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Sportartikel: Zu faul zum Sport – Millennials bringen Outdoor-Branche zur Verzweiflung

Für die Outdoor-Branche schien das Wachstum unbegrenzt, doch 2018 wurde erstmals ein Minus verbucht. Der Grund ist erschreckend: Junge Leute haben keine Lust mehr auf die anstrengende Natur.

Zum Leidwesen der Branche zieht es nur wenige Jüngere in die Natur.

Zum Leidwesen der Branche zieht es nur wenige Jüngere in die Natur.

Getty Images

Jahrelang ging es für die Produzenten von Outdoor Kleidung und entsprechender Sportausrüstung steil nach oben. Doch nun ist dieser Trend abrupt zu Ende gegangen – allein Nischensportarten wie das das Klettern bringen noch Zuwachs. Der Grund für den Rückgang ist nicht nur für die Hersteller alarmierend.

Sport ist out

"Die jungen Menschen in Europa machen sehr viel weniger Sport als in der Vergangenheit", sagte Arne Strate, Generalsekretär des Branchenverbandes European Outdoor Group. Faul sein ist dagegen in. Fast die Hälfte aller Europäer - 46 Prozent – leben komplett inaktiv, so die Zahlen aus dem Jahr 2017. Die gingen nicht einmal spazieren, so Strate.

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Berner Alpen, Schweiz: Gemmipass  Die steile Felswand hinter dem Alpendorf Leukerbad scheint undurchdringbar. Seit der Römerzeit aber – und vielleicht schon früher – haben unerschrockene Reisende, Händler, Truppen und Pilger eine schmale Passage benutzt, um über die Berge zu gelangen. Der Gemmipass ist 2270 Meter hoch. Ein unerbittlicher, kurvenreicher Aufstieg von fast tausend Metern Höhendifferenz führt auf den Pass und seine unheimlich schroffe Hochebene mit Felsbrocken, Geröll, dunklen Seen und einem Gasthof, der einst für die dort lauernden Wegelagerer bekannt war. Ist diese Unterwelt durchquert, taucht man wieder ein in grüne Kuhweiden und steigt durch Nadelwald zügig ab ins Kandertal. Die Passwanderung ist nach 19 Kilometern bewältigt.

Berner Alpen, Schweiz: Gemmipass

Die steile Felswand hinter dem Alpendorf Leukerbad scheint undurchdringbar. Seit der Römerzeit aber – und vielleicht schon früher – haben unerschrockene Reisende, Händler, Truppen und Pilger eine schmale Passage benutzt, um über die Berge zu gelangen. Der Gemmipass ist 2270 Meter hoch. Ein unerbittlicher, kurvenreicher Aufstieg von fast tausend Metern Höhendifferenz führt auf den Pass und seine unheimlich schroffe Hochebene mit Felsbrocken, Geröll, dunklen Seen und einem Gasthof, der einst für die dort lauernden Wegelagerer bekannt war. Ist diese Unterwelt durchquert, taucht man wieder ein in grüne Kuhweiden und steigt durch Nadelwald zügig ab ins Kandertal. Die Passwanderung ist nach 19 Kilometern bewältigt.

Bei den Jungen schlage die Attraktivität des Smartphones die von Bewegungssportarten bei weitem. Alte Slogans greifen in dieser Zielgruppe nicht. Denn sie gehen davon aus, dass Wandern, Klettern oder Radeln per se als attraktive Beschäftigung eingeschätzt wird – das ist aber heutzutage nicht mehr so. Eine intakte Natur und aktive Menschen sind die Grundlagen der Branche. "Das sind die einzigen Gründe, warum es unsere Branche überhaupt gibt", so Strate.

Kindheit in geschlossenen Räumen

Die Entfremdung von der Natur beginnt heute schon in der Kindheit. Die Zeit, die Kinder unter freiem Himmel verbringen, nimmt kontinuierlich ab. Eine britische Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass Kinder heute etwa vier Stunden pro Woche draußen spielen. Das ist halb so lang wie bei ihren Eltern. Die Exkursionen finden zudem immer seltener allein oder mit anderen Kindern statt. Meist sind es Ausflüge in Parks, immer unter Kontrolle von Erwachsenen.

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Der Branchenverband European Outdoor Group musste für 2018 ein Umsatzminus von einem Prozent eingestehen. Die Hersteller von Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung in Europa setzten 2018 5,8 Milliarden Euro um. Doch die Kauffreude ist in fast allen Produktkategorien rückläufig. Vor allem in Bereichen mit hohen Umsätzen wie der Bekleidung schmerzt der Rückgang. Outdoor-Bekleidung schrumpfte um 0,8 Prozent, Schuhe um 0,7 Prozent. Das Thema Wandern war jahrzehntelang ein Wachstumsgarant. Nun gingen Rucksäcke um 2,6 Prozent und Schlafsäcke sogar um 4,7 Prozent zurück.

Rückgänge in dieser Größenordnung innerhalb eines Jahres markieren einen deutlichen Wandel. Neben der Umorientierung der Kunden spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle. Die großen Discounter drängen mit ihrer Spotware massiv in das Geschäft. Und auch wenn es den etablierten Firmen sehr gut gelingt, ihre Preisempfehlungen im Markt durchzusetzen, konnten sie weder das Erstarken neuer preiswerter Marken noch den Kauf über das Internet verhindern. Im Netz gibt es zahlreiche Portale, die nur Outdoorprodukte aus Fernost anbieten.

Kra mit DPA