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2. Oktober 2008, 11:32 Uhr

Die Millionen-Macher

Sie fahren Sportwagen, sitzen in schicken Büros, erzielen bei Ebay siebenstellige Jahresumsätze - und arbeiten hart dafür: Wie vier Händler den Aufstieg in die Riege der Top-Powerseller geschafft haben. Von Christoph Henn

Drei Jahre lang stand die Lampe im Lager ihres Leuchtengroßhandels, ein Einzelstück der Luxusmarke Artemide. Michael und Daniel Skapetze wussten nicht genau, was sie damit machen sollten. Dann versuchten sie es 2001 bei Ebay. Zu ihrer Überraschung ging die Lampe mit Gewinn weg. Und die nächsten fünf auch. Also fingen die Brüder an, eigens für Ebay Lampen zu bestellen. Zuerst kam die Ware im Pkw, dann im Pkw mit Anhänger, dann im Kleintransporter und irgendwann nur noch per Lastzug. "Wir haben immer gesagt: Wir brauchen mehr, mehr, mehr!"

Immer mehr will auch Alexander Scharnböck. Vor kurzem erst hat er das Lager seiner Nebulus GmbH in Niederbayern um 600 auf 1000 Quadratmeter vergrößert. Doch nach wie vor deutet in der Halle wenig darauf hin, dass hier Millionenumsätze mit hochwertiger Markenbekleidung gemacht werden. Das Lager besteht aus vielen Pappregalen: nach vorne offene, übereinander gestapelte Kartons, die mit Paketklebeband zu größeren Modulen verbunden sind. Erst die Markennamen, die mit wasserfestem Stift auf die jeweiligen Kartons gekritzelt wurden, weisen auf Mode hin. In den Pappboxen liegen Hosen von Miss Sixty, Shirts von Tommy Hilfiger, Sonnenbrillen von Marc Jacobs, String-Tangas von Versace - jeweils ein Produkttyp pro Box.

Lagerhaltung - chaotisch, aber erfolgreich

"Was wir hier haben, nennt man in der Fachsprache chaotische Lagerhaltung", sagt Scharnböck. Anders als in einer Bibliothek, wo Bücher nach einem bestimmten System und immer am selben Ort einsortiert werden, gibt es in seinem Lager keine festen Stellplätze für Hosen von der einen oder Geldbeutel von der anderen Marke. Dafür ist das Geschäft des 32-Jährigen, der im großen Stil Moderestposten auf- und über Ebay wieder verkauft, zu schnell und zu wenig planbar: "Ich weiß heute nicht, was in zwei Wochen reinkommt." Er deutet auf die Europaletten, auf denen die Paketregale stehen: "Wenn nötig, können wir das Lager innerhalb einer Stunde komplett umbauen."

Chaotische Lagerhaltung hin oder her: Das wahre Chaos hat Scharnböck hinter sich. Es gab Zeiten, in denen er sein komplettes Geschäft - damals rund 600 Sendungen im Monat - von einer kleinen Einliegerwohnung mit Garage aus abwickelte. Dort nutzte Scharnböck jedes Fleckchen, das er finden konnte: In der Dusche bewahrte er seine Artikel ebenso auf wie im Backofen. Das war 2002, ein Jahr, nachdem seine Verkäufer-Karriere bei Ebay eher zufällig begonnen hatte: Eigentlich wollte der Informatik-Kaufmann nur Platz im Kleiderschrank schaffen, als er ein paar getragene Markenklamotten bei Ebay einstellte. Erst war er nur erstaunt, dass jemand für sein gebrauchtes graues Boss-Hemd mehr als 50 Mark zahlte - dann war er angefixt: "Ich sah plötzlich eine neue Chance, mich selbstständig zu machen", sagt Scharnböck, der zuvor im Bayerischen Wald mit mäßigem Erfolg mit Computern gehandelt hatte. Also fuhr er mit seiner Frau nach Italien, klapperte Outlet-Center ab und suchte Mode-Schnäppchen: "Ob für Männer oder Frauen, war egal", sagt Scharnböck. "Die Hauptsache war, dass die Sachen von bekannten Marken stammen und billig sind."

Aus dem Elektromarkt zu Ebay

Hauptsache billig: Mit dieser Strategie waren fast zeitgleich, aber am anderen Ende der Republik, auch Ronny und Doreen Krüger unterwegs. Nachdem sie durch Zufall bemerkt hatten, wie gut sich DVDs bei Ebay verkaufen lassen, gingen die Berliner jedes Wochenende auf Einkaufstour. Ihr Revier: Kaufhäuser und Fachmärkte wie Karstadt, Media Markt und Saturn. Dort kauften sie alle 9,99-Euro-Angebote, die sie kriegen konnten - was nicht immer ganz einfach war: "Wir hatten praktisch jedes Wochenende an irgendeiner Kasse Diskussionen, weil wir mehr als haushaltsübliche Mengen kauften." Doch das Diskutieren lohnte sich: Jede DVD versteigerte das Ehepaar im Schnitt mit acht Euro Gewinn. Bei rund 30 DVDs täglich wurde das nebenberufliche Gewerbe schnell zur Haupteinnahmequelle für die beiden angestellten Elektroniker. Die Krügers profitierten in ihren Anfangszeiten als Ebay-Verkäufer davon, dass sie in Berlin so viele Sonderangebote abstauben konnten wie in keiner anderen deutschen Stadt - und davon, dass sie kaum Konkurrenten hatten: "Damals gab es bei Ebay vielleicht fünf Verkäufer, die jeweils 100 DVDs im Angebot hatten."

Wie Ronny Krüger, dessen Firma Solfire Media heute mehr als zwei Millionen Euro Jahresumsatz macht, geht es vielen Powersellern, wenn sie von ihren Anfängen als Unternehmer zu Beginn des Jahrtausends erzählen: Sie geraten ins Schwärmen über die Zeit der hohen Margen und des geringen Konkurrenzdrucks; eine Zeit, in der Ebay eine Goldgrube gewesen sein muss, die nur darauf wartete, ausgebeutet zu werden.

Der Goldrausch des Powersellers Niclas Walser, 31, begann sogar noch ehe er Ebay entdeckte. "1999 hatte ich die tollste Zeit meines Lebens", sagt der Mann, der heute Geschäftsführer der von ihm gegründeten Foto Walser GmbH & Co KG und Herr über 25 Mitarbeiter ist. Damals hatte er noch nicht das mit Flatscreen-Fernseher, Lederliege, Sitzecke und mehreren Ebay-Trophäen ausgestattete Chefbüro, in dem er heute sitzt. Dafür hatte er viel mehr Freizeit - bei einem Einkommen, das es dem damals 22-Jährigen erlaubte, 60.000 Mark in bar für einen 7er BMW hinzulegen und sich ein Haus für 2500 Mark monatlich zu mieten.

Ebay-Magazin, Ausgabe 03/08. Im Handel

Jedes Wochenende eine andere Stadt

Das nötige Kleingeld verdiente Walser ausschließlich am Wochenende. Gerüstet durch die Erfahrung, die er sich während der Kaufmannslehre bei einem Fotohändler in seiner Heimatstadt Ravensburg angeeignet hatte, und ausgestattet mit einem Gedächtnis, in dem er die Marktpreise aller gängigen Fotoprodukte gespeichert hatte, zog er von Fotobörse zu Fotobörse. Dort hatte er, jedes Wochenende in einer anderen Stadt, mit einer simplen Strategie Erfolg: Er erwarb gebrauchte Fotoapparate, Objektive und sonstiges Zubehör so günstig wie möglich, um die Sachen später so teuer wie möglich weiterzuverkaufen. "Manchmal habe ich um 9.30 Uhr ein Teil für 50 Mark gekauft und es eine Stunde später für 100 Mark wieder verkauft." Dass ihm das gelang, führt Walser auch auf einen logistischen Trick zurück: Er hatte für seinen Stand ein mobiles Kistensystem entwickelt, dank dem er deutlich schneller als alle anderen Aussteller mit dem Aufbau fertig war - und viel Zeit hatte, sich bei den anderen in aller Ruhe nach den besten Schnäppchen umzusehen.

Daniel (25) und Michael Skapetze (39, rechts im Bild)

Daniel (25) und Michael Skapetze (39, rechts im Bild) Firma: Licht-Design Skapetze GmbH & Co. KG, Simbach am Inn; 15 Angestellte
Ebay-Name: skapetze (132.581 Bewertungspunkte)
Produkt: Designer-Leuchten; Verkauf als Groß- und Einzelhändler
Jahresumsatz: ca. 6,5 Millionen Euro, davon ca. 3 Millionen über Ebay
(Foto: Jürgen Stein/Ebay-Magazin;)

Niclas Walser (31)

Niclas Walser (31) Firma: Foto Walser GmbH & Co KG, Burgheim; 25 Angestellte
Ebay-Name: foto-walser (233.387 Bewertungspunkte)
Produkt: Fotozubehör und Studioausstattung; Verkauf als Groß- und Einzelhändler
Jahresumsatz: ca. 9 Millionen Euro, davon ca. 2 Millionen über Ebay
(Foto: Jürgen Stein/Ebay-Magazin)

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
LisaT (04.10.2008, 19:10 Uhr)
Kleiner Schönheitsfehler
Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Ob es diesen Firmen tatsächlich "gut geht" (sprich: ob finanziell etwas hängenbleibt), ist aus der blanken Umsatzzahl nicht ersichtlich. Gut möglich, dass der eine oder andere rote Zahlen schreibt und auf Pump lebt. Diese schönen Geschichtchen sind mit Vorsicht zu genießen. Nur einer gewinnt dabei mit Sicherheit: Ebay.
jackiki (04.10.2008, 17:30 Uhr)
respekt vor diesen menschen!!!
das sind vorbilder für unsere gesellschaft!
norberto (04.10.2008, 16:56 Uhr)
erst informieren, dann verkaufen
Durch den Bezahl-Dienst PayPal und den Kauf der afterbuy GmbH kassiert ebay in Deutschland die komplette Wertschöpfungskette ab.
Für kleinere Händler können es schon mal bis zu 40 Prozent vom Umsatz an ebay-Kosten werden.
Durch neuere Änderungen in der Artikel-Suche sind Artikel nicht optimal zu finden und shop-Artikel werden benachteiligt.
Ausserdem ist man quasi gezwungen alles für 1 EUR anzubieten. Dazu kommt die Mischung aus festen Kosten und variablen Kosten
die eine seriöse Preiskalkulation quasi unmöglich macht. Mit schöner Regelmässigkeit gibt es
negative Presse resultierend meist aus mangelndem Service sowohl von Händlern wie auch von ebay sowie von unseriösen Abmahnungen was sehr schnell hochwertige Kunden vertreibt. Der Aktienkurs ist seit Ende 2005 auf stetiger langsamer Talfahrt.
Wer im online-Handel beginnen möchte findet in Deutschland mittlerweile einige preiswerte Alternativ-Portale.
Motte07 (04.10.2008, 15:59 Uhr)
Dummenfänger
Eine DVD für 9,99 beim Mediamarkt gekauft und mit 8 Euro Gewinn weiterverkauft? Das hat nichts mit Geschäftssinn zu tun, das ist das Ausnehmen von Dummen...
Auch deswegen ist EBay heute nicht mehr so richtig interessant: Schnäppchen gibt es kaum noch, sehr vieles ist genauso teuer oder teurer als im Laden...
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