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Russland: Chodorkowski hat Yukos-Aktien auf Gibralter geparkt

Der inhaftierte russische Ölmanager Chodorkowski hat seine Beteiligung am Ölkonzern Yukos offenbar in westlichen Steuerparadiesen vor dem Zugriff des russischen Staates geschützt.

Der inhaftierte russische Ölmanager Michail Chodorkowski hat seine Beteiligung am Ölkonzern Yukos nach Informationen der Zeitung "Le Monde" in westlichen Steuerparadiesen vor dem Zugriff des russischen Staates geschützt. Die Anteile liegen über die ineinander verschachtelten Holdings Hulley Enterprises (Zypern) und Yukos Universal (Insel Man) bei der Menatep Group auf Gibraltar.

Aktien fielen an Treuhänder

Die Menatep Group (Briefkasten 246 im Regal F des Regal House) sei eine von 60.000 Briefkastenfirmen auf Gibraltar, schreibt die Pariser Zeitung in ihrer Montagausgabe. Nach den Yukos-Statuten fielen Chodorkowskis Firmenanteile samt Stimmrechten an den Treuhänder Menatep Group, sobald der Manager - zum Beispiel wegen seiner Inhaftierung - nicht mehr direkt über sie verfügen dürfe.

Gibraltar ist sicherer Hort

Die Menatep Group sei vom English Trust Act von 1893 gesetzlich vor Beschlagnahme von Aktien wegen Vergehen wie Steuerhinterziehung oder Steuerbetrugs geschützt, wie sie Chodorkowski vorgeworfen werden, schreibt "Le Monde" unter Berufung auf das Anwaltsbüro Marache & Co auf Gibraltar. Die russischen Behörden müssten den Manager schon erfolgreich wegen Geldwäsche vor dem Obersten Gerichtshof der englischen Kronkolonie verklagen, um eine Chance auf Beschlagnahme der Anteile zu haben.

Yukos-Manager halten Menatep-Anteile

An der Menatep Group hält Chodorkowski dem Bericht zufolge 50 Prozent über ein Special Trust Arrangement sowie weitere 9,5 Prozent direkt. Jeweils 7 Prozent liegen beim Duma-Abgeordneten Wladimir Dubow und beim Generaldirektor der Yukos-Managementgruppe, Wassili Schachnowski. 8 Prozent hält der Föderationsrats-Abgeordnete Leonid Newslin und 7 Prozent der - seit Juli inhaftierte - Menatep-Generaldirektor Platon Lebedjew.

Geschickter Zug: US-Manager im Team

Darüber hinaus hat Chodorkowski dem Bericht zufolge mit dem Engagement von US-Ölmanagern bei Yukos politische Hindernisse für den Kreml geschaffen. Mit Generaldirektor Steven Theede (früher bei Conoco-Philips), Finanzdirektor Bruce Misamore (früher Pennzoil) und einem ehemaligen Amoco-Manager als Explorationschef habe er die Unterstützung der US-Regierung erreichen wollen, die der US-Ölwirtschaft sehr nahe stehe.

Medwedjew kritisierte Beschlagnahme

Der neue Kreml-Stabschef Dmitri Medwedjew hatte am Sonntag die Beschlagnahme der Yukos-Aktien mit den Worten kritisiert: "Diese Aktien gehören Offshore-Unternehmen, die Anspruch auf Schadensersatz erheben. Die juristische Effektivität solcher Sicherungsmaßnahmen ist nicht offensichtlich." Zuvor hatte die US-Regierung das Vorgehen der russischen Justizbehörden gegen Yukos in Frage gestellt.

DPA