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4. April 2008, 11:06 Uhr

Vista zu fett für Billig-PCs

Windows Vista kann auch in Entwicklungsländern nicht punkten: Hersteller von "Ultra Low-Cost-PCs" bevorzugen kostenlose Open-Source-Betriebssysteme. Daher lässt Software-Gigant den Vista-Vorgänger XP länger weiterlaufen als geplant.

Das taiwanische Model Freda Fang posiert mit dem Asus Eee Billig-PC, der nur 245 Dollar kostet© Nicky Loh/Reuters

Für Microsoft-Chef Steve Ballmer ist das vor gut einem Jahr präsentierte Computer-Betriebssystem Windows Vista eine einzige Erfolgsstory. Noch nie sei ein System von Microsoft so schnell vom Markt angenommen worden, betont Ballmer seit Monaten bei jeder Gelegenheit. Doch ausgerechnet beim heißesten aktuellen Trendprodukt der Hardware-Industrie kann Microsoft mit Vista nicht punkten: Für die einfachen und preiswerten "Ultra Low-Cost PCs" (ULCPC) hat der weltgrößte Softwarehersteller derzeit nur das inzwischen etwas angestaubte System Windows XP im Angebot.

Auf der Entwickler-Konferenz IDF des Chip-Herstellers Intel in Schanghai standen PC-Hersteller wie Lenovo, Asus, Panasonic, MSI und Toshiba Schlange, um ihre neuen Billig-Laptops und "Mobile Internet Devices" anzukündigen. Zuvor hatte Chipgigant Intel neue "Atom"-Mikroprozessoren präsentiert, die dieser neuen Geräteklasse zum Durchbruch verhelfen sollen. Die in Schanghai vorgestellten Rechner hatten alle eines gemeinsam: Auf keinem lief das neue Windows-Betriebssystem Vista. Fast alle Hersteller hatten sich für Varianten des freien Betriebssystems Linux entschieden. Nur einige wenige Geräte wurden (auch) mit Windows XP vorgeführt. Das von Microsoft ursprünglich für Westentaschen-Computer und Mobiltelefone entwickelte System Windows Mobile spielte überhaupt keine Rolle.

Auch in Schwellenländern immer mehr Open-Source-Programme

Dieser Trend setzt sich auch beim "Classmate"-PC fort, mit dem Intel die Klassenzimmer der Schulen in den Schwellenländern erobern möchte. Zwar gibt es auch Windows-XP-Varianten des Schul-Laptops. Doch die meisten Abnehmer entscheiden sich für Open-Source-Software wie Mandriva Linux oder Ubuntu. Für die kleineren "Mobile Internet Devices" organisiert Intel selbst das "Mobile Linux Internet Project", das den Einsatz von Microsoft-Software überflüssig macht.

Intel möchte das Wachstum des Billig-Segments in der PC-Industrie nicht alleine auf Einfach-Laptops ("Netbooks") und kleinere Internet-Geräte wie das Lenovo MID beschränkt wissen. Auf dem IDF präsentierte der Chipkonzern ein Referenz-Design für einen "Nettop", einen kompakten Schreibtisch-Rechner, mit dem man gut im Web surfen und hoch auflösende Video-Filme abspielen kann.

Windows XP neu aktiviert

Für diese einfachen Anwendungen benötigt man in der Regel nicht die leistungsstarke und teure Hardware, die Microsoft für sein neues Betriebssystem Windows Vista verlangt. Außerdem überlegen sich die Hersteller der Billig-PCs ganz genau, ob sie für ihre Geräte ein kostenloses System wie Linux einsetzen oder einen beträchtlichen Anteil des knapp kalkulierten Verkaufspreises für eine Windows-Lizenz an Microsoft durchreichen.

Um überhaupt bei den Billigrechnern künftig vertreten zu sein, hat Microsoft nun seinem (im Vergleich zu Windows Vista) genügsameren System Windows XP ein neues Leben eingehaucht. Im Umfeld einer Konferenz mit Regierungsvertretern aus Südamerika in Miami kündigte Microsoft an, Windows XP bis zum Sommer 2010 für den Einsatz auf den "Ultra Low-Cost PCs" auszuliefern. Eigentlich hatte der Softwaregigant den Vertrieb von XP in diesem Sommer einstellen wollen.

Microsoft kündigt Marketingkampagne an

Indes hat Microsoft angekündigt, mit einer millionenschweren Kampagne dem Computerbetriebssystem Vista und dem Online- und Handygeschäft auf die Sprünge zu helfen. Mindestens 191 Millionen Euro sollten dafür investiert werden, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD). "Kunden sollen PCs kaufen, nicht obwohl Windows drauf ist, sondern weil Windows drauf ist", sagte ein Konzerninsider.

Der Konzern hatte den Nachfolger des Betriebssystems Windows XP Anfang 2007 gestartet. Die Offensive solle auch Microsofts bislang schlecht laufenden Onlinedienst Live.com und das Handybetriebssystem Windows Mobile populärer machen.

Christoph Dernbach/DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Wiseblood (06.04.2008, 17:16 Uhr)
Zum arbeiten ist Linux ausreichend...
Windows bewegt sich im moment eher in die Ecke, die früher von Amiga besetzt war....wenn man aktuelle Games zocken will, braucht man Windows...
Ansonsten tuts auch Ubuntu...ich hab noch nie n nvidia-treiber compiliert.....Paket runterladen, konfigurieren, fertig....
Wer natürlich auf Bastel - Distributionen steht muss basteln....
Ich verkaufe seit 1 Jahr gebrauchte Computer mit Ubuntu - Linux...wenn man die Leute erst mal dazu bekommt es auszuprobieren, wollen sie meist kein Windows mehr...
screne (05.04.2008, 17:12 Uhr)
PS
Und solange es für Linux keine stabile binäre Treiber-ABI gibt, wird auch Linux auf dem Desktop keine Rolle spielen. Ich habe 10 Jahre Linux-Erfahrung und mittlerweile keine Lust mehr, bei einem neuen (oder einem anderen nur binär vorliegenden) nvidia-Treiber jedes Mal den Treiber neu kompilieren zu müssen. Das muss so gehen wie unter Windows. Geht aber derzeit nicht und das ist schlecht.
screne (05.04.2008, 17:10 Uhr)
Bei aller Euphorie und Linux-Sympathie
Ich nutze seit 10 Jahren Linux. Bei aller Euphorie und Sympathie für Linux und Abneigung gegen Vista: An Windows führt derzeit für die breite Masse an Anwendern kein echter Weg vorbei. Siehe Wal-Mart-PC mit Linux - es hagelte Beschwerden und negative Testergebnisse, weil das Ding "nicht kompatibel" war. Ja, man kann nun darüber streiten, warum die Nutzer nicht begreifen, warum bei einem 200-Dollar-PC kein Windows mitgeliefert werden kann und warum die nicht darauf gekommen sind.
Solange nicht die große Masse an Softwareherstellern wie Adobe, tausende kleienere Unternehmen und vor allem Spielehersteller auch Linux-Versionen anbieten, wird es beim Windows-Monopol bleiben.
Apple spielt derzeit mit ihrem arroganten auftreten auch keine echte Rolle. Die Wahl zwischen Microsoft und Apple ist politisch gesehen die Wahl zwischen Pest und Cholera: http://www.nydailynews.com/news/2008/04/03/2008-04-03_apple_computer_says_somethings_rotten_wi.html
Die wehren sich doch tatsächlich gegen eine Umweltkampagne der Stadt New York, weil die Stadt ein Apfel (New York = "The Big Apple") als Logo gewählt hat. Hat nichts mit IT zu tun, aber da mag man sich nun denken, was man will.
gmathol (04.04.2008, 22:26 Uhr)
Mit Vista kamen wieder Treiberprobleme!
Das glaubte man seit WIN98 hinter sich gelassen zu haben.
Was hatte sich Microsoft dabei eigentlich gedacht? Das wir nun alles wegschmeissen und neu kaufen? Viele kleine nuetzliche Softwarepakete z. B. fuer die Video-Bearbeitung oder Webentwicklung laufen nicht mit VISTA oder fuehren bei der Installation zu Problemen.
Linux wird in 1 bis 2 Jahren selbst dem MAC OS den Garaus bereiten, da die Preismodelle und Verfahrensweisen von Apple zu gierig angelegt sind.
derSchuft (04.04.2008, 16:28 Uhr)
Vista wird Microsoft wohl noch lange übel aufstossen.
Es ist schon unglaublich befremdlich, wenn man beobachtet, wie viele Menschen das vorinstallierte Vista auf ihren neuen Rechnern durch XP austauschen.
Aber auch verständlich. Da gibt man knapp tausend Euro für einen neuen Rechner aus, der doppelt so schnell wie der alte ist, sich durch Vista jedoch wesentlich langsamer anfühlt.
Stoosh2 (04.04.2008, 13:29 Uhr)
Linux ist doch gut!
Hier mal mein Statement zum Artikel! Ich begrüße es sehr, dass diverse Hardwarehersteller auf Linux setzten! Für die meisten User reicht es vollkommen. Office, Internet, E-mail, Chat... alles Aufgaben, die Linux hervorragend meistert und je mehr Verbreitung das System findet, desto mehr "professionelle" Software findet seinen Weg zum Pinguin... und wir müssen in Zukunft vielleicht nicht mehr mit tollen Betriebssystemen wie Windows Vista ärgern!
peterlaaser (04.04.2008, 13:07 Uhr)
Wer wissentlich VISTA kauft, hat sein Anrecht auf Mitleid verspielt.
Microsoft hatte mit WindowsME schon eine ziemlich unglücklich Hand, aber Vista schiesst den Vogel ab. Hoffen wir mal, dass die nächste Version nach Vista mal wieder ein Schritt nach vorne wird. Bei ME->XP hat das ja wenigstens geklappt.
guinness.1 (04.04.2008, 12:49 Uhr)
Windows Vista - aufgebläht und überflüssiger Schnickschnack...
Ich bin froh, daß derzeit mein Netzwerk mit Windows XP super und schnell läuft, und werde das auch nicht ändern. Schließlich muß ich schnell arbeiten können und verzichte dabei gern auf überflüssigen Quark.
.
Windows Vista ist für mich ein aufgeblähter Schnickschnack, den ich nicht brauchen kann.
Wozu auch?
Ich müßte meine gut und schnell laufenden Rechner alle austauschen, weil sie für Vista zu klein wären.
Ich habe noch keinen getroffen, der bei geschäftsmäßiger Nutzung glaubt, ohne Vista nicht leben zu können.
Das Gegenteil ist der Fall.
.
Mein Hardware-Betreuer hortet für seine Kunden XP-Computer, solange noch welche zu kriegen sind.
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