Verkehr Spediteure trotz Maut-Testerfolg in Sorge


Das scheint zu klappen: Toll Collect hat neue On Board Units vorgestellt, die in LKW die Mautstrecken erfassen sollen. Trotz erfolgreicher Tests bleiben die Spediteure in Sorge.

"Sie scheinen diesmal ja ihre Hausaufgaben gemacht zu haben." Wolfgang Anwander, geschäftsführender Spediteur aus Bayern, ist voll des Lobes über den gerade absolvierten Maut-Test der Betreibergesellschaft Toll Collect. Er hat daran mit seinen Lkw teilgenommen. "Stellen Sie sich vor: eine Erfolgsquote von 99,6 Prozent", freut sich der mittelständische Baustoff-Transporteur der AIT Thansau GmbH aus Rohrdorf bei Rosenheim. "Damit ist die Vorgabe des Bundes von 95 Prozent für das erste Jahr der Lkw-Gebühr (2005) klar übererfüllt." Nun funktionieren sie also: die aufs Armaturenbrett aufmontierten Mauterfassungsgeräte OBUs (On Board Units). Davon durften sich am Rhein auch Medienvertreter - wie tags zuvor etwa 30 Chefs von Speditionsfirmen - ein Bild machen. Jedoch nicht vom Truck aus, sondern aus einem Bus, der unter echten Maut-Bedingungen Satellitensignale empfing und an die Rechenzentrale weiterleitete. Sein Weg: von Köln über Koblenz nach Simmern in den Hunsrück, wo die OBUs unter hohen Sicherheitsvorkehrungen programmiert werden. Aus der Hand gerissen werden sie Toll Collect aber noch nicht gerade.

185.000 Bestellungen

Zwar gibt es nach Angaben der Betreibergesellschaft inzwischen fast 185.000 Bestellungen sowie erste Einbauten der neuen Geräte. Doch zu tief sitzt das Misstrauen. Im Herbst vergangenen Jahres hatten Spediteure ernüchternde Berichte abgegeben. "OBU schaltet nicht an", "Gerät rechnet die falsche Strecke ab" oder "springt für ca. 30 Minuten auf Defekt Service, dann auf Bezahlung, dann auf mautfrei" usw. Gerade eingebaute OBUs wurden wieder ausgebaut, viele Lkw-Besitzer wollten "nichts mehr damit zu tun haben", erinnert sich Anwander schmunzelnd. Doch auch er und andere Kollegen drängen - ein halbes Jahr vor dem geplanten Maut-Start - auf mehr Sicherheit und Tempo.

Nachweis unter Volllast fehlt

Bis Ende des Jahres sollen insgesamt 500.000 Geräte neu eingebaut sein. "Wir wissen bisher nur, dass 41 Geräte mit der neuen Software erfolgreich getestet wurden", betont der Geschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, Karlheinz Schmidt im dpa-Gespräch. "Vor allem fehlt der Nachweis eines funktionierenden Gesamtsystems unter Volllast." Die Transporteure brauchten einen gewissen Planungsvorlauf und könnten nicht bis zum 15. Dezember 2004 warten, wenn das Bundesamt für Güterverkehr die Betriebserlaubnis erteile. Ähnlich äußerte sich auch Anwander. "Wir müssen jetzt mit unseren Kunden über unsere Preise reden." Kein Weg werde daran vorbei führen, die Maut an die Kundschaft weiter zu geben. Sie mache mitunter schon 15 Prozent der Frachtkosten aus: Dieser Anteil ergebe sich dann, wenn zum Frachtpreis von 700 Euro für einen 700 Kilometer weiten Transport von München ins Ruhrgebiet 15 Cent Maut je Kilometer - also rund 100 Euro - hinzukämen. "Diese Last kann kein mittelständischer Unternehmer durchhalten." Und was ist, wenn es (Verkehrsminister) Manfred Stolpe (SPD) nicht gelingt, die Verrechnung der Maut mit der Mineralölsteuer in der EU durchzusetzen? Das soll ja immerhin zu 600 Millionen Entlastung von den 3 Milliarden erhofften Maut-Einnahmen führen. Anwander: "Na, dann stehen wir alle vor dem Ruin".

Wolfgang Bunse, DPA DPA

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