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3. Dezember 2008, 21:07 Uhr

Der Terror kam mit GPS und VoIP

60 Stunden tobte die Gewalt in Mumbai - und die Sicherheitskräfte hatten kaum eine Chance gegen die technologisch hochgerüsteten Täter. Wie sich jetzt herausstellte, verfügten die Attentäter über modernste Kampf- und Kommunikationstechnologien. Und die Sicherheitskräfte hatten nur Gewehre aus dem Zweiten Weltkrieg und nicht einmal eigene Flugzeuge.

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Azam Amir Kasab gehörte zu den hochgerüsteten Attentätern. Er soll bestätigt haben, mit Videos und Satelittenbildern auf die Anschläge vorbereitet worden zu sein© Mumbai Mirror/AP

Die verheerenden Anschläge in Mumbai haben gezeigt, wie Terrorismus im digitalen Zeitalter aussehen kann: Per GPS navigierten die Täter ihr Boot von Pakistan nach Mumbai, per Google Maps und Google Earth erkundeten sie die Anschlagsziele, per Satellitentelefon und Voice over IP (VoIP) lief die Kommunikation. Damit waren die Angreifer den indischen Sicherheitskräften weit überlegen. Das berichtet die amerikanische Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf indische Ermittler.

Demnach haben sich die Attentäter beispielweise mit hochauflösenden Satellitenfotos vorbereitet. Entsprechende CDs hatten die Sicherheitskräfte später in den Zimmer der gestürmten Hotels gefunden. Azam Amir Kasab, der einzige Attentäter, der lebendig gefangen werden konnte, soll bestätigt haben, dass ihm zur Vorbereitung Videos und Satellitenfotos von den Zielen gezeigt wurden, zitiert die "Washington Post" den Polizisten Deven Bharti.

Ein anderes Beispiel: Die Email, in der sich die Gruppe "Deccan Mujaheddin" zu den Anschlägen bekannte, konnte zunächst bis zu einem Server in Moskau verfolgt werden. Wie sich erst später herausstellte, stammte die Mail aber aus Lahore in Pakistan, so der Terrorexperte Praveen Swami. Und außerdem nutzte die Gruppe eine Software zur Stimmverzerrung, damit sie sich nicht durch ihren Dialekt verraten konnte.

Ähnlich gingen die Terroristen auch während ihres stundenlangen Gemetzels vor. Sie nutzten Satellitentelefone und VoIP, was schwerer nachzuverfolgen ist. Waren sie erst einmal in den Zimmern der Hotels "Taj" und "Oberoi", verständigten sie sich mit Handys, die sie den Touristen abgenommen hatten. Ebenfalls perfide: In den Hotelzimmern ließen die Terroristen die Fernseher laufen. So wurden sie durch die Live-TV-Übertragungen ständig auf dem Laufenden über die Lage in Mumbai gehalten. Das ging sogar soweit, dass einige TV-Anstalten, darunter auch der nationale Sender "Times Now", teilweise ihre Übertragungen abbrechen mussten, um den Terroristen nicht die nächsten Schachzüge der Sicherheitskräfte zu verraten.

Taktischer Vorsprung für Attentäter

So digital hochgerüstet, hatten die Attentäter nahezu zu jedem Zeitpunkt der Anschläge einen taktischen Vorsprung vor den Sicherheitskräften. Für Letztere kam erschwerend hinzu, dass Mumbai selbst nicht so hohe Sicherheitsvorkehrungen hat wie beispielsweise amerikanische Städte. Zwar sind Hotels, Banken oder Bahnhöfe mit Metalldetektoren und Überwachungskameras ausgerüstet - viele davon sind aber kaputt oder werden erst gar nicht genutzt.

So musste beispielsweise Mumbais Polizeichef Hassan Gafoor zugeben: "Die Technologie macht jeden Tag Fortschritte. Wir versuchen damit schrittzuhalten." Die "Washington Post" zitiert jedoch andere indische Experten, die sich wesentlich deutlicher äußern. Nach ihren Angaben verfügt die indische Armee über Waffen, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen.

Und selbst die Eliteeinheit, die "Black Cats", verfügt kaum über Nachtsichtgeräte oder Wärmebildkameras, die geholfen hätten, Terroristen wie Geiseln in den Hotels schneller aufzuspüren. Und ganz am Rande: Zur Eliteeinheit gehören zwar 7400 Mann. Die Truppe hat aber kein eigenes Flugzeug. So kam es, die Einheit erst acht Stunden nach Beginn der Gewaltserie in Mumbai eintraf.

Vernichtend fällt daher das Fazit des Direktors des Instituts für Konfliktmanagement in Neu Delhi, Ajay Sahni, aus: Die indischen Sicherheitskräfte seien "eine Generation zurück, wenn es darum geht, die Technologie zu verstehen, die die Terroristen eingesetzt haben", sagte Sahni in der "Washington Post".

web
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Eisenbaer (04.12.2008, 20:23 Uhr)
@gmathol - Server in Moskau -
Was der Autor damit sagen wollte ist folgendes: die Herren Terroristen haben ihre Signale über verschiedene Proxyserver geschickt, um ihre Spuren zu verschleiern. Die Nachforschungen erbrachten dann irgendwo in der Kette jenen Server in Moskau, es hätte auch einer in Antarktika oder einer im Vatikan sein können... Die besondere Bedeutung des Sz´tandortes hat allein ihre Fantasie beigesteuert ;-))
hevosenkuva (04.12.2008, 11:19 Uhr)
Religion bedeutet Krieg
Hier im Forum geschieht interessanterweise genau dasselbe wie überall auf der Welt, wo es Krieg oder Bürgerkrieg gibt: Menschen werden plötzlich nur noch nach ihrer Religion sortiert. In Ex-Yugoslawien haben sich Dorfnachbarn gegenseitig abgeschlachtet, nur weil der andere die falsche Religion hatte. Al Quaida argumentiert genau so mit der Religion wie George W. Bush als selbsternannter Kreuzritter. Hier im Forum fordern einzelne Personen, stellvertretend für ihre gesamte Religionsgemeinschaft (!), eine Distanzierung Andersgläubiger, ebenfalls im Namen ihrer gesamten Religionsgemeinschaft - was für ein Irrsinn. Kaum ein Mensch sucht sich seine Religion aus, die allermeisten werden einfach hineingeboren wie in ihren Kulturkreis, ihren Staat, ihre Hautfarbe oder sogar ihre lokale Fußballmannschaft.

Religion kann Opium fürs Volk sein, aber leider auch Speed und Ecstasy. Und der globale Trend geht immer mehr in Richtung Aggression, Mord und Totschlag.
leobissinger (04.12.2008, 08:36 Uhr)
distanzierungen ?!
...,ich pflege Kontakt mit meinen Mitmenschen und es haben sich alle Menschem muslimischen Glaubens von den schrecklichen Taten distanziert.
Ich verstehe die Schreiber hier nicht:
Wer ist bei uns auf die Straße gegangen und hat sich von seinem katholischen und prodestantischen Glaubensbrüdern/Schwestern distanziert, als in Nordirland gebombt wurde ?
Wer ging in Deutschland auf die Straße, als die katholische Mafia einen Richter und eine ganze Verkehrsbrücke in die Luft sprengte ?
Ich glaube die Tatsache,dass Normalbürger=Normalchrist=Normalmuslim das Gleiche ist, müsste mal wahrgenommen werden.
gmathol (04.12.2008, 07:07 Uhr)
@tropenpaul
...es waere gut wenn sich die echten Christen endlich von den USA und Israel distanzierten.
Den Menschlichkeit scheint den Juden fremd zu sein, Gaza ist der beste Beweis dafuer.
Erst kuerzlich mussten palestinensische Angehoerige erleben wie ihre Mutter eine Dialyse Patientin aufgrund eines durch Israel verursachten Stromausfalls verstarb.
Gaza ist ein Konzentrationslager. Ihr Christen - schaemt euch!
gmathol (04.12.2008, 07:04 Uhr)
Server in Moskau?
Hmm, was fuer ein Schmarren. Auch wir nutzen internationale Internet Service Provider um unsere Nachrichten zu verbreiten. Desweiteren kann jeder eine russische e-mail Adresse einrichten z. B. bei Ria Novestia.
Voip oder Chat werde von zahlreichen Internet Providern u. a. Google angeboten.
hei_zen (04.12.2008, 03:50 Uhr)
Was für sonderbare Ansichten
... doch einige Leute hier haben.
Distanziert ihr euch als Christen ständig von den Missetaten irgendwelcher christlicher Fundamentalisten? Als Atheisten von den Ungerechtigkeiten die Atheisten weltweit nunmal so begehen und als Scientologen von Tom Cruise? :D
Bleibt mal auf dem Teppich, ich glaube auch als Moslem hat man andere Sorgen als gegen irgendwelche pakistanischen Terroristen zu demonstrieren.
Schade dass es aus dem Kongo nicht so viel Videomaterial gibt, wie von diesen Anschlägen, die Masse an Leuten wäre weitaus mehr schockiert zu sehen was Gewalt wirklich heißen kann. Oder betrifft uns das was im dunkelsten Afrika passiert halt einfach nicht?
tropenpaul (04.12.2008, 02:57 Uhr)
Religion als Vorwand
"Ihr" Christen distanziert Euch doch auch nicht ständig von christlichen Mördern oder päderastischen Geistlichen. Kriminelle gibt es doch überall. Religiöse Motive sind ein beliebter Vorwand um von den eigentlichen Hintergründen abzulenken. Vermutlich verfolgen die Terroristen politische Ziele.
Bei dem in DE lokal teilweise stark konzentrierten Gewaltpotential wundert es mich schon, dass hier so relativ wenig passiert. Z.B. wenn jetzt wegen der "Krise" die Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund als erste rausgeschmissen werden, sind Racheaktionen zumindest nicht ganz unwahrscheinlich.
floyd77 (04.12.2008, 00:48 Uhr)
Distanzierung der Muslime
Die Frage nach der Distanzierung ist zwar berechtigt und man würde erwarten, dass die Muslime in muslimischen wie in westlichen Ländern in die Straßen gehen, um diese Taten zu verurteilen. Das ist zwar richtig und es ist berechtigt das zu erwarten, aber ich denke, dass viele Muslime andere Sorgen haben, als terroristische Akten zu verurteilen. Zum Einen fühlen sich viele Muslime durch die viele Diktaturen in ihren Ländern gedemütigt, gegen die sie nichts tun können und auch nicht demonstrieren können. Viele Muslime fühlen sich von den westlichen Ländern ausgenutzt und sogar terrorisiert (Siehe Plaästina-Konflikt, 1. u. 2. Irak-Krieg, Öl-Geschäfte, Unterstützung von Diktaturen etc.) und ausgelacht (Karikaturen, Hollywood-Filme etc. ), daher ist es möglicherweise das letzte woran sie denken, diese Terrorakte öffentlich und in Grossdemos zu verurteilen, auch wenn viele dagegen sind, und zwar weil sie sich selber terrorisiert fühlen und nichts dagegen tun können. Viele Muslime fühlen sich machtlos mit ihren eigenen Diktaturen und mit dem aus ihrer Sicht sehr schlechten Umgang des Westen mit ihnen. Es ist für viele Muslime in dieser heiklen Situation schwierig zu reagieren, wo ihre Stimmen bei vielen anderen Sachen unerhört bleiben. Man soll auch nicht vergissen, dass der Terrorismus an Boden gewinnen wird, solange sich ein Großteil der Muslime sich unwohl/ausgenutzt/benachteiligt fühlen, sowohl in ihrer Innenpolitik wie auch im Umgang des Westens und insb. USA, Großbritannien, Frankreich und Israel mit ihnen. Die ganzen traurigen Geschehnisse wären meiner Meinung nach nicht zustande gekommen, wenn es mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt gäbe. Auch die Terroristen würden in diesem Fall Niemanden finden, der sie hilft oder ihre terroristischen Akten, die sehr bedauernswert sind, gutheißen würde!
Mensch.Student (04.12.2008, 00:25 Uhr)
ERGO: kauft Hi-Tech made in WEST
kk
S.H. (03.12.2008, 23:19 Uhr)
Distanzierung fehlt tatsächlich
Wenn der Islam wirklich so friedlich ist, warum distanzieren Millionen Muslime sich nicht von diesen Terroristen, die ihre Religion in Veruf bringen?
Vielleicht weil schon ein paar Karikaturen einer dänischen Zeitung zu gewalttätigen Unruhen in den muslimischen Ländern führen können...?
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