Windows 8 - Lohnt's sich?

26. Oktober 2012, 16:50 Uhr

Windows 8 ist simpel und umständlich zugleich. Es bietet fantastische neue Möglichkeiten, die aber nicht jeder nutzen kann. Für wen sich der Kauf des neuen Microsoft-Betriebssystems lohnt. Von Christoph Fröhlich

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Die neue Kacheloberfläche von Windows 8 bietet viele Möglichkeiten, sorgt aber gerade anfangs für Verwirrung©

Wo ist der Startbutton? Wie spielt man eine DVD ab? Wo richtet man einen Drucker ein? Und mit welcher Geste kommt man nochmal in das Hauptmenü? Das erste Aufeinandertreffen mit der finalen Version von Windows 8 hinterlässt jede Menge Fragezeichen. Um ehrlich zu sein: Es macht sich schnell ein Gefühl von Überforderung breit. Denn Windows 8 ist anders als jedes Windows zuvor: Es ist bunter, moderner und ähnelt eher einem großen Smartphone als einer drögen Büro-Software. Das neue Design fordert seinen Tribut - und macht jeden wieder zum Anfänger.

Im Zeichen der Kachel

Die wesentliche Neuerung von Windows 8 ist das runderneuerte Design. Nicht mehr der Desktop ist das Zentrum der Windows-Welt, sondern das einst als Metro-Oberfläche bezeichnete, bonbonbunte Kachelmenü. Nutzer von Tablets und Smartphones durchschauen das Prinzip relativ schnell: Hinter jeder Kachel verbirgt sich ein Programm, ein Ordner oder ein Lesezeichen der Lieblingswebsite. Den Desktop gibt es trotzdem noch, er verbirgt sich hinter einer speziellen Kachel.

Die Symbole können beliebig angeordnet und vertauscht werden. Einige Kacheln bieten zudem aktuelle Informationen, so zeigt die Foto-App ständig wechselnde Bilder, die Nachrichten-Anwendung versorgt einen auch im Hauptmenü mit News und der Musik-Ordner zeigt, welches Lied gerade abgespielt wird. Ständig bewegt sich etwas auf dem Hauptmenü, es herrscht selten Stillstand. Das macht das Betriebssystem ungeheuer dynamisch, mit Windows 8 ist auch Microsoft im 21. Jahrhundert angekommen.

Heruntergeladen werden die Apps in Microsofts Softwareladen, dem Store. Dort kann man wie bei Google und Apple Programme installieren, die mal gratis, mal kostenpflichtig sind. Praktisch: Es genügt ein Mausklick, um die gesamte Software-Palette auf den neuesten Stand zu bringen. Natürlich können Programme aber auch wie bisher auf dem Desktop installiert werden.

Optimiert für den Finger

Doch man merkt schnell, dass die Kacheloberfläche und die umfangreiche Gestensteuerung vornehmlich für Touch-Geräte entwickelt wurden. Auf Tablets und Laptops mit berührungsempfindlichen Bildschirmen geht die Bedienung wesentlich schneller von der Hand als am Desktop-PC mit Maus und Tastatur. Dort wird das Wechselspiel zwischen Hauptmenü und Desktop teilweise zum Ärgernis, da man häufig mit dem Cursor auf dem riesigen Bildschirm erst von einem Ende zum anderen scrollen muss und nicht jede Geste im ersten Versuch gelingt.

Generell ist Windows 8 sehr genügsam. Auf Computern, auf denen Windows 7 ohne Probleme lief, kommt auch der Nachfolger nicht ins Stottern. Im Gegenteil: Im laufenden Betrieb ist das neue Windows sogar einen Hauch sparsamer, was vor allem betagteren Prozessoren zugutekommt. Auch das Kopieren von Dateien geht schneller - und kann sogar pausiert werden.

Lobend erwähnen muss man auch die Übersichtlichkeit: Nervige Menüs wurden entschlackt, Microsoft setzt auf simple Ein-Aus-Schalter. Auf Wunsch konfiguriert sich der Rechner während der Installation - die übrigens nur rund 15 Minuten dauert - automatisch, sodass technisch unversierte Nutzer sofort loslegen können, ohne sich nach wenigen Minuten Schadsoftware einzufangen. Denn ein Virenscanner ist auch gleich mit an Bord: Der kann es zwar nicht mit Profi-Tools aufnehmen, bietet aber einen Basisschutz.

Richtig interessant wird Windows 8 aber erst im Wechselspiel mit den passenden Mobilgeräten: Wer die Software neben dem PC auch auf Tablet oder Smartphone mit Windows Phone 8 nutzt, kann seine Einstellungen und Dokumente schnell zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren.

Wo ist der Startbutton?

Ein Schock für Windows-Veteranen: Der Startbutton in der linken, unteren Ecke des Bildschirms fehlt in der neuesten Windows-Inkarnation. Stattdessen prangt dort ein Ordnersymbol, das den Nutzer in die Bibliothek oder den Arbeitsplatz lotst. Wer den Startbutton wiederhaben möchte, sollte sich die Zusatzsoftware Start8 genauer ansehen: Sie bringt das aus Windows 7 gewohnte Menü zurück und bietet zudem die Möglichkeit, nach dem Hochfahren direkt auf dem Desktop zu landen. So spart man sich den Weg über das Kachelmenü.

Auch DVDs können nicht mehr ohne weiteres abgespielt werden: In der Standard-Version von Windows 8 fehlt der passende Codec, um Film-DVDs wiederzugeben. Der kann sich entweder kostenpflichtig für zehn Euro nachgekauft werden - oder man installiert Alternativsoftware wie den beliebten Mediaplayer VLC. Der kann nicht nur die Filmsilberlinge problemlos abspielen, sondern auch Blurays. Derzeit kann man sich auch das offizielle Windows Media Center kostenlos herunterladen.

Unlogischer Systemaufbau

Microsoft betonte auf seiner Präsentation mehrfach, wie intuitiv sich das neue Betriebssystem steuern lasse. Doch nicht immer wirkt das entschlackte Menü durchdacht: Schon simple Aufgaben wie das Herunterfahren des PCs geraten zur Zerreißprobe, da sie umständlich in verschachtelten Menüs versteckt sind. Hier muss Microsoft nachbessern - oder der Kunde zusätzliche Programme installieren. Das Mini-Tool Shutdown Win 8 beispielsweise bringt den gewohnten Herunterfahren-Dialog vorheriger Windows-Versionen zurück.

Nervig ist auch, dass man häufig zwischen den beiden Windowswelten - Kacheln und Desktop - hin- und hergeschickt wird, etwa wenn es um komplizierte Einstellungen wie das Einrichten eines Netzwerks oder das Aktivieren des Wlans geht. Zur Verwirrung tragen auch die Leisten am rechten und unteren Bildschirmrand bei, die sich in Programmen erst bei Bedarf ausklappen. Zwar wird dadurch nicht der Bildschirm mit Menüs überfrachtet, doch nicht immer findet man die entsprechenden Einstellungen sofort.

Fazit

Windows 8 bietet viele neue Möglichkeiten, die sich allerdings erst mit einem Touch-Gerät richtig ausnutzen lassen. Auf einem Tablet macht das Arbeiten nach kurzer Eingewöhnungszeit viel Spaß, auch Laptops mit Touch-Display regen zum Tippen und Fingerwischen an. Gesten zum schnellen Wechseln der Anwendungen oder zum Aufrufen des Hauptmenüs gehen nach einiger Zeit in Fleisch und Blut über.

Für klassische PCs ist das neue Betriebssystem aber nur bedingt zu empfehlen. Gewohnheitsmenschen dürften von der neuen Kacheloberfläche schnell überfordert sein, denn egal wie viel Zeit man bislang mit Windows verbracht hat: Die neue Software braucht viel Eingewöhnung. Auch Gamer profitieren von dem neuen Betriebssystem nicht.

Eine klare Kaufempfehlung kann man nicht geben. Wer gerne mit neuer Software herumspielt, das Kacheldesign mag oder einfach auf aktuelle Programme Wert legt, ist mit Windows 8 gut beraten. Wer sich die Software zulegen will, sollte schnell sein: Bis zum 31. Januar kostet Windows 8 Pro als Download-Version zum Updaten eines Windows-Systems weniger als 30 Euro , als eigenständige Version werden knapp 60 Euro fällig. Nutzer von Windows 7, die ihr altes System ab Juni 2012 gekauft haben, können sogar für knapp 15 Euro auf das neue Windows umsteigen. Ab Februar steigt der Preis dann auf 280 Euro. Alle anderen dürften aber auch mit Windows 7 noch einige Jahre gut arbeiten können.

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