Wer auf Reisen Videokonferenzen etwa mit Skype führen will, hat Pech. Das iPad besitzt keine Kamera. Ohne Video telefonieren funktioniert dagegen. Skype steht im App Store bereit. Zwar gibt es von Skype wie von vielen Apps noch keine fürs iPad optimierte Version. Diese Anwendungen wirken deshalb in ihrer iPhone-Originalgröße etwas verloren auf dem größeren Bildschirm des iPad. Man kann die Größe mit einem Fingerdruck verdoppeln, aber dann werden die Apps unscharf.
Viele Funktionen, wie etwa die gut versteckte Auswahl anderer Schriftsätze in der Pages-Textverarbeitung, sind schwer zu finden. Hilfe bietet ein Online-Leitfaden. Apple-Chef Jobs hält wenig von gedruckten Handbüchern, was selbst technikaffine iPad-Nutzer mit iPhone-Erfahrung als Arroganz auslegen könnten. Die Bedienungsanleitung in der geschmackvoll gestalteten und umweltfreundlich kleinen iPad-Schachtel erschöpft sich in drei kurzen Schritten auf einer 16-mal-11-Zentimeter kleinen Karte. Viel mehr als die Anweisung, die neueste Version von iTunes auf den Mac oder PC herunterzuladen und das iPad an den Rechner anzuschließen, erhält man nicht. Alles Weitere sei auf www.apple.com/ipad zu erfahren. Da kann man nur hoffen, dass man selten in ein Wlan- oder Mobil-Funkloch gerät, wenn man gerade eine Frage zur Bedienung hat.
Keine Frage: Viele der fehlenden Funktionen wird Apple in künftige Modelle einbauen und heute vorhandene Mängel verbessern. Das große Plus: Vielen Geschäftsreisenden wird es die mindestens 499 Dollar sowie zusätzliche 700 Gramm Reisegewicht wert sein, im Hotelzimmer den Laptop einfach einmal links liegen zu lassen und sich mit dem handlichen, nie erhitzten iPad zum Videoschauen oder Lesen auf die Couch oder ins Bett zu legen.
Und hier liegen der Charme und das Geschäftspotenzial für Apple: die Nutzer mit dem iPad laufend zum Kauf von Büchern, Magazinen, Spielen, Musik und Filmen zu animieren. Der iPad und Apples Online-Shops als in sich geschlossener Konsumkreislauf. Außerhalb von Apples Reich und kostenlos etwa bei Hulu werbefinanzierte TV-Shows und Filme anschauen, das geht ja nicht. Das populäre Videoportal setzt - wie fast alle Websites - das Videoformat Flash ein. Und das kann das iPad, wie auch das iPhone, auf Jobs' Geheiß nicht abspielen.