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Reichtum Vermögensreport: Der durchschnittliche Chinese ist inzwischen reicher als sein Pendant in Europa

Geschäftsfrau in China.
Geschäftsfrau in China.
© Getty Images
Der durchschnittliche Chinese besitzt inzwischen 26.752 US-Dollar, das sind rund 60 US-Dollar mehr als bei den Europäern. Grund ist die starke wirtschaftliche Dynamik der Volksrepublik.

Ein neuer Bericht der Investmentbanking- und Vermögensverwaltungsgesellschaft Credit Suisse hat ergeben, dass der durchschnittliche chinesische Erwachsene heute wohlhabender ist als der durchschnittliche Europäer. Pro Kopf liegt der ermittelte Wert der Credit Suisse für China bei 26.752 US-Dollar. Das sind rund 60 US-Dollar mehr als bei den Europäern. Hier muss man aber auf die Details achten, "Europa" bedeutet, dass nicht allein die West-Länder Europas betrachtet werden. Und für den Wert wurde der sogenannte Median-Wert herangezogen, er gibt ziemlich genau das Vermögen in der Mitte der Gesellschaft an. Der mathematische Durchschnitt liegt in Ländern mit ungleicher Vermögensverteilung höher als der Median. Einfach gesagt: Hier ziehen die Superreichen den Schnitt nach oben, der Median gibt dagegen den Wert des "Durchschnitts-Typen" in der Bevölkerung an.

Europa mit dem armen Osten

Der jährliche Global Wealth Report der Credit Suisse, der in diesem Monat veröffentlicht wurde, schätzt das durchschnittliche Vermögen der Haushalte in aller Welt. Europa wird dabei von den ärmeren Staaten heruntergezogen. Das durchschnittliche Vermögen in China ist mehr als viermal so hoch wie in Russland, in Putins Reich liegt der durchschnittliche Wert 2021 nur bei 6379 Dollar. Und der chinesische Wert pro Erwachsenen von 26.752 US-Dollar wirkt bescheiden neben den USA (93.271 Dollar) und winzig neben Belgien (256.336 Dollar).

Unerhörte Dynamik in China

Der chinesische Wohlstand ist in den letzten zwei Jahrzehnten sprunghaft angestiegen, wobei sich das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem mehr als verachtfacht hat. Das führt zu dem guten Abschneiden des "Durchschnittsbürgers". Bei kleinerer Bevölkerung als in China stammen 57 Prozent des Gesamtvermögens der Haushalte weltweit aus Nordamerika und Europa. Doch an diesen enormen Werten hat der größte Teil der Bevölkerung wenig Anteil. "Alle Regionen trugen zum Anstieg des globalen Vermögens bei, aber Nordamerika und China dominierten, wobei auf Nordamerika etwas mehr als die Hälfte des globalen Gesamtbetrags entfiel und China ein weiteres Viertel beitrug", so der Bericht. Die Dynamik in China ist allerdings rasant.

Deutschland schneidet schlecht ab

Deutschland schneidet meist schlechter ab als vergleichbare europäische Staaten. Das liegt einerseits an der Ungleichverteilung der Vermögen. Aber auch an der geringen Eigentumsquote bei Immobilien hierzulande. Der abbezahlte Wert der Immobilie – nicht die Hypotheken – gehen bei dem Report in das Vermögen ein. Ein Pariser mit abbezahlter Eigentumswohnung ist also meist reicher als ein Mieter in München. Eine weitere Besonderheit ist die Altersvorsorge. Wenn Werte bereits in einem Pensionsfond oder eine Lebensversicherung eingezahlt worden sind, gilt dies als Vermögen. Umlagesysteme wie die deutsche Rente, die kaum Reserven haben, und die die Rentenlast den nächsten Generationen aufbürden, produzieren in der Logik der Credit Suisse zwar Ansprüche, verfügen aber tatsächlich nicht über die korrespondierenden Werte.

Bei den Median-Werten schafft es Deutschland mit einem Wert von 60.633 Dollar nicht in die Liste der Top 20. Bei der Anzahl der Superreichen ist Deutschland mit Platz 3 dagegen weit vorn, nur übertroffen von den weit größeren Ländern USA, Platz 1, und China, Platz 2.

Der Durchschnittsdeutsche ist also immer noch etwa dop­pelt so reich wie der Durchschnittschinese. Da es in China aber große sehr arme Regionen gibt, dürfte der Vergleich für Deutschland weit ernüchternder ausfallen, wenn nur die entwickelten Zonen Chinas berücksichtigt würden.

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