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Platz auf dem Waldweg - der Russen-Panzer kommt

In Russland wird ein Set entwickelt, das aus einem Mountainbike einen Armata-Panzer macht. 2000 Watt Leistung bezwingen jeden Trail - Preisidee 1000 Euro.

Man sieht: Der Akku braucht Platz im Rahmen.

Man sieht: Der Akku braucht Platz im Rahmen.

Senioren haben die Elektro-Bikes in populär gemacht. So sehen sie auch aus: Tiefer Einstieg wegen des Gleichgewichts, etwas Hilfe beim Pedalieren wegen der kaputten Knie und ganz große Reflektoren für die Sicherheit. Sportliche Fahrer schreckt die deutsche Gesetzeslage ab: Mit 25 Spitze und 250 Watt Motorleistung lockt man keinen Rad-Amateur hinter dem Ofen hervor.

Wer mehr will, muss in regelfreie Länder schauen: den USA und - Überraschung - Russland. In Putins Reich bleibt der E-Biker bislang von kleinlichen Vorschriften verschont. Eine Crowdfunding-Kampagne sucht nun Unterstützer für das Eczo.bike. Das ist kein Rad sondern ein Umrüstsatz, der aus normalen Rädern einen Stromer macht. Auch wenn das Wort Eczo nach Umwelt klingt, macht dieses Set aus einem Mountainbike eher einen T-14-Armata-Panzer fürs Gebirge.

Mehr Power geht nicht

Gründer und Entwickler Dmitry Bogdantschikow hält nichts von halben Sachen. Sein Set soll ein Rad in vier Sekunden von Null auf 50 km/h katapultieren. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei Tempo 60. 30 Grad Steigung schafft die Maschine ohne menschliche Hilfe. Die Reichweite beträgt 100 Kilometer. Mit einem 250 Watt Motörchen wie von Bosch geht das natürlich nicht. Bogdantschikow setzt grundsätzlich ein 2000 Watt-Kraftwerk ein. Damit seinem Motor nicht so schnell die Puste ausgeht, hat der Akku eine Kapazität von 900 Wh - Marktführer Bosch bietet 400 Wh. Leistung muss sein, meint der Entwickler. 1000 Watt seien für die Stadt ganz gut, reichen aber nicht für Berggebiete. Sollte der Prototyp tatsächlich gebaut werden, ist die Ingenieursleistung enorm. Denn das Kraftpaket wiegt komplett nur acht Kilo.

Acht Kilogramm zusätzliches Gewicht sind ein Top-Wert.

Acht Kilogramm zusätzliches Gewicht sind ein Top-Wert.

Komplett made in Russia

In der Tat ist Eczo.bike ein sehr ehrgeiziges Projekt. Anders als andere Sets, wurden Motor und Elektronik speziell designt. Es handelt sich nicht um China-Elektronik, die nur in einer neuen Hülle präsentiert wird. "Die ganze Elektronik haben wir selbst entwickelt. Das ist sehr selten, weil die meisten Hersteller in China einkaufen. Auch der Motor und das Design sind unsere Entwicklung. Das einzige, was wir aus China bekommen, sind die Batteriezellen. So etwas gibt es in Russland nicht," erklärt Bogdantschikow.

Angeblich lässt sich das Set an fast jedem Rahmen anbringen - verkündet der russische Gründer. Zumindest wenn der über gerades Unterrohr und eine Art von Diamantrahmen verfügt. Angesichts der Leistungen des Motors würden wir allerdings nur ein schweres Enduro als Mutterfahrzeug in Betracht ziehen. Das Set wird am Unterrohr befestigt, der große Akku weist nach oben, Controller und Motor nach unten. Auch bei der Landung nach extremen Sprüngen sollte dem Augenschein nach das Rad nicht bis zum Controller durchschlagen. Anders als die bekannten Sets von Bafang ersetzt der Motor nicht das Tretlager. Der Motor treibt die Kette mit zusätzlichem Zahnkranz plus Ritzel an. Die Montage soll in 30 Minuten erledigt sein. Dennoch sieht das Ganze elegant aus. 

Nichts für Anfänger

Beim Thema Sicherheit zeigt sich allerdings eine typisch russische Unbekümmertheit. Irgendein Problem mit seinem Monstermotor kann der Gründer nicht erkennen. Auch ein Anfänger könne mit seinem Rad fahren, meint er. "Hauptsache, er weiß, wie man das Gleichgewicht hält. Es genügt, die Anleitung zu lesen und dann mit der Hand Gas zu geben." Das würden wir anders sehen, auch ein erfahrener Mountainbiker sollte es mit diesem Kraftpaket vorsichtig angehen. Anfänger oder Kinder sollte man niemals auf so ein Gerät lassen. In Deutschland wäre der Betrieb natürlich verboten, aber trotzdem: Die Preisidee des russischen Bären-Antriebs liegt bei 1000 Euro. Geliefert wird im Frühjahr 2017. Etwa 20 Prozent Zoll kämen noch hinzu. Gemessen an der Leistung ist das ein Super-Schnäppchen.


Korrektur

Bosch ist inzwischen bei 500 Wh angelangt und bietet sogar die Möglichkeit zwei Akkus dauerhaft in einem Rad zu integrieren an. Dann hätte man einen Stromspeicher von 1000 Wh. Wir meinen allerdings, dass so etwas im gewerblichen Cargo-Bereich sicher sinnvoll sein kann, bei einem normalen Pedelec mit 250 Watt-Motor sind 1000 Wh aber eher überdimensioniert ist. 

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