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Altersvorsorge: Kaum machbar: Mit Riester zum Eigenheim

Fazit nach einem Jahr: Der Immobilien-Sonderweg der Riester-Rente lohnt sich nicht. Nur junge Sparer schaffen überhaupt den vorgegebenen Zeitplan.

Wer sich für die Riester-Rente interessiert, kann sich vor lauter Bank-, Versicherungs- und Fondssparplan-Angeboten kaum mehr retten. Von dem Sonderweg, mit staatlichen Zuschüssen zu den eigenen vier Wänden zu kommen, wird man dagegen nur wenig hören. Kein Wunder, wie Verbraucherschützer einhellig urteilen.

Unmögliche Vorgaben

Wer mit Riester-Geld sein Häuschen finanzieren will, müsste erst einmal rund zehn Jahre lang sparen, sich von dem schmalen Guthaben dann selbst einen zinslosen Kredit geben, das Gepumpte dann aber wieder bis zum 65. Geburtstag voll zurückzahlen. Vater Staat verlangt, dass die Immobilie bei Rentenbeginn entschuldet ist. Nebenbei muss der Sparer aber auch noch den größten Finanzierungsbatzen von der Bank leihen und ebenfalls abstottern.

Experte: "Einfach missglückt"

"Einfach missglückt" nennt Finanzexperte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Stuttgart den Immobilien-Sonderweg. Einen solch straffen Zeitplan schaffen höchstens junge Sparer, die beim Start nicht älter als 25 sind. Für ältere Durchschnittsverdiener kommt die Verknüpfung von Sparen auf späteren Wohnungskauf und Fördergeldern für den Ruhestand von vornherein nicht mehr in Frage. Wer erst mit 40 anfangen will, kriegt die Rückzahlung bis zur Rente wohl kaum in den Griff. "Dieser Weg ist nur für wenige begehbar", kritisiert Grieble.

Nur auf den ersten Blick plausibel

Dabei klingt das Konzept auf den ersten Blick recht plausibel. Angehende Immobilienbesitzer müssen sich - je nach Eigenkapital - nicht den gesamten Restkaufpreis von der Bank leihen. Die monatliche Zins- und Tilgungsbelastung fällt niedriger aus, indem sie sich aus dem eigenen Guthaben selbst "billiges" Geld leihen - mindestens 10.000, aber höchstens 50.000 Euro.

Problem ist das Ansparen

Ein Problem für Otto-Normalverdiener ist allerdings, solche Beträge erst einmal anzusparen. Das staatliche Förderungszuckerl fällt ja nicht gerade üppig aus. Wer nach der "Riester-Staffel" beispielsweise ein Prozent (ab 2002) bis vier Prozent (ab 2008) seines Bruttoeinkommens zurücklegt, erreicht erst nach zehn Jahren ein Kapital von mehr als 10.000 Euro. Aber auch "Besserverdiener" müssen lange warten, bis sie genug auf der hohen Kante haben. Für Riester-Geld gibt es nach oben Grenzen.

Finanzielle Belastung

Weitere Knackpunkte: Mit der Rückzahlung in Monatsraten muss der Häuslebauer spätestens zwei Jahren nach dem Immobilienkauf beginnen, wie die ZDF-Ratgeberredaktion "WISO" berechnet hat. Parallel dazu müssen die normalen Bankschulden getilgt werden. Zugleich müssen aber auch die eigenen Beiträge zur Riester-Rente weiter finanziert werden. Das Modell wird umso mehr zur finanziellen Belastung, je niedriger der Hypothekenzins und je höher die Rendite auf das angesparte Kapital ausfällt. Und noch etwas gilt es zu beachten: Je älter der Sparer ist, desto höher sind seine monatlichen Belastungen aus der Rückzahlpflicht.

Bis zur Rente darf nichts schief laufen

Passieren darf dann nicht mehr viel bis zur Verrentung. Muss der Häuslebauer die Immobilie verkaufen oder kann er sie nicht mehr selbst nutzen, muss er den Restbetrag seines eigenen Kredits innerhalb einer bestimmten Frist wieder rückzahlen. Alternativ kann er in ein Ersatzobjekt investieren. Passiert das nicht, muss der Anleger die gesamte staatliche Förderung erstatten und versteuern. Das gleiche Los trifft den, der mit dem Abstottern mehr als ein Jahr in Rückstand gerät.

Modell nicht empfehlenswert

Stirbt der Anleger, bevor er die Schulden abgebaut hat, muss die offene Summe aus dem Erbe zurückbezahlt werden. "Schlimmstenfalls müssen die Kinder mehr zurückzahlen, als der Sparer drin hatte", erklärt Grieble. Sein Fazit: Das Entnahme-Modell ist kaum empfehlenswert. Die Riester-Zuschüsse sollten besser nicht mit einer Immobilie verknüpft werden.