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"Die Stunde Null" Unbürokratische Corona-Hilfen? Ein Unternehmer berichtet das Gegenteil

Kameha Grand Bonn
Zur Invite Group gehört unter anderem das Kameha Grand Hotel Bonn
© Rainer Hackenberg / Picture Alliance
Schnelle und unbürokratische Unterstützung für Unternehmen versprach die Bundesregierung im vergangenen März. Im Podcast "Die Stunde Null" kritisiert Jörg Haas, Geschäftsführer der Invite Group, die bisherigen Hilfen als ungerecht und fehlerhaft. Er pocht nun auf Schadensersatz.
Von Verena Mayer

Von einer "Bazooka" sprach Finanzminister Olaf Scholz bei Ausbruch der Corona-Krise. Es sei ausreichend Geld da, um von der Pandemie betroffenen Unternehmen zu helfen – schnell und unbürokratisch. Die Bilanz nach fast einem Jahr ist ernüchternd: Unternehmer klagen über komplexe Vorgaben, Softwareprobleme bei der Bewilligung, stockende Auszahlungen. "Jetzt bekommen wir Kredite, denen laufen wir seit zehn Monaten mit einem gigantischen Aufwand hinterher und am Ende des Tages müssen wir diese persönlich verbürgen mit unserem privaten Einkommen," sagt der Bonner Unternehmer Jörg Haas im Podcast "Die Stunde Null

Mit der Invite Group betreibt er vier Hotels, zehn Gastronomiebetriebe, fünf Fitnesscenter und zwei Konferenzzentren. Wie viele deutsche Gastronomie- und Hotelunternehmen zählt auch die Invite Group zu den verbundenen Unternehmen - ein übergeordnetes Unternehmen hält die Mehrheit der Gesellschaftsanteile an mehreren kleineren. "Als verbundenes Unternehmen gilt für sie die Ein-Antrags-Berechtigung," erklärt Haas im Podcast. So seien die Hilfsgelder, die durch EU- und Bundesvorgaben gedeckelt sind, schnell ausgeschöpft. 

Hinzu kommt: Die Überbrückungshilfen I und II galten nur für kleine und mittlere Unternehmen. Wer wie die Invite Group mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, 250 Beschäftigte und 43 Millionen Euro Bilanzsumme aufweist, geht leer aus. "Wir haben für die ersten drei Monate nichts bekommen. Wir haben für Juni, Juli, August nichts bekommen. Dann gab's die Überbrückungshilfe II. Auch diese wiederum nur für kleine und mittlere Unternehmen." Diese Ungleichbehandlung nach Unternehmensgröße sei diskriminierend und widerspreche dem Grundgesetz, so Haas im Gespräch mit Horst von Buttlar. 

Jeden Tag 100.000 Euro Verlust

"Wir machen im Lockdown jeden Monat drei Millionen Verlust. Wir haben jeden Tag 100.000 Euro Verlust, jede Minute 70 Euro Verlust, ob sie wach sind oder schlafen." Die Regierung, fordert Haas, dürfe die Corona-Hilfen nicht als freiwillige Leistungen einstufen. Man könne nicht einfach hingehen und sagen, ich nehme dir Eigentum weg und entschädige das nicht. "Es ist eine Entschädigung im Sinne von Schadensersatz, auf den man einen rechtlichen Anspruch hat."

Hinzu kommen unübersichtliche Vorgaben und Antragschaos. Allein im Wirtschafts-Stabilisierungs-Fonds seien 600 Milliarden Euro an Hilfsgeldern, so Haas. Aber: "Das Instrument ist so nachrangig und so unvorteilhaft, dass man wirklich schon tot sein muss, um es überhaupt in Anspruch zu nehmen."

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Welche bürokratischen Hürden die Invite Group meistern musste, um an Hilfsgelder zu gelangen
  • Wie das Unternehmen während der Pandemie den Kontakt zu seinen Mitarbeitern hält
  • Welche Zukunftsperspektive Jörg Haas für die Hotel- und Freizeitbranche sieht

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