Ingrid Moll, Professorin für Dermatologie und Venerologie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf, antwortet auf Ihre Fragen.
Häufig glauben Betroffene, sie hätten den lästigen Hautausschlag, weil sie allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel sind. Allergietests konnten das jedoch in den meisten Fällen nicht belegen. Nur bei etwa einem Prozent der Erwachsenen und bei bis zu zehn Prozent der Kinder sind bestimmte Eiweiße in Lebensmitteln die Ursache ihres Leidens. Diese Eiweiße stecken vor allem in Kuhmilch, Hühnereiern, Soja und Erdnüssen. Wer dann nicht streng auf Lebensmittel verzichtet, die diese Proteine enthalten, muss immer wieder mit neuen Schüben rechnen.
Um herauszufinden, worauf die Haut tatsächlich allergisch reagiert, helfen ein Ernährungstagebuch und ein Allergietest beim Hautarzt. Pauschale Allergiker-Diäten dagegen sind nicht ratsam. Neurodermitiker sollten sich ausgewogen ernähren, am besten mit reichlich Obst und Gemüse. Verzichten Sie weitgehend auf Alkohol, Nikotin und Zitrusfrüchte. Sie enthalten Stoffe, welche die Haut reizen.
In gewisser Weise ja. Denn in den ersten sechs Monaten baut ein Baby seine Immunabwehr auf. In dieser Zeit schützt die Muttermilch am besten gegen eine mögliche Nahrungsmittelallergie. Wenn Sie zu früh anfangen, Tiermilch zu füttern, kann Ihr Kind eine Allergie gegen tierische Eiweiße entwickeln, die später möglicherweise die Neurodermitis verschlimmert.
Manche Umweltschadstoffe wie fein verteilte Partikel in der Luft aus Autoabgasen oder Ozon stehen im Verdacht. Auch feiner Blütenstaub kann Neurodermitis auslösen, etwa die Pollen von Birke, Hasel, Erle, Gräsern und Kräutern.
In der Tat ist es so, dass Kinder vom Bauernhof viel seltener Neurodermitis haben als Stadtkinder. Und umgekehrt: Kinder aus der oberen Gesellschaftsschicht leiden überdurchschnittlich häufig unter der Krankheit. Mediziner vermuten, dass die Hygiene dabei eine große Rolle spielt: Das Immunsystem werde bei zu viel Waschen, Putzen und Desinfizieren nicht mehr ausreichend gefordert und schlage daher oft falschen Alarm.
Menschen mit Neurodermitis gehören zu den so genannten Atopikern. Neben einer trockenen Haut haben sie andere Entzündungen. Oft sind deshalb allergisches Asthma und Heuschnupfen ständige Begleiter. Das liegt daran, dass alle drei Krankheiten ähnlich ausgelöst werden: Erblich bedingt produzieren die Immunzellen zu viele Antikörper, so genannte Immunglobuline, welche Fremdstoffe von außen attackieren und letztlich Allergien wie Asthma und Heuschnupfen auslösen. Kinder mit schwerer Neurodermitis haben daher ein deutlich erhöhtes Risiko, Asthma und Heuschnupfen zu bekommen.
Bei etwa 30 Prozent der Neurodermitiker lösen innere Anspannung, Angst oder Hoffnungslosigkeit neue Schübe aus. Hält die belastende Lebenssituation an und wird der psychische Druck zu groß, werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. Affektstau nennen Mediziner diesen Zustand. Das ohnehin angeschlagene Immunsystem reagiert extrem empfindlich: Immunzellen werden verstärkt aktiviert und die körpereigene Abwehr schlägt wild um sich. Die Folge: Die Haut entzündet sich und der Juckreiz quält. Manche Menschen reagieren auch auf positiven Stress. Bei ihnen bricht ein neuer Schub erst nach gemeisterter Stressphase aus, wie etwa einer bestandenen Prüfung.