Hat hier jemand iAngst?

10. Januar 2010, 19:31 Uhr

Die Consumer Electronics Show hat gezeigt, welcher High-Tech-Spielkram uns erwartet. Zwei Themen überstrahlten alles: 3D und Tablet-PC. Das eine war größer, das andere kleiner als erwartet. Von Ralf Sander, Las Vegas

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CES, Consumer Electronics Show, Gadgets, Las Vegas

Ballmer beglückt die IT-Welt mit dem "Slate"-PC©

Die Gadget-Parade auf der Consumer Eletronics Show (CES) ist weiter gezogen, der Staub der Wüste von Las Vegas legt sich. In Erinnerung bleibt eine High-Tech-Leistungsschau , in der sich die Branche endlich wieder selbstbewusst und optimistisch präsentiert hat, jubelt Gary Shapiro. Die mehr als 2500 Aussteller hätten mehr als 20.000 neue Entwicklungen gezeigt, sagt der Chef des US-Branchenverbands CEA, der die CES ausrichtet. Zahlen, die nach zwei krisengeschüttelten Jahren wieder nach oben zeigen.

Detailverbesserungen, Me-too-Produkte und vereinzelt auch dummdreiste Plagiate füllen naturgemäß einen Teil der Stände. Wer etwas sucht, findet auch Innovationen: wie den kleinen Projektor von Light BlueOptics, der jede Oberfläche in einen Touchscreen verwandeln kann. Weitere Beispiele: Toshiba stopft in seine Fernsehgeräte der neuen "Cell TV"-Serie ungefähr die zehnfache Rechenpower eines handelsüblichen PC und will den Fernseher zur 3D-fähigen Alleskönner-Maschine mit Hochgeschwindigkeitsinternet machen. Weniger spektakulär, aber wichtig sind die vielfältigen Angebote rund ums Energiesparen, um verbesserte Akkus und kabellose Stromübertragung. Und bei manchem kommt es nur auf das Aussehen an: Das Bedürfnis der Menschen, ihre Musikplayer und Kopfhörer zu verschönern, lockt MP3-Kosmetiker an, die verrückte Swarowski-Schutzhüllen, iPod-Panzer und Ohrstöpsel-Ornamente anbieten. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, doch alles bleibt im Schatten der beiden Riesenthemen dieser CES: 3D fürs Wohnzimmer und das angebliche Comeback der Tablet-PCs. Beides wurde im Vorfeld ordentlich hochgekocht, doch die Messewahrheit hielt zwei Überraschungen bereit: Das eine Thema wurde unter-, das andere überschätzt.

Wirklich eine neue Dimension

3D-Kino in den eigenen vier Wänden – was auf der Ifa in Berlin noch wie ein ambitionierter Frühstart einiger weniger Firmen wirkte, erschlägt nur wenige Monate später auf der CES alles. Alle großen Hersteller zeigen 3D-fähige Fernseher mit dazu passenden Brillen. Zahlreiche neue TV-Geräte können außerdem in Echtzeit zweidimensionale Filme in 3D umrechnen. Samsung, Sony, Toshiba und Panasonic kündigen 3D-fähige Blu-ray-Player an. Und LG zeigt einen Fernseher, der den gerade erst verabschiedeten Standard für 3D-Kameras unterstützt. Digicams, mit denen Otto Normalverbraucher dreidimensional fotografieren kann, gibt es natürlich auch. Die Macht, mit der 3D auf der CES auf den Besucher einstürmt, zeigt, wie ernst es der Industrie mit ihrem Vorhaben ist, das dreidimensionale Sehvergnügen in unsere Wohnzimmer zu zwingen. Ob wir Lust haben, uns mit 3D-Brillen aufs Sofa zu setzen? Das ist für die Unternehmen längst keine Frage mehr. Der Grund ist einfach: "In Deutschland werden pro Jahr rund acht Millionen Fernseher verkauft", sagte Panasonic-Manager Ralf Hansen. "Um das Niveau zu halten, müssen neue Technologien für den Verbraucher und neue Erfahrungen her." Darin ist sich die Industrie einig , deshalb ziehen alle an einem Strang.

Flacher als erwartet

Einigkeit fehlt allerdings bei dem anderen Thema der CES: dem Tablet-PC. Der Kleincomputer mit Touchscreen und ohne Tastatur, gedacht zum Surfen und Lesen auf der Couch oder unterwegs, soll nach seinem Flop vor neun Jahren durchstarten - aber so richtig. Der aufgebaute Hype ist gewaltig. Um die hohen Erwartungen zu erfüllen, müssten in den Messehallen mindestens so viele Tablet-PCs präsentiert werden wie Tabletts in einer McDonald's-Filiale. Doch nichts da. Die Ernüchterung setzt bereits bei der CES-Eröffnungsrede von Steve Ballmer ein. Nur schlappe drei Minuten spricht der Microsoft-Chef über Flachmänner mit Windows 7, die Hewlett-Packard, Archos und Pegatron auf den Markt bringen würden. So dürr diese Worte, so wenig fruchtbar auch die Ankündigungen der anderen Hersteller. Dell und Motorola bauen eigene Geräte, wobei Motorola auf die Google-Software Android als Betriebssystem setzen will. Über Asus war im Vorfeld zu hören, dass der taiwanesische Hersteller angeblich einen eigenen Tablet-PC vorstellen werde. Doch Asus belässt es bei bereits bekannten einer Version seines Netbooks EeePC, das einen drehbaren Touchscreen hat. "Das kommt bei uns im Moment einem Tablet-PC am nächsten", heißt es am Messestand lapidar. Womit wir genau bei dem eigentlichen Phänomen wären. Es gibt jede Menge Geräte, die einem Tablet-PC ähneln, aber nicht als solcher entwickelt wurden: Der Cinepal von Aluratek ist eigentlich ein tragbarer Videoplayer mit berührungsempfindlichem Display. Sonys Dash ähnelt einem klobigem Radiowecker mit Internetanschluss, kann aber auch zum Surfen verwendet werden. Der Entourage Edge ist ein doppelseitiges Gerät, das links mit einem E-Book-Lesebildschirm und rechts mit einem normalen Notebook-Monitor ausgestattet ist. Grafikchip-Spezialist Nvidia hat einen Tablet-Prototyp gebaut, der die Leistungsfähigkeit seines neuen Tegra2-Chips demonstriert. Um ein konkretes Produkt soll sich ein anderer Hersteller kümmern. Wie das aussehen wird, ist noch offen.

Tablet-Wahn

Dieses Spiel aus Prototypen, Ankündigungen und Technikdemos ist nicht ungewöhnlich. Allerdings: Was diesmal auffällt, ist eine Art widerwillige Besessenheit, mit der die Branche ein Schlagwort nutzt das sie hasst: Tablet, das mit Angstgegner Apple in Verbindung gebracht wird, der sich wie üblich auf der CES gar nicht erst blicken lässt. Gleichzeitig kann sie nicht die Finger davon lassen und pappt es wie einen Aufkleber auf alles , was einigermaßen passt . Am offensichtlichsten ist diese Sorge, einen Trend zu verpassen, bei der Keynote von Steve Ballmer zu erkennen. Die kommende Geräteklasse der Tablet-PC mit Windows 7 solle "Slate" (Schiefertafel) genannt werden, verkündete der Microsoft-Chef. Eine peinliche Kampfansage gegenüber Apple. Der Schöpfer von iPhone und iPod wird wahrscheinlich Ende des Monats eine eigenen Variante vorstellen. Als Namen werden "iTablet" und "iSlate" kolportiert . Seit vielen Monaten gibt es diese Gerüchte bereits, und sie haben offenbar die Konkurrenz soweit weichgekocht, dass sie auf den Tablet-Zug aufgesprungen ist. Was auch immer Apple in einigen Wochen veröffentlicht - die iAngst hat die Branche längst erfasst.

 
 
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KOMMENTARE (10 von 11)
 
nerventanz (12.01.2010, 23:50 Uhr)
Was hat das mit Microsoft zu tun?
Zählt mal die Beiträge zu Apple aktuell im Digital-Teil. Außerdem sollte sich jeder Apple-Fanboy hier selbst an die Nase fassen und aufhören, Microsoft lächerlich zu machen (siehe dieser Artikel). Apple handelt genauso lächerlich, nur dass sie noch stärker auf Kohle aus sind und mit Zähnen jegliches Merkmal an der eigenen Plattform verteidigen und so versuchen Benutzer einzusperren. Da gefällt mir die offenere Microsoft-Plattform um einiges besser und PCs sowieso, weil ich DAS kaufen kann, was ich mir aussuche und nicht wozu mich Apple zwingt. Das einzige was an Apples Zeug gut ist, ist dass sie vom hervorragenden FreeBSD-Betriebssystem abgeschaut haben, wie man einen vernüftigen Unterbau für ein Desktop schafft.
Lynx2 (11.01.2010, 21:33 Uhr)
Ach ja, die Microsoftjünger..
... regen sich auf über Mac und jubeln die Windowsplattform hoch. Was ist daran anders, als was die Mac-Jünger machen. Ich arbeite mit Macs und PCs und die Macs gefallen mir besser, weil sie mehr meinen Bedürfnissen entsprechen. Die PCs haben auch ihre Vorteile, für den Einen oder Anderen. Der Preis? Warum kaufen sich manche Leute 'nen Mercedes? Ist teuer und kann auch nicht mehr, als von A nach B und zurück fahren.
Was Jobs macht interessiert mich nicht, aber wenn mir seine Produkte gefallen, kaufe ich sie halt. Wozu die Aufregung?
Leser0815 (11.01.2010, 21:11 Uhr)
Hat den Artikel mal jemand gelesen?
ich denke eher nicht, abgesehen davon, daß Ihr Euch nichteinmal einig seit was an Apple so sch.... ist, keine Werbung zuviel Werbung oder "wo der Haken beim iSlate sitzt" ? Also, ich denke nicht, daß die coolen Manta Fahrer, oder die Golf Jünger sich einer solchen wortgewaltigen rundum Kritik erwehren müssen.
Im Artikel ging es wohl um das Verhalten der Akteure auf der Messe, und die Spekulation darüber, was dieses Verhalten ausgelöst hat. Ich finde den Artikel recht nett verfasst und habe sehr geschmunzelt, beim Lesen, mehr allerdings noch bei den Kritiken! Abgesehen davon daß ich ein echter Apple Fan bin, und weiß warum ich garnicht auf die Kritiken reagieren muß, erfreut mich dieser switch vom eigentlichen Artikelthema zur Anti Apple Kampagne.
Aber einen kleinen Seitenhieb kann ich mir dann doch nicht verkneifen, macht mal weiter so "Anti Apple" Werbung, um so länger werde ich vom Viren/Wurm/Sniffing Wahn verschont, dafür mal danke!

Einen dicken Apfelkuss an alle
acitapple (11.01.2010, 09:50 Uhr)
was habt ihr nur ?
das ist ja nun nichts wirklich neues, dass apple eher den premium-markt bedient, statt den massenmarkt. auch wenn sie in keinem bereich "der king" sind, so geben sie doch ständig denkanstösse.

das muss man apple zugestehen, die sind immer noch innovativ. die meisten firmen, die klein und innovativ anfangen ändern sich mit dem wachstum radikal. sobald nämlich die "manager" und buchhalter das ruder übernehmen, wird jede innovation zu tode gerechnet und nur noch für den wasserkopf gearbeitet.

@motzerator: bedenken sie bitte, egal welche firma was tolles entwickelt, es wird sich nicht durchsetzen, wenn das marketing nicht stimmt und niemand von den tollen geräten erfährt !
Motzerator (11.01.2010, 09:24 Uhr)
Wetten: Apple wird nicht der Slate King?
Die Tablet Revolution erwarte ich eher aus der Ecke von Asus und Co, diese Firma hat mit den Netbooks bereits eine Revolution im Computermarkt ausgelöst und hat auch bereits ein Slate Design am Start.

Ein anderer Hersteller ist Freesacele, hier wird auf ARM Prozessoren und Linux bzw. Android als Betriebssystem gesetzt.

Das Microsoft und Co mit ihren Tablet PC sich bisher nicht durchsetzen konnten, hat viele Gründe:

Erstens war das einfach Pionierarbeit, die da seit Windows XP geleistet wurde und solche geräte sind teuer und daher nicht Massenmarkt tauglich.

Zweitens wurden einem vollwertige PC als Tablet verkauft, mit entsprechendem Preis und Gewicht. Ich sehe den Tablet PC aber eher als großes Smartphone ohne Phone, man will damit ins Internet gehen, sonst nichts. Daher ist hier wie bei den Netbooks weniger mehr. Der Spass darf nicht viel kosten und nix wiegen, Hauptsache man kommt überall an sein Internet dran und das schnell, was für Android und gegen Windows spricht und somit auch Intel nicht unbedingt nötig macht.

Apple wird in diesem Rahmen mit seinem iSlate wieder den premium Markt für die lifestyle Fuzzismit einem tollen Gerät bedienen. Apple Geräte sind immer toll, genauso wie das iPhone, aber sie haben immer einen riesen Nachteil der sie für die Masse unbrauchbar macht. Man wird sehen, wo der Haken beim iSlate sitzt aber auf eines kann man jetzt schon gefasst sein, die Apple Sekte wird diesen Nachteil schon kleinreden, egal wie groß er ist.

Dennoch sollte man darauf gespannt sein, wie sich der Markt weiter entwickelt. Auch wenn ich definitiv zu den Menschen zähle, die Apple sehr kritisch betrachten und den Konzern in der "Böhse Firma Skala" noch weit vor Microsoft und Google sehen, freue ich mich auf das iSlate. Es wird nämlich auch den Markt für vernünftige Tablets ordentlich anheizen. Das ist wie beim iPhone, ich wette es gäbe heute kein Motorola Milestone wenn vorher nicht das iPhone gewesen währe. Aber den Tablet Markt aufrollen werden die Billigheimer, mit einfachen und praktischen surf Tablets!
allesklar (11.01.2010, 06:41 Uhr)
bitte bitte
die finanzkraft und power von apple nicht ueberbewerten.... apple hat sauteure laptops.

und selbst das pentagon bestellt microsoft...
allesklar (11.01.2010, 06:38 Uhr)
@Stern Manager
Diese studie wuerde ich kaufen ....



27 mins ago

SAN FRANCISCO ? Most local news still flows from newspapers even as an Internet-driven upheaval diminishes the depth of their coverage, according to a study to be released Monday.
LeStar (11.01.2010, 01:14 Uhr)
*schnarch*
Apple hier, Apple da - bei Stern ist das offensichtlich Tagesordnung. Andere Magazine sind da objektiver in der Berichtserstattung. Wer wirklich wissen will, was auf der CES los ist und was welcher Hersteller anbietet, wird das aus so einem schlecht recherchiertem Artikel nicht herausfinden. Hier hat mal wieder ein Apple-verliebter Jünger sich als Redakteur versucht.

Die einzige Kunst, die Apple versteht ist die Nicht-Werbung. Damit erzeugen sie bei ihren Jüngern die Spannung, wie beim 5jährigem zu Weihnachten.
nerventanz (11.01.2010, 00:55 Uhr)
@master_of_chaos
Aber echt... dieses Fanboy-Getue nervt unheimlich. Inzwischen habe ich auch bereits verstanden, dass Stern.de anscheinend von Apple Geld für den Müll bekommt. Der Digital-Teil ist voll mit Apple-Spam. Das kann man langsam gar nicht mehr angucken.
master_of_chaos (10.01.2010, 23:35 Uhr)
Feuchte Träume
Wie wäre es , wenn der Stern anstelle eines Apple-Jüngers mal "unparteiische" Autoren an die Tastatur ließe, um einmal wirklich objektive und aussagekräftige Techniknews zu verfassen?

Auch wenn die Geräte von Apple im Vergleich zu Windows belasteten Systemen die ein oder anderen Vorteile haben können so ist aich Aplle niocht das Maß aller Dinge und kopiert auch nur mehr oder weniger schlecht von anderen , nur die Werbetrommel rühren sie besser.

Zumindest in meinem Bekanntenkreis hat sich diese Einsicht eingestellt, da spart jeder schon mal 505 beim MP3 Player und ist DRM-frei glücklich.




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