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30. Januar 2007, 06:56 Uhr

Nach der Vista-Party droht ein Kater

Microsoft feiert den Marktstart seines neuen Betriebsprogramms Vista, begleitet von großem Marketingaufwand. Experten haben aber schon erste Sicherheitslücken entdeckt. Und auch aus Brüssel droht Microsoft Ärger.

Der Vista-Start wurde hoch über den Straßen von New York gefeiert© DPA

Akrobaten entfalteten hoch über den Straßen von New York das Windows-Logo und in einem Theater am Times Square sorgten zwei explosiv laute Rockbands für Partystimmung: Der Software-Gigant Microsoft hat am Montag von New York bis Redmond den lange verzögerten Start seines Betriebsprogramms Windows Vista gefeiert. Der Microsoft-Vorsitzende Bill Gates verwies nach den diversen Rückschlägen in der Entwicklung darauf, dass Windows eine Evolution von einer verbesserten Schreibmaschine zum mit einem Netzwerk verbundenen Unterhaltungszentrum, persönlicher Medienbibliothek und Tor zum Internet hinter sich habe. "Wenn die Leute an ihren PC denken, dann mehr an Windows als den Hersteller (des Geräts)", sagte Gates.

Acht Wochen nach dem Start für Unternehmenskunden können sich ab Dienstag auch Privatleute Vista auf den Computer spielen. Menschenschlangen vor Software-Geschäften werden allerdings nicht erwartet. In der Regel kaufen Endverbraucher das Betriebssystem zusammen mit einem neuen Computer. Den dürften die meisten Kunden wegen der großen Ansprüche, den die Software an den Rechner stellt, allerdings auch brauchen. Um problemfrei zu laufen und alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können, fordert Vista mindestens ein Gigabyte Arbeitsspeicher - ungefähr doppelt so viel, wie die meisten Geräte auf dem Markt bislang haben.

Vista kostet bis 549 Euro

In Deutschland wird Microsoft die verschiedenen Vista-Vollversionen für einen Preis zwischen 259 und 549 Euro den Privatkunden anbieten, wie das Unternehmen am Montagabend in München mitteilte. Die Vollversionen des Anwendungssoftwarepakets Office 2007, das gleichzeitig mit Vista auf den Markt kommt, kosten zwischen 169 und 849 Euro.

Wie schnell und zahlreich die Nutzer aber auf Vista - und damit wahrscheinlich auch auf neue Computer - umsteigen, will Microsoft selbst nicht voraussagen. Der Konzern verweist auf die Marktforscher von IDC, die damit rechnen, dass im ersten Jahr weltweit etwa 100.000 Computer mit Vista ausgerüstet werden. In Deutschland soll die Markteinführung des Systems 14.000 neue Arbeitsplätze schaffen, prognostiziert IDC.

Microsoft warb am Montagabend damit, das Betriebssystem so stark gegen Viren und Hackerangriffe abgeschottet zu haben wie kein anderes Produkt zuvor. "Bei den Sicherheitsfeatures sind wir einen Riesenschritt vorangekommen", sagte der designierte Deutschland-Chef Achim Berg. Ob Vista tatsächlich aber so viel sicherer gegen Attacken von außen ist wie Microsoft hofft, ist fraglich. Medienberichten zufolge haben Experten vier Wochen nach der Einführung der Version für Unternehmenskunden eine erste größere Lücke entdeckt. Demnach können normale Nutzer in Firmennetzwerken Zugriffssperren im System umgehen und sich zum Administrator aufschwingen. Mit den damit verbundenen weitreichenden Änderungsbefugnissen könnten Hacker vor Ort Daten abrufen oder ganze Systeme lahmlegen.

Beschwerde gegen Microsoft

Eine Gruppe von IT-Firmen hat die EU-Kommission mit Blick auf die Einführung des neuen Betriebssystems Windows Vista aufgerufen, gegen die "llegalen Praktiken"von Microsoft einzuschreiten. Die EU-Kommission solle so schnell wie möglich über eine Beschwerde vom Februar vergangenen Jahres entscheiden, in der Microsoft vorgeworfen wurde, seine bisherige Monopolstellung auszubauen und die Dominanz auf andere Bereiche des Internets auszudehnen. Praktiken, die schon vor drei Jahren für illegal erklärt worden seien, würden mit Vista vorgesetzt, erklärte das Europäische Komitee für Interoperable Systeme (European Committee for Interoperable Systems - ECIS).

ECIS vertritt IBM, Nokia, Sun Microsystems, RealNetworks und Oracle sowie den norwegischen Browser-Hersteller Opera und die Linux-Firmen Red Hat und Linspire. Microsoft hatte gegen die Entscheidung der EU-Kommission Einspruch eingelegt. Erwartet wird nun ein Urteil des Europäischen Gerichts Erster Instanz.

Konkret bemängelte ECIS den Einsatz der Microsoft-eigenen Standards für die Veröffentlichung von Dokumenten im Internet. Diese Programmiersprache ziele darauf ab, den branchenweiten Standard HTML abzulösen. Die Sprache basiere aber auf Windows und bringe damit Konkurrenzsysteme wie Linux ins Hintertreffen.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
John_Harper (31.01.2007, 07:58 Uhr)
Warum Windows nichts taugt
Wenn ich für etwas 500€ ausgebe, dann erwarte ich auch was für mein Geld.
Und zu einem Vorredner:
Natürlich will Apple auch Marktführer werden, aber die Unterschiede zu Microsoft liegen auf der Hand. Apple hat immer wieder neue Ideen, die ein paar Jahre später von Microsoft einfach noch stupide kopiert werden ohne das dabei Arbeit dahinter steckt. Und zum Thema "Windows ist nicht gut, durch die Virenscanner, die das System ausbremsen" soll gesagt sein "Ein System das 500€ kostet und 5 Jahre Entwicklung hinter sich hat, darf gar nicht anfällig für Viren und der gleichen sein. Bei Vista gab es schon in der Beta-Phase den ersten Virus.
Da würde ich einen Apple vorziehen. Man zahlt zwar doppelt soviel wie es bei Windows der Fall ist, dafür bekommt man aber auch einen kompletten PC :).
Zu Spielen unter Linux: Der Grund warum spiele unter Linux und Mac noch nicht so verbreitet sind, liegt daran, dass sich Windows mit seinem DirectX den Markt gesichert hat. Sobald Spielehersteller auf OpenGL setzen würden, hätte Windows dieses "Monopol" verloren.
Zum Desktop: Jeder der Linux hat (in meinem Fall Ubuntu) sollte mal Beryl testen. Das schlägt Windows seinen möchtegern 3D-Desktop um längen.
arachno (30.01.2007, 20:46 Uhr)
Warum?
Warum geben Leute 500€ für ein Betriebssystem aus welches die Möglichkeit bietet von der NSA bespitzelt zu werden? Und warum muss es immer eine bomben Grafik sein die nichts weiter als Arbeitsspeicher frisst? Ich dachte es kommt darauf an was der PC kann und nicht wie schön bunt er etwas anzeigt. Vista ist doch nichts weiter als XP mit noch mehr „Grafikschnulli“, es kann nicht mehr und nicht weniger!
Weiter möchte ich sagen das Linux durchaus eine Alternative wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt und nicht nach Treibern sondern nach Kernelmodulen sucht. Auch bekommt man bei der Installation von Software keine tollen Bilder sondern einen Statusbalken was nichts an der Funktionstüchtigkeit ändert. Dennoch ist es gut das es so viele Windowsuser gibt, so lassen uns die Viren- Trojaner- und Dealerprogrammierer in ruhe.
Habt ihr euch mal die Frage gestellt warum im Serverbereich Linux immer mehr im kommen ist? Liegt es daran das Server sicher seien sollen? Aber ein Windowsuser hat ja, bei seinem günstigen Betriebssystem, genug Geld nochmal in Sicherheit zu investieren.
MfG: arachno (Linuxuser)
AxelR. (30.01.2007, 15:36 Uhr)
Wers braucht...
Wirkliche Verbesserungen gegenüber XP kann ich an Vista nicht entdecken. Warum sollte man bis zu 500 Euro für etwas ausgeben, was man eigentlich nicht braucht? Und wenn es stimmt, dass man Vista nur 2mal neu installieren kann wird das Ganze sowieso fraglich.
Mein Tipp: Wer noch ein Jahr wartet bekommt Vista wahrscheinlich billiger, und wer auf das nächste Betriebssystem warten kann spart sich u.U. ein paar hundert Euro.
RomanTicker (30.01.2007, 13:13 Uhr)
Normales marktwirtschaftliches Verhalten
Microsoft wird immer wieder für sein Praktiken kritisiert. Angeblich wollen sie ihre Monopolstellung stärken und ausweiten. Auch wenn die Kritik nicht unbegründet ist, so trifft sie auf nahezu alle Unternehmen zu, die marktwirtschaftlich arbeiten und erst recht auf jene, die erfolgreich sind und fast eine Monopolstellung erreicht haben.
Microsoft-Hasser sind häufig begeistert von Apple-Produkten. Aber auch Apple versucht sich möglichst stark im Markt zu etablieren und hätte gerne eine Monopolstellung. Apple schränkt die Nutzer seiner Produkte auch stark ein. So darf auf Apple Computern kein Apple-fremdes Betriebssystem installiert werden, I-Tunes Lieder sollen nur auf Apple iPods laufen und um seinen iPod mit Musik zu bestücken genügt nicht etwa wie bei anderen Playern das Betriebssystem, man soll schön brav I-Tunes nutzen.
Es gibt natürlich noch das freie Betriebssystem Linux, aber das ist nur bedingt massentauglich. Solange es für Linux kaum professionelle Software und Spiele gibt, wird Linux auch kein ernster Konkurrent für Windows.
tom2711 (30.01.2007, 10:59 Uhr)
Vista
Hallo,
ich habe Vista jetzt set ca. 4 Wochen im Einsatz und finde es wirklich gut. Es macht Spaß.
Wie man bei meinem Vorredner sieht, eignet sich Bill Gates immer noch sehr gut als Feindbild. Wenn es andere Firmen nicht schaffen, eine Konkurenz zu Microsoft aufzubauen und dies nur über Gerichte versuchen, finde ich es schon recht erbärmlich und dies ist auf keinen Fall Microsoft anzulasten.
Wenn ich mir z.B. die jämmerlichen Installations- und Verwaltungsroutinen einer führenden Datenbank anschaue, oder die ach so tollen Virenscanner der Marktführer, die das ganze System blockieren, dann finde ich Vista richtig gut. Und dass andere Firmen nicht in der Lage sind, Standards z.B. für die Softwareentwicklung zu etablieren, zeigt das vor einigen Jahren so hochgelobte Java, dass sich dann im professionellen Bereich als Flop herausgestellt hat.
Viele Grüße
Tom
RichardRoe (30.01.2007, 10:14 Uhr)
Zum Lachen oder zum Weinen?
Vista wird also angeblich 14000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Meisten die mit Windows arbeiten wissen auch was das für Arbeitsplätze sein werden. Servicetechniker und Hotlinemitarbeiter die sich mit den Problemen von Vista rumärgern müssen.
Mein BW-Professor würde Vista aller Wahrscheinlichkeit nach als "Bananenprodukt" bezeichnen. Reift beim Kunden...
Das die ersten Fehler aufgetreten sind wundert mich nicht wirklich. In den nächsten Wochen und Monaten werden davon noch einige mehr auftauchen (ich erinnere an Windows 98 von dem zum Schluss viele behaupten es hatte über 500.000 Bugs).
Was mich allerdings schon wundert ist, dass die Europäische Softwareindustrie nicht mehr Druck macht um das Verfahren gegen Microsoft zu beschleunigen.
Die netten Herrn aus Redmond die ja nur das Beste für die Welt wollen bauen doch darauf das sich das Verfahren verzögert. Sie wissen das sie den Rechtsstreit verlieren werden, aber an jedem Tag den das Urteil auf sich warten lässt klingeln deren Kassen weiter...
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