. .
News am 27.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. September 2008, 14:37 Uhr

Mal wieder die Festplatte auswuchten

stern.de-Kolumnist Scheibe findet, dass das Computern einfach zu ernst geworden ist. Er erinnert an grandiose Scherzprogramme wie HD-Unwucht und fragt sich, wann wohl endlich Feng Shui 1.0 für Windows erscheinen wird. Zeit wird's.

 

© Carsten Scheibe

Damals, in den goldenen DOS-Zeiten, war der Computer echt noch ein großes Mysterium, das es zu erforschen galt - mit dem dicken 1000-Seiten-Handbuch und den neuesten PC-Magazinen auf den Knien. Niemand konnte damals ahnen, wie sehr der PC unser aller Leben verändern sollte. Trotzdem: Das hinderte viele kluge Köpfe nicht daran, den PC nach Kräften zu verscheißern. Nie werde ich die WIN-Kolumne von Ralph Möllers vergessen, in der er davor warnte, dass die Rechtsradikalen Microsoft übernehmen könnten, auf dass es dann nur noch den Rechtsklick gibt und der Linksklick generell verboten wird.

Kultig und unvergessen war auch das DOS-Programm HD Unwucht, das den Anwendern tatsächlich suggerierte, dass ihre Festplatten ausgewuchtet werden müssen, da sie sonst nicht rund laufen und nur allzu schnell verschleißen. Da laut Software die Einsen der Bits schwerer sind als die Nullen, musste eine entsprechende Umverteilung der Daten vorgenommen werden - wie eine dem Defragmentieren nicht unähnliche Grafik auf dem Bildschirm auch gleich demonstrierte. In besonders schlimmen Fällen platzierte das Tool auch schon einmal die gesammelten Werke von Shakespeare als "schwere Literatur" an einer strategisch wichtigen Stelle auf der Festplatte, um so für ein Gegengewicht zu sorgen. Als "leichte Kost" hätte man dann sicherlich auch die Songtexte von Modern Talking verwenden können.

HD Unwucht stand laut Aussagen der Scherzbetreiber kurz davor, in das Betriebssystem DOS 9.0 aufgenommen zu werden. Aber dann kam ja Windows. Unter Windows wurden die Scherze nun ganz ernsthaft gemacht. Es gab tatsächlich eine Software offiziell im Handel zu kaufen, die ernsthaft vorgab, den RAM-Speicher des Rechners auf virtuelle Weise zu verdoppeln, um so die Geschwindigkeit des Rechners zu potenzieren. Die Anwender kauften das Programm wie verrückt. Bis bei einem Benchmark-Test herauskam, dass die Software rein gar nichts am PC änderte - trotz toller Status-Grafiken und vieler Optionen zum Anklicken. Der erste Software-Placebo war geschaffen. Dass dieser Scherz allerdings herauskam, war sicherlich nicht im Sinne der Erfinder.

Heute ist es ruhig geworden an der Spaßfront. Nix passiert. Wenn es hochkommt, bekommt der Anwender ein paar Spaß-Mails von seinen Freunden zugeschickt oder installiert ein Nonsense-Tool, das die Anzahl der Mausklicks misst. Gibt es denn keine Programmierer mehr, die sich etwas Spaß zutrauen? Nun, ich habe eine Idee. Letztens habe ich einen Freund angerufen - und die Verbindung war richtigmiserabel. Das lag daran, dass seine Frau eine Metallhaube über die Sendestation seines drahtlosen Haustelefons gedeckt hatte, um streng nach Feng Shui böse Strahlungen zu neutralisieren. Das tat die Haube so gut, dass auch das Telefon nicht mehr funktionierte.

Da kam mir die Idee für Feng Shui 1.0. Ein Scherzprogramm für Windows, das dafür sorgt, dass alle Vorgänge am PC nur noch nach Feng Shui durchgeführt werden. Da kann man dann etwa dafür sorgen, dass alle Business-Icons auf dem Bildschirm so weit weg wie möglich vom Tower-Gehäuse entfernt platziert werden - damit das geschäftliche Geschick des Anwenders nicht vom Lüfter eingesaugt und dabei zerhackt wird. Bildschirmschoner mit fließendem Wasser und Wolkenbildern sind Pflicht, um das eigene Karma zu verbessern. Und der Drucker muss im Nachbarraum stehen, weil er sonst die kreative und runde Atmosphäre mit seinen eckigen Formen stören könnte. Wie auch immer: Hier gibt es eine Humor-Baustelle, die dringend beackert werden muss.

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Eisenbaer (27.09.2008, 12:13 Uhr)
Sie meinen das "Neo Feng-Shui"...
...also der westlichen Adaption des klassischen Feng-Shui aus der daoistischen Schule des alten Chinas? Das könnte sogar eine gute Idee sein, denn das "Neo Feng-Shui" hat eher nur entfernt mit dem klassischen Feng-Shui zu tun. Handelt es sich hierbei doch um einige mit großer Fantasie umgedeuteten Lehren des "klassischen" Feng-Shui chinesischer Tradition. Mit anderen Worten: eigentlich kann man hierbei nichts falsch machen, ebenso wenig wie etwas wirklich richtig ist ;-))

Lassen Sie also Ihrer Fantasie ruhig freien Lauf: Sie können gar keinen Fehler machen!!!
fladdy36 (26.09.2008, 16:41 Uhr)
klasse :D
hab mich wieder in alte zeiten versetzt gefühlt.... wobei auch noch die ersten windoof spaßprogramme nicht zu vergessen seien: auflösung des textes unter worddokument. die buchstaben fielen runter.... oder pac-man frass sich auf einmal durch den monitor....
jaa heute kommen nur noch bösartige viren und machen WIRKLICH alles kaputt....
aber feng-shui für rechner.... klasse
Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind