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Kommentar

Endlich werden wir aus der Knechtschaft der Computer befreit

Jahrelang haben wir uns damit abgefunden, genau das zu tun, was Programme fordern. Auf seiner Entwicklerkonferenz Build zeigte Microsoft nun, wie man dem ein Ende machen will - und dafür sorgt, dass Computer sich endlich mehr nach uns richten. Wurde auch Zeit.

Microsoft Build

Auf der Build macht Mircosoft einem grundlegenden Problem der Computer ein Ende: Sie sollen genau das tun, was wir von ihnen wollen - statt andersherum.

Bei der Entwicklermesse Build hat Microsoft eigentlich wenig revolutionär Neues gezeigt. Und doch angefangen, uns endlich aus unserer Knechtschaft gegenüber den Computern zu befreien - indem wir sie dazu bringen, sich endlich an uns anzupassen statt andersherum.

Dass man sich erst einmal in die Arbeit am Computer einarbeiten muss, war lange die größte Selbstverständlichkeit. Wo muss ich klicken, tippen oder wischen um das zu erreichen, was ich möchte? In den letzten Jahren kam dann mit der Sprachsteuerung eine weitere Variante der Eingabe hinzu. Doch wer wie ich absolut keine Lust hat, mit seinem Rechner oder Smartphone zu sprechen, hat davon eigentlich genau nichts. Bei der Eröffnungs-Präsentation der Build 2016 zeigte Microsoft am Mittwochabend nun eine Computer-Zukunft, in der sich der Rechner endlich, endlich nach mir richtet.

Revolutionäre Kombination

Klar, richtig revolutionär waren die Einzelteile, die Microsoft da zeigte, eigentlich nicht. Programme erkennen schon länger den Kontext von Geschriebenem, Gesprochenem oder Bildern und zeigen dann entsprechende Lösungen. Google Assistent Google Now kann das etwa seit einem knappen Jahr. Auch Automatisierung von nervigen Prozessen gibt es schon seit Ewigkeiten. Aber keiner hat diese Einzelteile so geschickt zusammengebracht wie Microsoft - und sie dann auch noch gleich den Entwicklern weitergegeben. Das könnte, zusammen mit den immer besser lernenden Programmen, tatsächlich die Revolution einläuten.

So genannte Bots, die Aufgaben auf Befehl erledigen, gibt es schon für verschiedenste Programme. Microsoft will sie jetzt aber mit einfachen Entwickler-Werkzeugen überall verfügbar machen. Sie sollen praktisch die neuen Programme werden. Dass der Konzern sie dazu noch geschickt mit der cleveren Assistentin Cortana verknüpft, macht sie wirklich nützlich. Dann lassen sich nervige Aufgaben nämlich ganz selbstverständlich und ohne Aufwand automatisieren. Cortana fragte etwa nach, ob sie dem Bot mit der Kuchenbestellung die Adressdaten geben darf. Nachdem das bestätigt wurde, brauchte man sich um nichts mehr zu kümmern. Die Computer klären die Details unter sich.


Wie ein echter Assistent

Noch beeindruckender war die Reisebuchung: Es reichte eine Anmerkung, dass Cortana einen Zeitraum für eine Messe blocken soll. Cortana suchte sich danach aus den Mails den Veranstaltungsort heraus, überprüfte, ob es dort ein Hotel der Lieblingskette gab - und bot dann an, mit dem Bot des Hotels Kontakt aufzunehmen. Und schon war das Zimmer gebucht. Und das beste daran: Man musste nicht klicken, suchen oder sich an das Programm anpassen. Sondern einfach nur mit seinem Assistenten sprechen. In normalen Sätzen, statt in kryptischen Befehlen.

Ob für Pizza-Dienste, Behörden-Gänge oder Termin-Findung im Alltag: Bots können das sinnlose Herumgeklicke auf den Webseiten der Anbieter auf einen einzelnen Satz reduzieren. "Ich möchte eine Salami-Pizza." Nach der ersten Einrichtung mit Zahlungsdaten und Lieferadresse reicht das völlig aus, um beim Lieblings-Bringdienst zu bestellen.

Ist das wirklich die Zukunft?

Das beste Feature für mich ist allerdings: Cortana kann das ganze nun auch im Chat. Die Steuerung des Computers beschränkt sich dann darauf, ihm per Sprachchat zu sagen, was man möchte. Ganz ohne, dass die Nachbarn in der U-Bahn dadurch genervt werden. Dann nutzt man das auch wirklich mal.

Klar, noch ist das alles Zukunftsvision. Ob die Entwickler die vielen Werkzeuge tatsächlich nutzen, ist längst nicht gesagt. Auch die Datenschutz-Frage ist nicht ohne. Der gruseligste Moment der Präsentation war sicher, als gefragt wurde, in welchem Spielzeugladen Redner Marcus Ash während der letzten Build eingekauft hatte - und Cortana aus den gesammelten Daten tatsächlich die richtige Antwort geben konnte. Trotzdem: Eine so klare Vision einer revolutionären Computer-Zukunft hatte bislang noch keiner zu bieten. Und das hätte man Microsoft vor heute Abend sicher nicht zugetraut.

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