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Strauß-Prozess: "Wie geht's, Herr Strauß?" - "So oh, la, la"

Max Strauß hat am zweiten Prozesstag bestritten, 1,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Regelrecht überrascht wurde der Politikersohn von einer persönlichen Frage des Vorsitzenden Richters.

Max Strauß wurde von der Frage des Vorsitzenden Richters regelrecht überrascht. Maximilian Hofmeister hatte am Dienstag zunächst im strengen Ton vorgetragen, nach dem Prozessauftakt habe das Gericht in den Zeitungen verwundert lesen müssen, der Angeklagte sei "fit gespritzt" worden für die Verhandlung, sei nur medikamentös in der Lage gewesen, sich körperlich zu Gericht zu bewegen, und habe eine "Extradosis Beruhigungsmittel" erhalten. "Das hat die Kammer alles nicht erfahren, weder von Ihnen, noch von den Verteidigern, noch von Ihrem Arzt", hielt Hofmeister dem Angeklagten am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Augsburg vor und fügte hinzu, das Gericht könne diese Berichte nicht überprüfen.

Und dann wandte sich der Richter auch körperlich dem prominenten Angeklagten zu und fragte laut und jovial: "Wie geht's denn, Herr Strauß?" Dieser blickte erstaunt auf und antwortete kaum hörbar: "So oh, la, la". Und Hofmeister fragte nach, wie Strauß sich fühle: "Müde und erschöpft". Doch der Richter ließ nicht locker: "Und am ersten Verhandlungstag, konnten Sie da folgen?" Strauß: "Im Großen und Ganzen ja." Hofmeister: "Und heute?" - "Einigermaßen", erwiderte Strauß, sichtlich besser bei Gesundheit als bei Prozessbeginn vor einer Woche.

Von Antidepressivum bis Valium

Doch dann war der Dialog auch schon wieder fast beendet. Strauß-Verteidiger Wolfgang Dingfelder überreichte dem Gericht eine Liste mit Medikamenten, die sein Mandant seit seinem Zusammenbruch im September 2003 zu sich nimmt: ein Antidepressivum, ein Neuroleptikum gegen Psychosen und zur Abschirmung der Außenreize, ein Blutdruckmittel, Valium als Angstlöser und Beruhigungsmittel (Tranquilizer) zur Reduzierung des Erregbarkeitspegels. Der zu Rate gezogene Gerichtsmediziner Richard Gruber erläuterte dem Gericht, die Mittel würden in der niedrigen Dosierung zur psychischen Dämpfung des Patienten eingesetzt, trügen aber eher zur Verbesserung der kognitiven und psychischen Leistungsfähigkeit von Strauß bei.

Strauß machte einen weitaus besseren Eindruck als bei seinem ersten Erscheinen vor Gericht. Nicht mehr in sich zusammengefallen kam er stattdessen aufrecht und mit sicherem Gang in den Saal, er schien auch emotional stabil. Hofmeister erwiderte auf den Vorwurf, der stationär betreute Strauß habe sich auf den Prozess nicht ausreichend vorbereiten können, dass dieser sich bereits seit dem 30. Oktober 2003 nachmittags täglich der Hausaufgabenbetreuung seiner Töchter widme und dass ihm am 17. Dezember von seinen Ärzten bescheinigt wurde, sie hätten keine Bedenken gegen seine Teilnahme am Straßenverkehr.

Strauß offenbar wohlauf

Und tatsächlich scheint es Max Strauß besser zu gehen. So wurde er am vergangenen Sonntagabend in Begleitung von Wolfgang Gröbl (CSU), dem früheren Parlamentarischen Staatssekretär, in mehreren Ministerien der Ära Kohl und in einem Restaurant bei Holzkirchen beim Essen gesehen. Gröbl wird eine enge Bekanntschaft mit dem in die Leuna-Affäre verstrickten Dieter Holzer nachgesagt. Holzer soll an diesem Donnerstag als Zeuge im Strauß-Prozess aussagen.

Nikolaus Dominik / DPA