HOME

VW, Daimler und Co.: Werbung vor IS-Propaganda - Youtube laufen die Anzeigekunden davon

Youtube hat ein Problem: Die Anzeigen von großen Werbekunden laufen in Großbritannien teilweise vor homophoben, judenfeindlichen oder extremistischen Videos. Das schmeckt VW, Daimler und Co. gar nicht. Viele Konzerne ziehen ihre Kampagnen zurück.

Die Videoplattform Youtube hat Ärger mit ihren Anzeigekunden (Symbolbild)

Die Videoplattform Youtube hat Ärger mit ihren Anzeigekunden (Symbolbild)

Youtube laufen im Moment in Scharen die großen Werbekunden davon. Der Grund: Die Anzeigen auf der Werbeplattform laufen teilweise vor und im Umfeld extremistischer Videos. Dabei handelt es sich mehreren britischen Medienberichten zufolge um homophobe, rechtsradikale oder antisemitische Inhalte und sogar Propagandaspots der Terrormiliz IS. Wie die "Bild" berichtet, haben nun die Autokonzerne VW und Daimler bis auf Weiteres alle Werbemittel für Youtube in Großbritannien zurückgezogen. 

Die britische "Times" hatte vor einigen Tagen auf die Probleme aufmerksam gemacht. Daraufhin stoppten unter anderem die BBC, die amerikanischen Telekom-Konzerne Verizon und AT&T, der Konsumgüter-Riese Johnson & Johnson, Ford und die Bank JP Morgan Chase ihre Kampagnen bei Youtube mit sofortiger Wirkung. Insgesamt 250 Firmen sollen ihre Werbemittel für Youtube eingefroren haben. 

Werbebudget könnte bei IS-Unterstützern landen

Kern des Problems ist, dass die Werbeplätze im Umfeld der Youtube-Videos weitgehend automatisiert über diverse Marktplätze befüllt werden. Durch die anteilige Ausschüttung an den Kanalbetreiber können die investierten Werbebudgets sogar teilweise bei den Unterstützern von Terrorgruppen wie dem IS landen.

Grundsätzlich könne Google Werbekunden zwar zusichern, dass ihre Werbung nicht neben extremistischen Inhalten auftaucht, sagte Verwaltungsratschef Eric Schmidt in einem Fernsehinterview bei "Fox Business TV". Da die Anzeigenplätze aber über viele Kanäle vermarktet werden, "rutscht manchmal jemand unter dem Algorithmus durch". Als Konsequenz habe Google die Richtlinien verschärft und setze mehr Kontrolle durch Menschen ein. Bei rund 400 Stunden Videomaterial, die pro Minute auf Youtube hochgeladen werden, dürfte das allerdings schwierig werden.

Mittlerweile ist das Thema bei Youtube zur Chefsache geworden. Sie sei persönlich damit beschäftigt nach einer Lösung zu suchen, sagte Youtube-Chefin Susan Wojcicki am Donnerstag in Berlin.

fin mit Agentur / DPA