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Superreiche unter Druck Das sind die sanktionierten Oligarchen – und so stehen sie zu Putin

Rosneft-Chef Igor Setschin (rechts) mit seinem Freund und Präsidenten Wladimir Putin
Rosneft-Chef Igor Setschin (rechts) mit seinem Freund und Präsidenten Wladimir Putin
© Mikhail Metzel/ / Picture Alliance
Die EU hat Sanktionen gegen einflussreiche russische Oligarchen verhängt. Einige fühlen sich zu Unrecht bestraft, einer kritisiert sogar den Krieg, doch alle haben sie von der Nähe zu Putin profitiert. Ein Überblick.

Der prominenteste Oligarch fehlt bisher auf den Sanktionslisten: Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch ist formal (noch) nicht von den Strafmaßnahmen betroffen, die der Westen gegen eine Reihe russischer Einzelpersonen in Kraft gesetzt hat. Ihnen soll das Vermögen eingefroren und die Reisefreiheit beschränkt werden.

Doch auch wenn Abramowitsch bisher nicht auf der Liste steht, zieht er bereits Konsequenzen, um drohenden Sanktionen zuvorzukommen. Vom Verwaltungsvorsitz des FC Chelsea ist er schon zurückgetreten, nun will er sein teures Lieblingsspielzeug offenbar ganz verkaufen. Sogar seine Villa und weitere Immobilien in London soll er bereits zum Verkauf freigegeben haben. "Abramowitsch gehört zu den engsten Beratern und Freunden von Putin. Er ist wie alle anderen Oligarchen auch in Panik", sagt der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss, der aktuell mit Abramowitsch über einen Kauf des Fußballklubs verhandelt, der Zeitung "Blick". 

Sanktionen treffen nicht nur Wladimir Putin

Die Panik ist begründet. Denn die Sanktionen, die der Westen wegen des Ukraine-Kriegs gegen russische Einzelpersonen verhängt hat, treffen nicht nur Putin selbst, seine Regierungsmitglieder und Militärs. Sondern auch russische Milliardäre, die bisher in Europa ungestört Geschäfte machen und im Luxus leben konnten.

Welche Oligarchen stehen auf der Sanktionsliste der EU, die am Montag in Kraft getreten ist, und warum? Ein Überblick.  

Alexej Mordaschow
Alexej Mordaschow
© Yuri Kochetkov / DPA

Alexej Mordaschow, Stahl-Magnat und Tui-Aktionär

Der prominenteste Name mit deutschem Bezug ist der von Alexej Mordaschow. Er hat mit dem Stahlkonzern Severstal ein Vermögen gemacht und besitzt ein Drittel der Anteile am deutschen Touristikkonzern Tui, was ihn zu deren größten Einzelaktionär macht. Wegen der Sanktionen muss Mordaschow nun den Tui-Aufsichtsrat verlassen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Noch am Vortag hatte Mordaschow sein Unverständnis über die Sanktionen gegen ihn geäußert. Mit der Entstehung "der aktuellen geopolitischen Spannungen" habe er "absolut nichts zu tun". Er sei nur ein Geschäftsmann und habe der Politik nie nahe gestanden.

Die EU sieht das anders. Sie hält ihm vor, als Vorsitzender des Stahlunternehmens Severgroup "von seinen Verbindungen zu russischen Entscheidungsträgern" profitiert zu haben. Die Bank Rossiya, an der er Anteile hält, sei die persönliche Bank hochrangiger Beamter. Zudem habe er Windkraft-Geschäfte auf der besetzten Halbinsel Krim getätigt und besitze Anteile an Fernsehsendern, "die aktiv die Politik der russischen Regierung zur Destabilisierung der Ukraine unterstützen". Als Reaktion auf die Sanktionen kündigte Stahlproduzent Severstal am Mittwoch an, alle Lieferungen in die EU zu stoppen. 

Michail Fridman
Michail Fridman
© TASS/ / Picture Alliance

Michail Fridman, Banker und Investor

Zu den sanktionierten Oligarchen zählt auch einer der wenigen, die den Krieg kritisiert haben. Michail Fridman ist Gründer und Chef der AlfaGroup, zu der mit der AlfaBank die größte russische Privatbank gehört. Die EU zählt den 57-Jährigen "zu den wichtigsten russischen Financiers und Unterstützern des inneren Kreises von Putin". Dessen älteste Tochter Maria habe sogar ein Wohltätigkeitsprojekt der Bank geleitet, Putin habe im Gegenzug Investitionspläne der Bank im Ausland politisch unterstützt.

Fridman weist eine Nähe zum Kreml zurück. In einem Brief an seine Mitarbeiter, der via Financial Times öffentlich wurde, hat er sich zudem in deutlichen Worten gegen den Krieg ausgesprochen und ein Ende des "Blutvergießens" gefordert. Fridman verweist darauf, er selbst sei in der Westukraine geboren und aufgewachsen, seine Eltern lebten bis heute dort. Er sei "davon überzeugt, dass Krieg niemals die Antwort sein kann". 

Pjotr Aven
Pjotr Aven
© Itar-Tass/ / Picture Alliance

Pjotr Aven, Banker

Ebenfalls auf der Sanktionsliste steht Fridmans Mitstreiter Pjotr Aven. Der 66-Jährige ist einer der wichtigsten Anteilseigner der Alfa Group und neben Fridman deren zweiter Kopf. Die EU zählt ihn zu den "etwa 50 schwervermögenden russischen Geschäftsleuten, die regelmäßig mit Wladimir Putin im Kreml zusammenkommen". Aven sei seit den frühen 90er Jahren mit Putin befreundet und "einer der Putin am engsten vertrauten Oligarchen", weshalb sie ihn für dessen Politik mitverantwortlich macht. Aven erklärte wie Fridman, es sei unwahr, dass er enge Beziehungen zur Regierung Putin gehabt habe, die Vorwürfe seien "böswillige und vorsätzliche Unwahrheiten". 

Rosneft-Chef Igor Setschin im Jahr 2018 mit Rosneft-Aufsichtsrat Gerhard Schröder
Rosneft-Chef Igor Setschin im Jahr 2018 mit Rosneft-Aufsichtsrat Gerhard Schröder
© Patrick Pleul/ / Picture Alliance

Igor Setschin, Rosneft-Chef

Beim Chef des staatlichen Ölunternehmens Rosneft ist die Nähe zum Kreml unübersehbar. Die EU bezeichnet ihn als einen der "vertrautesten und engsten Berater" sowie "persönlichen Freund" Putins, mit dem er in täglichem Kontakt stehe. Setschin arbeitete schon Anfang der 90er als Putins persönlicher Assistent in Sankt Petersburg und folgte ihm in verschiedenen Positionen bis hin zum Posten des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Als Politiker betrieb Setschin die Zerschlagung des Rosneft-Konkurrenten Yukos von Michail Chodorkowski – und übernahm dann auf Geheiß von Putin selbst den Chefsessel bei Rosneft und damit die Kontrolle über das russische Ölgeschäft. Die USA verhängten schon 2014 nach der Krim-Annexion ein Einreiseverbot und Kontosperren gegen Setschin. 

Alischer Usmanow (links) mit Präsident Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu
Alischer Usmanow (links) mit Präsident Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu
© Alexei Druzhinin/ / Picture Alliance

Alischer Usmanow, Wirtschaftsmogul und Sportfunktionär

Der im usbekischen Teil der Sowjetunion geborene Alischer Usmanow ist einer der erfolgreichsten Geschäftsleute Russlands. Er war in der Finanzindustrie tätig, arbeitete für Gazprom und schuf in den 2000ern ein Bergbau- und Metallimperium. Laut EU-Sanktionsliste ist er "einer der von Putin besonders favorisierten Oligarchen", für den er auch persönlich geschäftliche Probleme löse. Zudem machte er sich einen Namen als Sportfunktionär und war zwischenzeitlich einer der größten Anteilseigner des englischen Fußballclubs FC Arsenal.

Als Reaktion auf die Sanktionen erklärte Usmanow am Dienstag, sein Amt als Präsident des Fecht-Weltverbandes ruhen zu lassen, das er seit 2008 innehatte. Die Vorwürfe der EU wies er als "falsch" und "verleumderisch" zurück. 

Gennady Timchenko
Gennady Timchenko
© Yegor Aleyev/ / Picture Alliance

Gennady Timchenko, Unternehmer und Wahl-Schweizer

Gennady Timchenko gilt als enger Putin-Freund, mit dem er die Leidenschaft für Eishockey teilt. Als Chef der Investment-Firma Volga ist er unter anderem in Energiegeschäft und in der Baubranche aktiv, auch an der staatsnahen Rossiya-Bank hält er einen Anteil. Timchenko dürfte vor allem treffen, dass die Schweiz die EU-Sanktionen übernimmt, denn er lebt mit seiner Familie in Genf.

Weitere Oligarchen auf der EU-Sanktionsliste:

Nikolai Tokarev, Chef des Öl-Pipelinebetreibers Transneft. Er kennt Putin noch aus KGB-Zeiten in der DDR.

Alexander Ponomarenko, Unternehmer und Chef des Flughafens Sheremetyevo. Er soll enge Verbindungen zum Oberhaupt der Republik Krim unterhalten und an der Finanzierung von Putins Palast bei Gelendzhik beteiligt gewesen sein.

Petr Fradkov, Chef der staatlich kontrollierten Promsvyzazbank, die staatliche Rüstungsprojekte finanziert.

Sergej Roldugin, eigentlich Cellist, dem seit Veröffentlichung der Panama Papers aber mehrere Offshore-Firmen zugeordnet werden. Die EU wirft ihm vor, für seinen Freund Putin weltweit verdeckt Geld zu verschieben.

Abgesehen von diesen Oligarchen stehen auf der Liste Politiker und Militärs aus Putins Führungszirkel sowie Journalisten und Medienschaffende, die staatliche Kriegspropaganda verbreiten.

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