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Trigema-Chef "Im Homeoffice verlustiert man sich nur noch": Die provokanten Aussagen von Wolfgang Grupp

Wolfgang Grupp
Wolfgang Grupp feierte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag
© Eventpress / Imago Images
Wolfgang Grupp nimmt kein Blatt vor den Mund. Ob zum Thema Homeoffice, Arbeitsmentalität junger Menschen oder Kleidungsstil – der Trigema-Chef polarisiert immer wieder mit seinen Aussagen.

Wolfgang Grupp ist ein Kaufmann alter Schule. Sein Großvater Josef Mayer gründete 1919 das Textilwarenunternehmen Trigema, 1969 übernahm Grupp die Firma in seiner Geburtsstadt Burladingen von seinem Vater. Bis heute ist er der alleinige Inhaber und Geschäftsführer. Damit ist er zum reichen Mann geworden. Das "Manager Magazin" schätzte sein Vermögen 2020 auf 80 Millionen Euro, andere Quellen sprechen mittlerweile sogar von mehr als 100 Millionen Euro.

In diesem Jahr ist Grupp 80 Jahre alt geworden – doch in Interviews nimmt der Unternehmer weiterhin kein Blatt vor den Mund. Immer wieder fällt er mit provokanten Aussagen auf und kritisiert neue Trends in der Wirtschaft. Vom Thema Homeoffice beispielsweise ist Grupp ganz und gar nicht überzeugt, auch nicht nach den Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie.

Wolfgang Grupp hält nichts von Homeoffice und Videokonferenzen

"Mit Homeoffice kann ich nichts anfangen", sagte er dem "Schwarzwälder Boten": "In der Textilproduktion benötige ich meine Leute, die permanent zusammenarbeiten, direkt vor Ort. Unsere Produktion ist sehr flexibel, ich muss konstant steuern, brauche die Kommunikation hier im direkten Umfeld." Noch deutlicher wurde Grupp laut "Hamburger Abendblatt" bei der Konferenz "New Work Experience": "Man verlustiert sich nur noch", sagte er über das Arbeiten von zu Hause aus. Stattdessen setzt Grupp auf Großraumbüros anstatt von Einzelbüros in der Unternehmenszentrale in Burladingen (75 Kilometer von Stuttgart entfernt).

Während der Pandemie haben sich in vielen Unternehmen Videokonferenzen etabliert, doch auch davon hat Wolfgang Grupp keine gute Meinung. "Ich bevorzuge das Telefon", sagt er. "Ich verstehe nicht, wieso einige aufwendig einen Termin mit mehreren Leuten für eine Video-Konferenz organisieren. Wenn man mich anrufen würde, würde ich zwei Sätze zum aktuellen Stand sagen und alles wäre erledigt." In der Digitalisierung ist der 80-Jährige ohnehin nach wie vor nicht angekommen. Einen Computer nutzt er nicht, seine E-Mails lässt er sich von seiner Sekretärin ausdrucken. 

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Luxus braucht Grupp nach eigener Aussage nicht – wobei das Definitionssache ist. Schließlich leistet sich der Unternehmenschef einen eigenen Hubschrauber, mit dem er öfter unterwegs ist. Grupp betonte aber in einem "Focus"-Interview: "Den habe ich nicht zum Angeben gekauft, sondern um konstant unsere Testgeschäfte besuchen und damit kontrollieren zu können." Im Jahr kommt er auf 160 bis 200 Flugstunden, was für ihn eine veritable Zeitersparnis gegenüber dem Auto ausmacht. Darüber hinaus besitzt Grupp einen eigenen, 400 Hektar großen Wald und eine eigene Jagd.

Trigema-Chef hat klare Vorstellungen von Respekt

Immer wieder stößt sich der Patriarch an der (Arbeits-)Mentalität junger Menschen. Seine Aussagen dazu sorgen regelmäßig für Aufregung, zum Beispiel zum Thema Fachkräftemangel in der Textilproduktion. "Das Problem ist, dass in Deutschland viele Abitur machen und studieren. Wenn die Tochter einer Näherin Abitur macht, geht sie mir nicht mehr an die Nähmaschine", kritisierte er in der "Wirtschaftswoche". Deshalb würden diese Stellen zunehmend mit ausländischen Arbeitskräften besetzt.

Auch von Respekt hat Grupp klare Vorstellungen, mit denen er aneckt – und die vielen jungen Menschen etwas angestaubt vorkommen könnten. Geduzt wird bei Trigema jedenfalls nicht: "Ich begegne meinen Mitarbeitern respektvoll, dazu gehört für mich auch die persönliche Ansprache. Nur dann kann ich im Gegenzug auch Anstand und Leistung erwarten." Das gilt auch für den Kleidungsstil. Jogginghosen sind für den Unternehmer ein No-Go. "Wenn ich gesagt habe, ich bin heute irgendwo eingeladen und dafür tut es meine Jogginghose, dann ist das eine Wertschätzung, die ich dem anderen gegenüber bringe. Nämlich keine", so Grupp in einem Podcast

Quellen:  "Manager Magazin""Schwarzwälder Bote" / "Hamburger Abendblatt" / "Focus" (1) / "Wirtschaftswoche" (1) / "Wirtschaftswoche" (2) / "Focus" (2) 

epp

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