Verkehr Mehdorn im "Endspurt" der Bahnreform


Für Bahnchef Hartmut Mehdorn ist die Sommerpause endgültig vorbei: Im Poker um Bundesmittel für neue ICE- Strecken fahren Gewerkschaften und Politik schweres Geschütz auf und zweifeln am Zahlenwerk des Vorstands.

Für Bahnchef Hartmut Mehdorn ist die sommerliche Ruhe endgültig vorbei. Erst im August hatte das gelungene Comeback der alten Bahncard den monatelangen Ärger um das neue Preissystem beendet. Die Bahn ist wieder auf Kurs, lautete die optimistische Parole der Konzernzentrale. Doch mittlerweile kämpft der Bahnchef erneut an allen Fronten. Im Poker um Bundesmittel für neue ICE- Strecken fahren Gewerkschaften und Politik schweres Geschütz auf und zweifeln am Zahlenwerk des Vorstands. Mehdorns ehrgeiziges Ziel, den Verkehrsriesen bis 2005 fit für die Börse zu machen, sehen viele in die Ferne rücken. Nun verkündet er Millionen Reisenden höhere Preise.

Tickets im Nahverkehr werden teurer

Um 4,1 Prozent sollen die Tickets im Nahverkehr vom 14. Dezember an teurer werden, teilte die Bahn am Donnerstag mit. Prompt meldeten sich Kritiker zurück, die Mehdorn schon vor den Tücken des inzwischen wieder korrigierten Preissystems im Fernverkehr gewarnt hatten. Die Bahn sei doch auf gutem Weg gewesen, Vertrauen und Kunden zurück zu gewinnen, hieß es beim Verkehrsclub Deutschland. Jetzt laufe sie Gefahr, viele wieder abzuschrecken. Denn der Regionalverkehr mit rund 1,5 Milliarden Fahrgästen im Jahr ist das "Brot- und Buttergeschäft", wie auch Mehdorn weiß. Im ersten Halbjahr 2003 legte die Sparte sogar zu, während der Fernverkehr unter Attacken der Billigflieger und dem Wirbel um das neue Tarifsystem litt.

Harte Kämpfe um die Bahn börsenfähig zu machen

An zusätzlichem Ärger wegen höherer Preise für Berufspendler oder Schülertickets kann dem obersten Eisenbahner derzeit eigentlich am allerwenigsten gelegen sein. Für seinen Kurs, das Staatsunternehmen bis 2005 börsenfähig zu machen, muss der Chef in diesen Wochen hart kämpfen. Im "Endspurt" auf dem Weg zu einem unternehmerisch geführten Konzern dürfe dieses Ziel "auf den letzten Metern" nicht gefährdet werden, schärfte er seinen Führungskräften ein. Die Finanzvorgaben müssten notfalls auch mit alternativen Lösungen eingehalten werden. Angepeilt ist, nach einem nochmaligen Betriebsverlust 2003 im nächsten Jahr 390 Millionen Euro operativen Gewinn einzufahren.

"Fragwürdige" Mittelfristplanung

Mit dem Bund ringt Mehdorn darüber, ob der Bau neuer ICE-Strecken wegen der angespannten Haushaltslage verschoben oder gar gestrichen werden muss. Berechnungen der Bahn, bis 2007 könnten sechs Milliarden Euro weniger Bundesmittel zur Verfügung stehen als kalkuliert, lösten aber erst einmal Zweifel an der eigenen Finanzplanung aus. Der Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, warnte Mehdorn, erneut eine "ähnlich fragwürdige" Mittelfristplanung vorzulegen oder die Bilanz mit Blick auf einen Börsengang schön zu rechnen. Für Klarheit soll der Bahnchef in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung im Oktober sorgen - gegen Manipulationsvorwürfe hat ihn der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Michael Frenzel, in Schutz genommen.

Ton wird schärfer

Ausgerechnet inmitten der schwierigen Verhandlungen ist auch der Ton zwischen Bahnchef und Bundestag wieder schärfer geworden. Mit einer Klage gegen kritische Äußerungen des FDP-Abgeordneten Horst Friedrich brachte die Bahn die versammelten Verkehrsexperten aller Fraktionen gegen sich auf. Ungeachtet dessen rechnet Mehdorn noch in diesem Jahr mit einer grundsätzlichen Erklärung des Bundes über einen möglichen Verkauf von Bahn-Anteilen. In der Koalition werden derweil Stimmen lauter, die Entscheidung nicht zu überstürzen.

DPA

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