aus dem vergangenen Jahr. Darüber hinaus eröffnet der Modegigant auch immer wieder kleine Pop-up-Stores, die nur für einen kurzen Zeitraum eröffnen. Eher Marketinginstrument als realer Umsatztreiber. 

Amazon eröffnet Läden

Auch tastet sich langsam an den stationären Handel heran. In den USA betreibt der Konzern erste Buchläden, auch Geschäfte für den Lebensmitteleinkauf hat der Internethändler eröffnet. In Deutschland gibt es seit November eine Amazon-Filiale in Oberhausen. Das Konzept dahinter gleicht einem Showroom. Statt voller Regale können Kunden dort die Amazon-Produkte Echo und Kindle anfassen und ausprobieren - eben genau das, was beim Online-Shopping nicht möglich ist. Wer die Geräte kaufen will, kann das online tun.

Kauferlebnis kann nicht ins Digitale übertragen werden

Für Deutschlands Innenstädte können Pop-up-Store oder Showrooms von reinen Onlinehändlern die Rettung sein. Und Händler in den Geschäften können durch Online-Auftritte den Umsatz ankurbeln. Die Multichannel-Idee scheint nur einen Verlierer zu kennen: Die Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Zog es vor Jahrzehnten vor allem flächenintensive Branchen, wie die Möbelhändler, auf die unbebauten Flächen, sind sogar die zurückgekehrt in die Stadt. Seit 2014 betreibt Ikea in Hamburg eine Innenstadt-Filiale. Laut der "New York Times" tüftelt auch Amazon an einem Konzept für Möbelgeschäfte. Auch der Ausbau von Elektronikgeschäften sei angedacht. "Ich glaube, dass sie begriffen haben, dass es Dinge gibt, bei denen man das Erlebnis nicht digital übertragen kann, das man in einem Geschäft erlebt", sagt Randy Burt von der Unternehmensberatung A.T. Kearney zur "NYT".