HOME

Irland: Eine junge Familie dreht eine Werbung für Lidl – wenige Wochen später ergreift sie die Flucht

Ihr Auftritt sollte ihr Leben verändern – im negativen Sinne: Familie Ryan steht vor der Kamera und wird anschließend rassistisch angefeindet. Nun hat das Paar entschieden, Irland den Rücken zu kehren.

Familie Ryan betreten einen Lidl-Markt

Flucht nach England: Um ihren Sohn zu schützen, verließ Familie Ryan ihre Heimat Irland

Familie Ryan hatte sich nicht viel gedacht. Fiona ist Schauspielerin, ihr Verlobter Jonathan Fitnesstrainer, ihr einjähriger Sohn Jonah scheint kein Problem mit Kameras zu haben. Als sie ein Angebot erreichte, einen Werbeclip zu drehen, sagten die Ryans zu. Fortan war die glückliche Familie aus der irischen Grafschaft County Meath in einem Video zu sehen. Ihre Gesichter waren zudem auf Werbepostern im ganzen Land abgedruckt. Sie ahnten nicht, dass diese Werbung für sie alles verändern würde. Denn kurze Zeit nach der Veröffentlichung erreichten Fiona und Jonathan erste Kommentare auf Social-Media-Plattformen. Sie wurden immer schlimmer, immer negativer, der Hass wurde immer größer. Plötzlich erhielten sie sogar Todesdrohungen – auch gegen ihren einjährigen Sohn.

Journalistin heizt Drohungen gegen die Ryans an

Die Hetze in den sozialen Netzwerken nahm schnell Fahrt auf. Hauptauslöser war ein Tweet einer früheren irischen Journalistin, Gemma O’Doherty – Patriotin, Immigrationsgegnerin, extrem rechts. In einem Beitrag schrieb sie, dass Lidl das irische Volk mit einer multikulturellen Version der Familie vergiften würde. O’Doherty war schon in der Vergangenheit immer wieder durch ihre rassistischen Entgleisungen aufgefallen. Im Juli dieses Jahres sperrte Youtube ihr Profil wegen Hassrede. Lidl reagiert schnell auf den Tweet O’Dohertys, meldete ihn und blockierte die Rechtsextreme. Der Tweet wurde mittlerweile von der Plattform Twitter entfernt. 

Lidl stand hinter den Ryans, veröffentlichte einen unterstützenden Tweet, doch die immer extremeren Beschimpfungen und Drohungen erschütterten die Familie. Fiona und Jonathan schalteten die Gardaí, die irische Nationalpolizei, ein. Ohne Erfolg.

Das Paar beschließt, das Land zu verlassen

Mittlerweile haben Fiona und Jonathan Irland verlassen. Die Bedrohung wurde zu groß. Sie sorgten sich vor allem um das Wohlergehen ihres Sohns. Heute wohnen die Ryans in England und rufen per Online-Petition zu schärferen Gesetzen gegen Hassrede im Internet auf.

In einem Interview, über das "The Independent" berichtet, sagt Fiona: "Es war ziemlich erschreckend, das alles durchlesen zu müssen, und ich denke nicht, dass jemand dieser Art von Online-Missbrauch ausgesetzt sein sollte." Jonathan sagt, dass nur das Ausmaß der Hetze ihn überraschte. Mit Rassismus sei er sein ganzes Leben konfrontiert gewesen. "Diesen Leuten ist es alles egal, sie sind voller Hass und Ignoranz."

Quellen: "Irish Times", "The Independent", "Daily Mail", Youtube-Account Lidl Irland, Twitter-Account Lidl Irland, Twitter-Account Gemma O’Doherty